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Jüdische Rundschau · 1904-10-21 · Heft 42 (21.10.1904) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 42 (21.10.1904)
Date
1904-10-21
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 352. JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 42. Demnächst folgen: Allgemeine Fragen, Palästina, Lage des jüdischen Volkes Erziehung, körperliche Hebung. Ergänzungen und Anträgen snd zu richten an die Mitglicder der Kommission: Dr. Theodor Zlocisti. Berlin, N. 37, Metzc/str. .H Dr. Max Jungmann. Berlin. NO. 55, Bötzowstr. 33. Elias Auerbach, Berlin, N.W. 52, Melanchtonstr. •I. In eigener Sache. Die Oktobernuiunier von ״Ost und West״ enthält unter der Rubrik ״Revue der Presse" einen Artikel, der sich mit dem Fall Fromcr und der Zcitungspolcmjk über ihn beschäftigt. Der Artikel, der in seiner achtzeiligen lieber- Schrift, die wir hier nicht in extenso wiedergeben können, auch die Überschriftsätze ״Pseudonymer Meldenmut" und ״Der Löwe und der Sachse" etitJuil^.X schliesst mit einem heftigen Ausfall gegen mich, den ich trotz der wohlgemeinten Ueherschrift ״Nachdruck verboten" hier buchstäblich zum Abdruck bringe. Er greift eine» von mir in Nummer 37 der ״Weit" geschriebenen ״Berliner Brief" an, und ich dnicke; deshalb ebenfalls buchst :111• lieh den angegriffenen Abschnitt meines dortigen Artikels ab. ״Die Welt”, Nummer 37, Seite 7. ״Der Bibliothekar der Bcrliner jüdischen Gemeinde war ein solcher Mann, von dem man annahm, dass er still und unverdrossen seine Pflicht täte, weil man nichts von ihm bemerkte und sah. Da mit einem Male tritt er in den Vordergrund der öffentlichen Diskussion der Gemeinde. Als der sattsam bekannte Artikel des Dr. Elias Jacob In der ״Zukunft" erschien und den Juden den wohlgemeinten Rat gab, im Taufbecken unterzutauchen, erfuhr man erstaunt, dass D r. F r o nt e r, der Bibliothekar der Berliner jüdischen Gemeinde, der Verfasscr sei. Noch mehr, cs wird in einer sonst sehr zuverlässig unterrichteten Berliner jüdischen Zeitung unumwunden ausgesprochen, dass dieser Elias Jacob Fromer, noch ehe er von der jüdisehen Gemeinde als Beamter angestellt wurde, persönlich die Untertaucliung an der von ihm empfohlenen Stelle hat besorgen lassen. Die jüdische Gemeinde ist also getäuscht worden. Man kann ihr keinen Vorwurf daraus machen, wenn sie hintergangen wird. Gegen Täuschung ist niemand gefeit. Aber man muss auch voraussetzen, dass sie es an der genügen- ״Ost und West”, Nummer 10, Spalte 72S.*) Von diesen Zcitungsartikein verdient einer, nämlich der ״Berliner Brief” in der No. 37 der ״Welt", wegen eines Nebenumstandes ein längeres Verweilen. Der Verfasser, Dr. Heinrich Sachse, konnte es sich nicht versagen, nachdrücklich zu betonen, dass besagter Fromer ein ״russischer Jude" sei. Was soll diese Bemerkung in diesem Zusammenhänge andcres. als auf alle russischen Juden einen Schatten werfen? Unter dem Pseudonym Dr. Heinrich Sachse versteckt sich übrigens kein anderer als Dr. Heinrich Loewe, der Redakteur der ״Jüdischen Rundschau, Organs der zlenlstfsehen Vereinigung für Deutsch- Jand. Dieser Herr unterlässt es nämlich bei keiner Gelegenheit. den ausländischen und speziell russischen Juden seine Antipathie zu bezeugen. Wenigstens Zionisten sollten die Unsitte fahren lassen, zwisehen Juden je nach ihrem Heimatlande einen Unterschied zu machen. Man sollte doch endlich begreifen lernen, dass die Betonung der Gegensätze in bezug aui unsere Herkunft- •ander eia Verbrechen gegen den Einheitsgedaiikcn des jüdischen Volkes ist. Und vollends der zionistischen Presse •) Die hier fett gedruckten Wörter sind in ״Ost und West" entsprechend im Drucke hervorgehoben. würde es besser geziemen, die stolzen und hohen natiorialcn Ideale, die sie auf ihre Falmc geschrieben, davor zu bewahren, dass sie besudelt werden durch eine kindische Gehässigkeit gegen die Juden des Auslandes und einen lächerlichen Dünkel aui die Herkunft aus irgend einem obskuren sächsischen Rübendorf־—— durch eine Gehässigkeit und einen Dünkel, die um so boshafter sind und unheilvoller, als sie nicht offen ausgesprochen werden, sondern in versteckten, aber merkbaren Spitzen sich äussern. Sie offenbaren eine innere Feindschaft, die alles Getue in Gesellrci uni ״unsere östiiclicti Brüder" als verlogene Phrase markieren. Wir wollen den Osten und Westen zu einer höheren Einheit verbinden und müssen alie diejenigen als Feinde des nationalen Werkes zuriiekstossen, die diese Arbeit stören ־ - und iektimüstischcii System allen; %v:‘re!1 sie selbst Redakteure denen vorgezogen wurde, die offizieller zionistischer Biätvielleicht Erspriessliches hatter. ten leisten können." Ich habe hierzu folgendes zu bemerken: 1. Dass ich seit mehr als 10 Jahren unter dem Pseudenym Dr. Heinrich S ac 11 se zionistische Artikel schreibe, ist dem Lesepublikum der ״W c 11” und der ״J üdischen Rundschau” bekannt. Jeder, der überhaupt den Namen Dr. Heinrich Sachse keimt weiss zugleich, dass ich Dr. Heinrich Sachse bin. Trotzdem — und obwohl ein Blick in Kürschners Literaturkalender (z. B. Jahrgang 1903 und 190-1) jeden belehren kann, dass Heinrich Sachse und Heinrich Loewe klcntisch sind — habe ich noch stets, wo ich als Angreifer aufgetreten bin. meinen vollen Namen Dr. Heinrich Loewe ehrlich unterschrieben. Das ist auch der Redaktion von ״Ost und West" nachweislich bekannt. Ich füge hinzu, dass ich auf dem Hamburger Delegiertentag ausdriiekheh alle die zahlreichen Pseudonyme genannt habe, in denen ich in der ״Rundschau" schreibe. 111 einem Artikel der ״W e i t" über den Delegiertentag sind alle genannt. Der Schreiber des oben zitierten Angriffs auf mich, der in der Überschrift von ״Pseudonymen Heldenmut" spricht hat der. bessern Teil des Mutes vorgezogen, .seinen N amen nicht zu nenne n. . 2. Seit dem 1. Mai 1903 bestellt die jetzige Redaktion von ״Ost und West", für die als verantwortlicher Redakteur Herr Leo Winz zeichnet. Mit diesem Herrn lasse ich mich in keine Polemik ein. Was mich überhaupt zu einer Antwort veranlasst, ist die Tatsache, dass seit dem 1. Mai 1903 der geistige Berater der Redaktion Herr Dr. Theod o r Z1 o c i s t i ist. ״ohne den kein Beitrag aufgenommen oder abgelehnt wird." 3. Unter der neuen Redaktion sind nunmehr bereits drei grössere Artikel mit der Spitze gegen den Zionismus erschieneu, zuerst der sattsam bekannte Artikel rJ u d e n von gestern", dann Vamberys Leitartikel in der Hcrzlnummer, endlich der letzte, der bisher erschienen ist, die ״Revue der Presse," die mit oben zitiertem Angriff auf mich schliesst wobei sich die Schärfe des Angriffs gegen die Zioniden Vorsicht nicht hat fehlen lassen. Dem ist aber nicht so. Vielmehr ist die An- Stellung erfolgt lediglich weil Herr Dr. Fromer, der ein auf merkwür• digem Wege naturalisierter russischer Jude ist von Prof. Delitzsch empfohlen wurde, und weil die ״liberalen" Vertreter in der entscheidenden Kommismission durchaus nicht unteilen wollten nach der fachlichen Tüchtigkeit, sondern nach dem Parteistandpunkte innerhalb des Judentums. So wurden Gelehrte zu riickge wiesen, Fachleute übergangen und ein Unbckaunter, D r. Fromer, angeste!'.:. der dann im Laufe einer mehr als vierjährigen Tätigkeit bewies, dass er mindestens vom Bibiiothekwoscn keine Ahnung hätte. Jetzt sicht sich die Gemeinde genötigt, den Mann zu entlassen, der bei dem herrschenden pro- I

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