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Jüdische Rundschau · 1904-10-14 · Heft 41 (14.10.1904) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 41 (14.10.1904)
Date
1904-10-14
Page
– (sequence 11)
Language
German
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>.jt* No. 41. JÜDISCHE RUNDSCHAU. * Seite 339. Von Vorteil für. eine junge ciocli in sich nicht starke Bewegung. wie es die zionistische heute leider noch ist, kann eine Partei in einer Pa r t e i kaum sein, aber darüber wollenwir heute nicht befinden, sondernwir müssen uns die Frage vorlegcn, wie finden wir uns am besten mit der Misrachi-Qründung ab. Den Vorschlag des Herrn Dr. Jungmann, die Misrachi nicht anzuerkennen, halte ich für nicht gangbar. Die Misrachi wird sich freiwillig wohl erst dann auflösen, wenn alle Zionisten Misrachisten geworden sind und das kann, soweit ich die Verhältnisse übersehe, noch einige Zeit dauern. Die Misrachisten zur Auflösung ihrer Organisation zu zwingen, halte ich im Interesse unserer Bewegung, die uns doch allen warm am (Merzen liegt, für zu gefährlich, als dass wir ernstlich ein derartiges Ansinnen stellen sollten. Also suchen wir eine Verständigung mit den Orthodoxen herbeizuführen. Diese Verständigung ist um so leichter, •als wir in dem einen Hauptpunkt einig sind: Die Misrachisten erkennen das Basler Programm voll und ganz an. Nicht allzuschwcr wird auch die zweite wichtige Frage in der Organisation zu lösen sein, wenn auf beiden Seiten guter Wille vorhanden ist. Nach dem in Pressburg angenommenen Statut sollen sich die Misrachisten der Landesorganisation untcrordncn, sic werden daher auch in Deutschland den Ortsgruppen beitreten; in den Ortsgruppen können sic dann Sektionen bilden. Tun sic das nicht, gründen sic Scparatvercinc und wollen nach dem schönen Spruch: getrennt marschieren und vereint schlagen, verfahren, dann waren und s:nd sic keine Zionisten, haben daher auch keinen Platz in der Zionistischen Organisation, denn sic haben im Zionismus noch nicht gelernt: Disziplin zu halten. Doch dieser ■ Fall wird nicht cintreten, solange erprobte ,Männer, wie es die ' jetzigen Führer der deutschen Misrachi zweifellos sind, an der Spitze der Bewegung stehen. Fritz S 0 n d h c i m c r. IV. Misrachi. Unter obigem Titel hat Herr Dr. Jungmann in der letzten Nummer der ״Jüdischen Rundschau" einen Artikel veröffentlicht. Die Wichtigkeit des Themas und die Schärfe seiner Behandlung scheinen mir einige Worte zur Diskussion zu rechtfertigen. Darin ist meines Erachtens Herrn Dr. Jungmann wie der Redaktion der Rundschau durchaus beizupfiiehten, dass jede Fraktionsbilduug innerhalb des Zionismus prinzipiell zu verwerfe« und zu bekämpfen ist. Es bedeutet eine solche Gruppenbildung zuin mindesten eine arge Vergeudung von Kraitcn und zwar nach zwei Richtungen hin; einmal hält sic die Mitglieder dieser Gruppen oder Fraktionen von der doch so notwendigen Arbeit für das gemeinsame Ziel ab und zweitens zwingt sie die anders Denkenden geradezu, sich ihrerseits enger aneinander zu schliessen und entfesselt so einen Kampf der Parteiungen innerhalb der Partei, der tätlich für die weitere Entwickelung des Zionismus werden kann. Man möge nun nicht eimvenden, dass in allen Staaten und bei allen Völkern Parteien bestehen und dass grade aus dem Widerstreit der Meinungen und Anschauungen jeder Fortschritt resultierte. In Zeiten äusserer Not, in denen wir uns ja' noch allzusehr befinden, muss — es ist dies eine Binsenwahrheit — jeder innere Hader schweigen und alle Anstrengung darf nur auf das eine, so klar vorgezeihnetc Ziel gerichtet sein. Ist dieses einmal erreicht, erst dann mögen die in jeder grösseren Gemeinschaft selbstverstündlich bestehenden Gegensätze der Anschauungen einander den Rang in der Gunst der Massen streitig zu machen versuchen. Es wäre daher m. E. die Pflicht der an der Spitze unserer Partei stehenden Männer gewesen, die Bildung des Misrachi zu verhindern oder im Keime zu ersticken, ebenso wie das erfreulicherweise mit der ..Fraktion" gelungen, ist. Insbesondere hätten sich die Gesetzestreuen, deren wir ja auch an hervorragender Stelle und zum grossen Vorteil für unsere Bewegung eine ganze Anzahl besitzen, dieser Aufgäbe miterziehen müssen, und vielleicht trägt die liier argeregte Diskussion dazu bei. dass sic ihre bei den Anhängern des Misrachi ohne Misstrauen gehörte Stimme in diesem Sinne erheben. Ihre Bemühungen würden aber sicherlich ausserordentlich erschwert, wenn in weiteren Artikeln mit dem Tone forigefahren würde, den Herr Dr. Jtmgmann in seinen Ausführungen angeschlagen hat. Herr Dr. Jungmann verfällt m. E. allzusehr in den Fehler, den er den Misrachisten vor allem vorwirit. Er stört seinerscits den religiösen Frieden in der Partei, wenn er die Orihodoxie als kulturfeindlich brandmarkt, sie mit dem protestantischen Muckertum auf eine Stufe stellt und die ״Schir.rtch" nicht erleben will, dass ihre Anschauungen von der Tribüne des Basler Kongresses unter den־. Beifall der Majorität verkündet werden. Seine, der Orthodoxie entgegenstehende Weltanschauung in allen Ehren — ich teile sie durchaus. Aber diese Geisteskämpfe auszufechten, dazu Ist die zionistische Partei und die zionistische Presse der ungeeignetste Ort. Wir Zionisten haben Jaffa aus durch das alte Philisterland bis zur ägyptischen Grenze und an der Küste zurück nach Haifa. Alle diese Landstriclie in ihrer wechselnden Eigenart, eine schier zahllose Fülle von einzelnen archäologisch wichtigen Orlslagen, Bauwerke und Kunstdenkmäler ans allen Epochen der Geschichte des Landes, das alles zieht, in Wort und Bild lebendig gcschildert. an dem Leser vorüber. Da sind gewaltige zyklopische Mauern vorgeschichtlichen Ursprungs Reste kanaanitischcr An- Siedlungen, jüdische Synagogen. griechische und römische Tcmpcl Theater und Sätilengänge. Paläste arabischer Fürsten und feste Schlösser der Kreuzfahrer, deren z. T. höchst malerische Ruinen in zahlreichen vortrefflichen Abbildungen nach neuen, von den Reisenden selber gefertigten Aufnahmen vorgeführt werden. — In Nummer 24 erzählt Dr. Borchardt (Kairo) ־ in seiner Irischen Art von den diesjährigen Arbeiten auf dem ägyptischen Grabungsfclde. durch welche die im Jahre 19D2 begonnenen Ausgrabungen an der Pyramide und den! Totentempcl des Königs Ne־woscr־rc (uni 2500 v. Clir.) zum Ab- Schluss gebracht worden sind. Die wuchtigsten architektonischen Ergebnisse der diesjährigen Grabung sind der Nachweis ebicr kleineren Pyramide der Königin neben derjenigen ihres Gemahls, die mächtigen Turmbauten, die die Pyramide des Königs flankieren und das imposante Portal unten im Tale, das den Zugang zu der ganzen gewaltigen Anlage bildete. Die Reste von Relief, auf denen der König in Gestalt einer Sphinx die Feinde seines Reiches niederwirft, sind eine kunstgeschichtliehe Uebe» raschung und wegen der sorgfältig dargestellten 1 Völkertypen auch für den Kultnrhistoriker interessant. Dass die Aufräumung des Innern der Pyramide, worauf übrigens die Kundigen keinen besonderen Wert legten, unterbleiben musste, wird jedem ohne weiteres klar sein, der im Bilde die riesigen gebrochenen Kalksteinbalken hängen sicht, aus denen die Decke der Grabknmmcr zusammengefiigt war. Neben dem Bericht über die wissenschaftlichen Resultate fehlen dem Hefte auch nicht charakteristische Schilderungen von dem Ernst der Arbeit und von den kleinen Freuden des Lebens im Wiistcnlagcr. Beigegeben ist eine architektonisch genaue und auch malerisch gehmgenc Rekonstruktion der gesamten Baulichkeiten inmitten der sic umgebenden Landschaft, eine Verkleinerung nach einer in sehr grossem Masstab ausgeführten farbigen Originalzcichinnig, welche sich auf der Weltausstellung in St. Loris beimi det. Frst nach den diesjährigen Resultaten der Ausgrabungen ' der Deutschen Orient-Gesellschaft ist cs nämlich möglich, uns 1 ein zutreffendes B:ld zu machen von der ganzen Anordnung ’ eines ägyptischen Königsgrabcs des alten Reiches mit allen dazu ' gehörigen baulichen Anlagen. י f ן 1 4

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