Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 38-39 (23.9.1904)
- Date
- 1904-09-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2651273-2651341-2651380--01656-2658524- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
fclo, 38/39. JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 409. Selbsthilfe, zu der er die russischen Juden organisieren will. Sonst aber ist er unser Feind, indem er unter dem falschen Vorgeben, jiidischnational zu sein, die Juden assimilieren möchte, und indem er die jüdischen Arbeiter \ zu wiederholten Malen schon veranlassthat. die j Kastanien aus dem russischen Feuer für die russischen I Kameraden zu holen, die sie zum Dank dafür aus der Arbeit verdrängen und ihrem eigenen Sozialismus in Kischincw und Hornel, in Sosnowice, Snamja und Rowno Ausdruck verleihen. Dass der ״Bund“ nicht in den Himmel wachse, dass er keinen zu beträchtlichen Teil der Juden hinter sich vereinigen wird, dafür sorgt schon seine eigene unaufrichtige Kampfesweisc gegen den Zionismus, dafür sorgt' der Zionismus durch soziale Innenarbeit, und dafür sorgt vor allem der unausrottbare Judenhass selbst der sozialistischsten Sozialisten-— in Russland. Poel Zion. Bericht der 7. ordentlichen Jahresversammlung der Aktionäre des Jewish Colonial Trust (Jüdische Kolonialbank, Limited.) Abgehalten zu Wien am 19. 9. 1904. Beginn: 10 Uhr IO Minuten vormittags. Anwesend waren ausser den Aktionären die Herren: Dav. Wolnsolm, Präsident des Direktoriums; S. Barbasch, Dr. Katzenclsoliu, H. Urysolm, Direktoren; M. Feldstein, L. J. Greenbcrg, Governor-Direktoren; Dr. L. Kulm, Arcli. 0. Marinorek. Dr. J. Bodcnlieimer, Dr. A. Marmorck, Samuel Pineies. Prof. R. Gottheil, Prof. G. Bclkowsky. Dr. J. W. Tseidenow, M. .M. Ussischkin, Dr. II. Bruck, Dr. Israel Jclskh Rechtsanwalt J. Jasinowski, Ing. Wladimir Tcmkin, Mitglieder des Aufsichtsrates; Theodor Hirsch, Manager; M. Ncumann, Sekretär. Der Präsident Herr D. Wolnsohn erteilt dem Sekretär H. Neumann das Wort zur Verlesung der offiziellen Einladung zur Gcneralversanimltmg. Darauf trägt Herr Präsident Woliisohn folgenden Bericht vor: Geehrte Generalversammlung! Im Namen des Direktoriums habe ich die Ehre, Sie hier in unserer 7. Generalversammlung zu bcgrfisscn. Gestatten Sic mir, bevor wir in die geschäftlichen Ver• handlungcn cintretcn, den grossen herben Schmerz, den wir alle empiinden» und die tiefe Trauer, die über uns so unverhofft gekommen ist, mit wenigen Worten zum Ausdruck zu bringen. Wir haben einen grossen, unermesslichen und unersetzlichen Verlust durch das so frühe Ableben Dr. Hcrzls, des Präsidenten unseres Aufsichtsrates, erlitten. Dr. Herzl war nicht allein der Präsident unserer Bank, er war auch der Schöpfer und Gründer der Jüdischen Kolonialbank. Nur chm allein, nur seiner rastlosen Schaffenskraft, seinem eisernen Willen haben wir es zu danken, dass die Jüdische Kolonialbank entstanden ist und noch weiter besteht. Gleich nach dem ersten Kongress, den wir ebenfalls nur ihm zu verdanken haben, sah er die Notwendigkeit ein, dass zur Durchführung und Verwirklichung der zionistischen Idee ein finanzielles Instrument gehört, welches ausschliessliches Eigentum des jüdischen Volkes sein muss. Ohne Zögern, mit einer Energie und Schaffenskraft, wie sie nur unserem grossen Herzl eigen war, trat er sofort an die Ausführung seines Planes heran und begann mit den Vorarbeiten und mit der Gründung der Jüdischen Kolonialbank. Die Arbeit wurde ihm schwer, sehr schwer! Nicht nur die Gegner machten ihm grosse Schwierigkeiten, auch die Freunde zögerten und rieten ab, weil es imtnöglich schien, ein solches Unternehmen ohne Mithilfe entsprechender Finanzlcute und Fachmänner in$ Leben zu rufen. . Was allen immöglich schien, er machte cs möglich! Sobald er nur die Notwcndigke t erkannt hatte, dieses Institut zu schafieu. gab cs für ihn keine Schwierigkeiten, keine Hindernisse mehr, und so ist bald daraut die Jüdische Kolonialbank Tatsache geworden. Obgle'ch er nie zuvor mit kaufmännischen Geschäften etwas zu tun hatte, obgleich er es stets aufs peinlichste vermied, irgendwie, mit Geldsachen in Berührung zu kommen, hat er doch von der Gründung an bis in seine letzten Tage nicht aufgehört, für unsere Bank zu sorgen und zu schaffen, und war auch hier, wie in allem, der flcissigstc und tätigste Arbeiter. Wir haben ihm gar viel zu danken! Unsere Dankbarkeit soll und darf nie atifhörcn. Solange die Jüdische Kolonialbank bestehen wird, wird »c es als ihre höchste Ehrenschuld betrachten, Dr. Theodor Hcrzls Andenken in höchsten Ehren zu halten, sein begonnenes Werk fortzusetzen, zu wirken und zu arbeiten, bis die öffentlich-rechtliche Heimstätte für das Jüdische Volk in Palästina Tatsache geworden ist. Geehrte Anwesende! Sic haben durch Ihr Erheben von den Sitzen und dadurch, dass Sie stehend meine Worte arihörtcn, Ihren Schmerz und Ihre Trauer, Ihre Verehrung und Dankbarkeit für den grossen Toten kimdgcgebcn; Ich danke Ihnen. Nunmehr gehe ich zu dem geschäftlichen Bericht über: Ueber das Resultat des Jahres 1903 ist folgendes zu bcmerken: Wir haben zwar, trotz der nichrmonatlichen Sommerpause, im russischen Diskontogcschäft an Zinsen, Kommission und Kursgewinn sogar c'aen etwas grösseren Bruttovcrdicnst gchabt als im Jahre 19 2י, aber andrerseits brachte uns das Jahr 1903 einen unerwarteten Verlust an unserem Besitz in englischen Konsols, die atn Schlüsse des Jahres eine so niedrigen Kurs hatten, wie noch nie seit unserem Bestehen. Wenn wir auch diesen Verlust nicht als dauernd betrachten dürfen, da wir Von unseren Konsols nichts realisiert haben, und unser I Besitz der gleiche geblieben ist und auch sicherlich in abseh־ barer Zot eine Kurssteigerung dieses ersten Papleres der Welt zu erwarten ist, so haben wir cs doch für richtig gefunden, diesen Verlust Ln unsere Bilanz auf/.uiiehmcn. Sodann sind uns durch die Gründung der Angio Pa- 1 e s t i n e Company bedeutende Kosten entstanden, welche, da wir damit unser Tochterinstitut nicht belasten konnten, ebenfalls den Nettogewinn beeinträchtigen. Diese Mchrausgaben sind natürlich nur einmalige, die nicht wiedcrkeliren. Der Nettogewinn per 19)3 stellt sich daher, wie Sie aus der Bil anz bald ersehen werden, nur auf Pfd. Ster!. 2563.S.S gegen Pfd. Sterl. 5871.13.1־ d.s vorhergehenden Jahres 1902. Von diesen Pfd. Sterl. 258.'1׳.S. müssen noch Pfd. Sterl. 169.16.10 au Spesen des Aktionskomitees abgeschrieben werden. . Die allgemeine Geschäftslage unserer Bank war durchaus nicht ungünstig und wir können mit bester Zuversicht in die Zukunft blicken. Die grössten Schwierigkeiten, die in der Natur unseres Institutes selbst liegen, sind zum grössten Teile schon überwunden und wir hoffen, von jetzt ab auch eine bessere Rentabilität erzielen zu können. , In der Tat freue ich mich, Ihnen jetzt schon initteiien zu können, dass der bisherige Verlauf des gegenwärtigen Geschäftsjahrcs ein rech: zufriedenstellendes Bi!J zeigt, indem schon das erste halbe Jahr 1934 einen GewLmüberschuss von ca Pfd. Sterl. 5000 ergeben hat. ' . Der Krieg, der die geschäftlichen Beziehungen der ganzen Welt beeinflusst, wirkt natürlich auch störend auf unser Geschüft, aber trotzdem machen wir Fortschritte. Unser auswärtiger Kundenkreis wird immer grösser, unsere auswärtigen Verbindungen gestalten sich immer besser. Insbesondere ist cs erfreulich, dass die Zahl der südafrikanischen Kundschaft zimimint, die ihre Ueberwcistmgen von Geldern nach Russland und Oesterreich durch uns besorgen lassen. Dieses Geschäft werden wir jetzt, auch auf Amerika auzudehnen suchen, wie wir überhaupt jetzt an die Erweiterung des Geschäftes herangehen werden. *. . Wir dürfen also hoffen, dass auch das zweite Semester dieses Jahres uns einen entsprechenden Gewinn •bringen wird, und dass dieses Jahr befriedigend ausfallcn wird. Die vorige Generalversammlung hatte beschlossen, Filialen in Russland und New-A'ork zu errichten. In Amerika zeigten sich schon bei den Vorarbeiten Schwierigkeiten, die uns ver- . anlassten, vorderhand die Sache ruhen zu lassen. W'ir wollen nicht zu viel mit einem Male in Angriff nehmen und halten cs für rfthtiger, v.orjäufig uiiscre ganze Aufmerksamkeit dem bereits Bestehenden und־ besonders der Angjo Palesfine Co. ziizuweuden. . Die Angio Palcstir.e Co. in Jaffa entwickelt sich bereits in befriedigender W'eise. Wir haben jetzt, atu 10. August, eine Filiale dieses Institutes in Jerusalem eröfinet und haben bcgründete Hoffnung, an diesem Platze, der die Zentralstelle des bankgeschäftlichen Verkehrs in Palästina bildet, ein lukra* tves Geschäft zu machen. ״ j Es dürfte nach für Sie von besonderem Interesse sein, zu hören, dass wir uns bei der Gründung der Palästina-Handelsgcscllschaft in Hamburg mit einem grösseren Kapital beteiligt haben. . Diese Gesellschaft hat den Zweck, den Export und Import zwischen Palästina, Syrien und Deutschland zu fördern urnl zu heben. Durch unsere grössere Beteiligung haben wir einen entsprechenden Einfluss auf die Leitung dieser Gesellschaft uns ausbedungen um! auch erhalten. Wir werden dieses Unternehmen, wie überhaupt alle Bestrebungen, die den Zweck haben, Paliist na und Syrien zu heben, und die auf kauftnän* nischcr Basis beruhen, unterstützen und zu fördern suchen.