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Jüdische Rundschau · 1904-09-16 · Heft 37 (16.9.1904) · page 15

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 37 (16.9.1904)
Date
1904-09-16
Page
– (sequence 15)
Language
German
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No. 37. JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 405. nicht bekannt, dass Angehörige des Zentrums eine besondere Begeisterung für die Lichtstrahlen der modernen Natur- Wissenschaft hegten, aber vielleicht hott das Zentrum eben nur langsam Versäumtes nach und will jetzt die Naturwissenschaf־ teil auf Kosten der Dichtkunst begünstigen, wie es ja in der Tat in liberalen Kreisen vor zwei und drei Jahrzehnten der Fall gewesen ist. Dass cs nun gerade wieder Heinrich Heine war, der diesmal sogar dem Umstande weichen musste, dass in der Strasse, die man nach ihm benennen wollte, ein israelitisches Krankenhaus zu stehen kommt, das ist allerdings eine wunderliche Ironie des Schicksals. Der grosse Diisseldorfer Judensohn hat nun einmal Pech in seiner Heimat, die er so sehr geliebt und zu deren Ehren er so viel getan hat. Ober Geschmack und persönliche Rechte ist freilich nicht zu streiten, und das Kölner Zentrum hat ja auch nur für den durchaus würdigen hochberühmten Gelehrten Röntgen Sytnpathien gezeigt, aber mit kc'ncr Silbe irgend etwas gc.'iussert, was auf Missgunst gegen Heinrich Heine schlossen licsse. Nur die Israeliten mit ihrem Krankenhaus tragen natürlich die SchufJ an seiner Zurücksetzung! Beschränkung der Judenelnwanderung. M ii neben, 8. September. Die christlich-soziale Vereinigung hatte den städtischen Behörden das Gesuch unterbreitet, bei der Staatsregierung auf Einschränkung der Judencinwanderung hinzuwirken. Da die Eingabe der Vereinigung von den beiden kommunal;־!! Körperschaften ohne Begründung und ohne Behandlang abgeiehnt wurde, hat die christlich-soziale Vereinigung für den 12. September eine grosse Protestvcrsammlung einberufen. Nunmehr hat der Gemeinderat Hermann namens der Zentrumspartei das Gesuch der christlich-sozialen Vereinigung aufgegriffen und neuerdings als Antrag im Gcmeindckoilcgium cingebracht. Die Protestvcrsammlung findet trotzdem statt. Die Einwanderung selbst ist eine minimale. Das ist die To- Itranz des Zentrums. Stuttgart, 24. Aug. Zu den Orten in Württemberg, welche bis in die vierziger Jahre des vorigen Jahrhunderts den Israeliten zur Niederlassung reserviert waren und aus denen auch nach dem die kirchlichen Verhältnisse der Juden regelnden Gesetz von 1828 ein Wegzug sehr erschwert war, gehört das Dori Pflaumloch im Oberamt Neresheim. Bis in die siebziger Jahre hatte in dem etwa 450 Einwohner zählenden Dörfchen die israelitische Gemeinde noch mehr als 100 Angehörige, 18S0 waren cs noch 47 Mitglieder. Seitdem hat die Zahl rasch abgenommen und vor einigen Tagen hat. wie dem ״Staatsanzeiger” geschrieben wird, der letzte in Pflaumloch ansässige Israelit sein Anwesen verkauft, um nach Nürnberg überzusiedeln, nachdem erst im Laufo dieses Sommers mehrere jüdisehe Familien nach Nördlingeu gezogen s!nd. Die im Jahre 1846 gebaute neue Synagoge steht jetzt völlig vereinsamt da. Für die politische Gemeinde Pflaumloch bedeutet der Wegzug der Israeliten cnen ziemlichen Verlust an Steuerkraft. In ähnlieber Welse wie hier, verändert sch in den anderen dörflichen und kleinstädtischen Gemeinden, die ehemals als Judennieder• lassungen dienten, das Verhältnis. Die israelitischen Gemeinden draussen auf dem Lande schrumpfen stark zusammen, während in den grösseren Städten seit Mitte des vorigen Jahrhunderts eine ziemlich erhebliche Zunahme stattgefunden hat, die aber in letzter Zeit vielfach in einen Rückgang sich verwandelt hat. Eigentlich hat seit 1895 nur Stuttgart eine Zunähme zu verzeichnen. Im ganzen Lande ist die Gesamtzahl der Israeliten von 13 331 im Jahre 1SS0 auf 11916 bei der letzten Zählung zurückgegangen. Rogasen, 1. September. Herr Hausbesitzer Aron Rausch von hier hat der hiesigen jüdischen Gemeinde 18 000 Mark mit der Bestimmung gestiftet, dass von den Zinsen alle zwei Jahre einem bedürftigen Mädchen 900 Mk. als Hochzeitsgeschenk zugewiesen werden; von den übrigen Zinsen sollen Arme Unterstützungen erhalten. Diese Schenkung ist vom König genehmigt worden. Die Aufenthalts!echte der Juden ln Russland. Ein kaiscrlieber Erlass ändert die Bestimmungen über die Aufenthaltsgesetze folgcndcrmassen ab: Das Verbot, ausserhalb der Rechte der Juden bis zu einer allgemeinen Revision der Juden- Städte und Flächen innerhalb der Ansässigkeitszoue sich anzusiedeln, findet keine Anwendung auf Juden mit höherer Bildung nebst Frauen und Kindern, auf Kaufleute der ersten Gilde und deren Familien; auf Kaufleute, die 15 Jahre lang zur ersten Gilde zahlten, auf Handwerker, so lange sie ein Handwerk troiben, und auf verabschiedete Untermilitärs. Diesen oben näher bezcichnctcn Juden wird gestattet, in Städten und Flecken Immobilien zu mieten, sowohl zum Wohnen, aCs auch zum Betreiben von Handel und Gewerbe. Juden, die eine reiche höhere Bildung erhalten haben und unbescholten sind, dürfen überall Handel und Oewerbe treiben und können, wenn sic innerhalb der Ansässigkeitszoue fünf Jahre zur ersten Gilde gezahlt haben, auch ausserhalb dieser Zone der Kaufmannscliait beitreten. Jüdische Kaufleute erster Gilde, die nicht vol.c zehn Jahre als solche gezahlt haben, dürfen ihren inneren Gouvcrr.ements wieder beiticten, ohne abermals fünf Jahre lang in der Ansässigkeitszonc für die erste Gilde gezahlt zu haben. Die Juden, die, wenn auch ״mit Unterbrechung, zehn Iahre lang ausserhalb der Ansässigkeitszone als erste Gilde besteuert gewesen sind, erwerben das Recht, in den inneren Gouvernements den Stadtkommunen beizutreteu, mitsamt ihren Familien. Die im ganzen Reich lebenden Juden mit den Titeln Kommerzienrat und Manufakturrat dürfen mit ihren Familien וווו ganzen Reich, auch Dörfer der Ansässigkeitszoue nicht ausgeschlossen, leben; Juden, welche am Krieg im fernen Osten teilgeuommen, Auszeichnungen erhalten und sich im aktiven Dienst tadellos geführt haben, dürfen im Reich leben. Die jüdischen Kaufleute erstei und zweiter Gilde erhalten das Recht, alle Städte der inneren Gouvernements zu Handels- und Gewcrbszsvecken ohne Beschränkung zu besuchen, jedoch darf der Aufenthalt 6 resp. 3 Monate im Jahre nicht übersteigen, auch können sie sich im Krankheitsfälle durch Kommis oder Bevollmächtigte vertreten lassen. Frauen von Juden in t höherer Bildung und mit dem Titel Kommerziell- oder Mnmifakturrat erhalten lebenslänglich das Recht, im ganzen Reiche zu leben: die Sohne solcher Juden bis zur Volljährigkeit, oder Benndiguug der Studien auf den Hochschulen, die Töchter bis zu ihrer Verheiratung. Alle Verfügungen der Kontrolliiöfe über den Beitritt der Juden zum Kaiimnnns- und Kleinbiirgcrstand in den Städten der inneren Gouvernements bleiben in Kraft, seihst wenn sie gesetzw idrigerweisc erfolgt sein sollten. Die neuen Bestimmungen finden keine Anwendung auf Gegenden, wo für die Juden besondere Bescliräiikiuigsmassnahmcn bestehen. ׳■-י■ Nationalfond. ■== Sammlungen für den N’ationalfond und andere zionis’. sc'ic Zwecke sind nur noch an den Schatzmeister des Zeionl• büros, Herrn Max Wollstelner, Berlin NW. aj, Hellein r «—■—■— — *gier!0, zu senden.-- Dr. R o s c n f e 1 d , Tilsit. I,— Mk. Leo Foerder, Glciwitz, anlässlich der Barmizwah seines Neffen Carl Cohn, Beuthen. 5,— , Apotheker Rosenthal, Kudowa .. 2,55 , Dr. Münzer, Kudowa . 6,— , Makkabäa, Breslau. 4,— . M an nhe i m A u er bach, Reichenberg (Schl.) . . 1,-־ , Frl. Tilly L 0 c w y, Frau Betty Adolf, Frau Bertha Loewy, Hamburg, zum 8. Geburtstage (2. Scptbr.) ihrer kleinen Schwester Alma. 2,— , Durch Heinrich Mayer, Hamburg, bei Zionisten ge- * sammelt Im Cafe de l’Europe 2.60, und beim Agitationsabend bei Frl. Hedwig L ü b c k e 3,65 . 6,25 , Durch Samuel Weil, Hamburg, bei der Verlobungs• feier Lissaucr-Kantorowicz. 1,50 , Selma Stahl, Beuthen, verlorene Wette mit Herrn Steuer, Berlin, z. Z. in Johannisbad. 0,75 , Dora und Martha Lie'bcrmano, Beuthen, anstatt Telegramm zur Hochzeit von Frl. Rosa J e r e s I a w mit Herrn Carl R o t h o 1 z , Berlin. 0,50 . Bar Kochba-Kneipe, gesammelt. 2,40 , M. 9 im Königskaffc gesammelt. 1,— . Sammlung durch Reinhold Warburg, Nordhausen . 5,50 , Karl Goldschmidt, Halberstadt, (,immer so weiter(״.־-,2 , Kontorbüchse bei A. H. & S., Halberstadt. 0,50 ״ Brautpaar C o h n * B e v 0 w i t z, Berlin, zur Brith* Miloh seines Patenkindes Horia. 1,20 , S. Wolf, Apotheker, Mannheim 5,—, von der Mannhei me r Ortsgruppe nicht abgeholte N.-F,- Beitrüge, Wolf, Kassel, G ramse, eine Herzlkarte amerikanisch versteigert 2,10, Gramse, Kassel, Wolf, Sammlung unter sich 2,90.10,־־־ , Dr. L i 11 m a n n, z. Z. Gross-Strehlitz, bei Nicht- Zionisten in Glciwitz gesammelt ........ 2,— m Reich, Berlin. 1,— m Königsberger Zionistische Vereinigung. Büchse im Pensionat S c i d I e r, Cranz. 0,50 , Büchse im Pensionat Masie, Cranz . , . , , , 2,10 m Büchse im Pensionat Lcwinski, Cranz . .... 1,50 m Anlässlich einer frohen Nachricht Dr. Julius Katz . 20,— 9 Dr. Tschlcnow - Moskau in der Zionistischen Lesehalle in Berlin. 2,— P. J. 1,~ . . Sammlung W o 1181 e i n e r in der Zionistischen Lese- ן halle am 12. 9. 04 . 6,45 ״

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