Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 34 (26.8.1904)
- Date
- 1904-08-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Aber er hat das Signal zu Angriiien auf die führerlose Schar gegeben. Vorn an marschiert dabei eine gewisse privilegierte Orthodoxie,- privilegiert seit langem, dass sie allein allen Fortschritt und alles Leben im Judentum iromm begeifern darf. Wir hatten geglaubt, eine Gefahr im ״Misrachi“ erblicken zu dürfen, weii er vielleicht den Weg bieten würde, auf dem diese unerwünschten Eiemente gestempelter und geaichter Gläubigkeit sich in den Zionismus hineindrängen und hineinlügen möchten, aber die herrlichen Angriffe in allen Tönen der Gemeinheit von der Mündung des Main bis zu den Ufern der Thelss haben uns darüber beruhigt. Mauschcl protestiert, und wir dürfen ruhig und unbesorgt mit unseren gesetzestreuen Brüdern Hand in Hand arbeiten, ohne die Furcht hegen zu müssen, dass durch ihre Organisation ״Israelitun“ zu uns kommen, deren frumbc üeschäftstüchtigkeit mit dem Judenium in ewigem Widerspruch steht. Mit freudiger Genugtuung haben wir es gelesen, dass sich eine Anzahl ungarischer Rabbis in Ungarn und ihrer Kolonie am Main zusammengefun'fJen haben, um mit der uns allbekannten frommen Miene gegen den Zionismus zu protestieren. Wir freuen uns aufrichtig über dies Vorgehen, das uns versichert, dass auch der ״Misrachi“ ein rein zionistischer Bund bleiben wird, in dem der Geschäftsgeist frommen Augenaufschlags keinen Eingang Finden wird. Aber wir wissen auch diesen Protestrabbinern Dank, dass sie uns für immer mit ihrer Gesellschaft verschonen. In diesem Sinne begrüssen wir mit aufrichtiger Freude und mit Beruhigung den jetzt in Pressburg tagenden Misrachikongr.css. Denn wir wissen jetzt, dass er dazu beitragen wird, auch das gesetzestreue Judentum im Zionismus für die jüdisehe Zukunft zu organisieren und zugleich ein Bollwerk zu sein gegen den Zuzug unerwünschter Elemente, die in Ruhe ihre gebildeten Anhänger damit beglücken mögen, dass die Naturwissenschaft gebeut, um Regen zu beten, da man nicht auf 24 Stunden das Wetter mit Bestimmtheit Voraussagen kann. Wir gratulieren dem ,.Mjsrachi“ zu dem Achtungserfolg, den er bei allen unerwünschten Elementen ohne Mühe errungen hat. Er hat damit den indirekten Beweis erbracht, dass es sich bei ihm um Ehrlichkeit und Judentum, um Wahrheit und Idealismus, um Kultur und Zionismus handelt. Und wir hegen die Hoffnung, dass man in Pressburg nicht aus Unwissenheit Beschlüsse gegen jüdische Kulturbcstrebungen fassen wird. Der Zionismus ist auf dem Marsche und ״Misrachi“ ist in Reih und Glied! In diesem selben Sinne ist auch die Jahreskonferenz zu betrachten, die in dieser Woche in Wien stattgehabt hat. Auch sie zeigte den Zionismus unterwegs. Auch sie bewies das rüstige Fortschreiten und den festen Zusammenhalt Was faul ist im Judentum, fällt rechts und links ab. Und das ist gut so. So wurden alle die getäuscht, die von Herzls Tod eine Zerfahrenheit oder gar Uneinigkeit im Zionismus erwarteten. Niemals hat eine Sitzung des Aktionskomitees stattgefunden, nie ein* Kongress oder, die Jahreskonferenz, wo gegenüber allen etwa abweichende•! Meinungen so sehr die Einheit und Einigkeit des Ganzen in die Erscheinung trat. Einmütig war man in der zionistischen Gesamtarbeit und einmütig in allen Einzelheiten. Ob man beschloss, den Kongress für die erste Hälfte des März einzuberufen und auf ihn! lediglich die Organisationsfragen zu behandeln, ob man die Absendung der Ostafrika-Expedition jetzt durchzüführen und ihren Bericht auf einem besonderen Kongress in; Jahre 1906 entgegenzunehmen sich entschloss.״ ob man die Notwendigkeit der Herzlstiftung für so gross ansah, dass man alle anderem Sammlungen zu Ehren Herzls einstweilen zurückstellen will, bis das Nationalgcschenk eine angemessene Höhe erreicht habe, in allen diesen Fragen trat eine Einigkeit und Einmütigkeit zu Tage, wie man wohl wünschen dürfte, dass es unserem grossen Führer oft vergönnt^gewesen wäre, sic zu sehen. Sie ist das Treupfand, dass wir alle in demselben Sinne und nach demselben Ziele eng aneinander geschlossen ziehen. Und es ist von nicht geringem Werte, dass kein einziger von uns allen diQ Abkehr vom politischen Zionismus und eine falsche Anlehnung an die überwundene Phase des Chowewe-Ziontums erstrebt. Im Gegenteil ist noch nie so sehr die Einigkeit der Zionisten aller Schattierungen und Richtungen, aller Länder und Kultu reu so klar hervorgetreten, wie auf diesem. Kleinen Kongress, wo zum ersten Male deutsche und russische