Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 27 (8.7.1904)
- Date
- 1904-07-08
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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No Seite294 JÜDISCHE RUNDSCHAU. ist cs wahr, dass’nur die Gedrückten, nicht die Mächtigen am Zionismus hängen, dann soll die versammelte Kraft der Unglücklichen aufgeboten werden. Wir wollen sehen, wie sich die Dinge gestalten, wenn wir den Boykott auf allen Gebieten gegen Mauschel ausgeben. Wenn wir alle die förmlich von uns absondern, die sich gegen unsere Volksgemeinschaft verwahren, wird mau in diesen Ausgeschiedenen eine seltsam gemischte Gesellschaft zu sehen bekommen. Da ist der Finanzier, der soviel Butter auf dem Kopf hat, dass er sich vor einem ebenso verdäch- - J tigen Mauschel, vor dem journalistischen Erpresser, fürchtet '1 und diesen füttert. Da ist der Advokat mit einer Kundschaft. f die sich an den Grenzen der Paragraphen aufhält. Da ist der r! rotgeschminkte Politiker, der jetzt den Sozialismus betreibt, ausnützt und entwertet. Da sind die zweifelhaften Geschäftsleute, die falschen Ehrbaren, die heuchlerischen Frommen, die verlogenen Biedermänner, die findigen Ausbeuter . . . Mauschel, nimm dich in Acht! Da ist eine Bewegung, von der selbst die Judenfeinde gestehen, dass sie nicht verächtlich ist. Es soll ein Abfluss unglücklicher, wirtschaftlich und politisch schwerbedrohter Menschen nach einer dauernden Heim- Stätte, untdr rechtlichen Sicherheiten eingeleitet werden. Dagegen sträubst du dich, Mauschel? das willst du durch Per- Fidien verhindern, weil du keinen unmittelbaren Vorteil iür dich sichst? Was hast denn du jemals für deine ״Brüder" getan? Entehrt hast du sie, geschadet hast du ihnen, und wenn sie sich nun selebst helfen wollen, fällst du ihnen in den Arm. Mauschel, nimm dich in Acht! Der Zionismus könnte es halten, wie Teil in der Sage. Wenn sich Tel! anschickt, den Apfel vom Haupte seines Sohnes zu schiessen, hat er noch einen zweiten Pfeil in Bereitschaft. Misslänge der erste Schuss, dann soll der andere der Rache dienen. Freunde, der zweite Pfeil des Zionismus ist für Mauschcls Brust bestimmt! Altneulaftd. Motto: Wenn Ihr wollt, ׳ Ist es kein Märchen! Nachwort des Verfassers. .Wenn Ihr aber nicht wollt, so ist und bleibt es ein Märchen, was ich Euch erzählt habe. Ich gedachte eine Lehrdichtung zu verfassen. Mehr Dichtung als Lehre! werden die einen sagen-mehr Lehre als Dichtung! die anderen. Denn jetzt, nach drei Jahren der Arbeit, müssen wir uns trennen, und cs beginnen deine Schmerzen, du mein liebes Buch. Durch Feindschaften und Entstellungen hindurch wirst du deinen Weg nehmen müssen, wie durch einen finsteren Wald. Wenn du aber zu freundlichen Leuten kommst, so griisse sie von deinem Herrn Väter. Er meint: Das Träumen sei immerhin auch eine Ausfüllung der Zeit, die wir auf der Erde verbringen. Traum ist von Tat nicht so verschieden wie mancher glaubt. Alles Tun der Menschen war vorher Träum und wird später zum Traume. Das Zionistische Aktionskomitee gibt schmerzcrfiillt Nachricht vom Hiitscheiclcn seines Präsidenten, des Herrn Dr. Theodor Herz! ד׳ד בגימיך זאב הערצל weicher Sonntag, den 3 ב׳ תמוז תרס׳ד. Juli 190-1, um 5 Uhr nachmittags, in Edlach in N.-Oe. nach langem Leiden sanft entschlafen ist. Die Bestattung findet Donnerstag, den ב׳ר המח 7. Juli 19010 ,1־ Uhr vormittags, auf dem Döblinger Ortsfriedhofe (Israel. Abteilung) statt. Versammlung im Trauerhause: Wien-Währing, Haizingergasse 29. Das Zentralbüro der ,,Zionistischen Vereinigung für Deutschland versendet das folgende Rundschreiben: Schmerzerfüllt müssen wir Ihnen die Trauerbot- Schaft bestätigen, die Ihnen die Tagespressc bereits gebiacht haben wird. Unser verehrter Führer, Herr D r. Theodor Herzl, ist in Edlach in Steiermark gestern Nachmittag plötzlich verschieden, nachdem schon seit mehreren Wochen die Hoffnung, ihn am Leben zu erhalten, trotz zeitweiliger Besserung gering geworden war. So haben die Traiterwochen Israels von neuem ihre verhängnisvolle Bedeutung gezeigt. Was das jüdische Volk und insbesondere jeder Einzelne, der das Glück hatte, unter unserem grossen Führer arbeiten zu dürfen, verloren hat. brauchen wir Ihnen nicht zu sagen. Aber gerade weil unser Verlust so gewaltig ist, dürfen wir uns nicht dumpfem Schmerze iiingcbcn, sondern müssen das Mass unserer Arbeit verdoppeln und verdreifachen. So werden wir das Andenken des Verblichenen, der 1ms stets ein leuchtendes Vorbild strengster Pflichteriüllung gewesen ist, im Sinne unseres grossen Führers am besten ehren. Zunächst gilt cs, unserer Trauer einen würdigen Ausdruck zu verleihen. Wie fordern Sic daher auf, Ende dieser oder anfangs der nächsten Woche eine offentliehe T r a 11 e r k u n d g e b u n g zu veranstalten. Ein Denkmal, das der Bedeutung des grossen Toten entsprechen würde, können wir ihm nicht errichten. Um aber unserer unauslöschlichen Dankbarkeit einen Ausdruck zu verleihen, wird die Zionistische Vereinigung für 1 Deuts chland eine ״Herzl-Stiftung des Jüdischen Volkes“ ins Leben rufen. Mit den Sammlungen ist sofort in grossem Stil zu beginnen. Die Beträge sind an unseren Schatzmeister, Herrn Max Wollstcincr, Berlin N.W. 23, Holsteiner Ufer 10, baldmöglichst zu senden. Telegramm Der Grossherzog Friedrich von Baden hat sein herzliches Beileid telegraphisch ausgedrückt. Folgende Telegramme gingen bei der Redaktion der ״Jüdischen Rundschau" ein: •I. Juli. Herzl gestorben. Bestattiingszeit folgt. Montag, den d. Juli 2 Uhr 30. Kongressbureau. 5. Juli. 10 Uhr. Beerdigung Donnerstag. Kongressbureau. 5. Juli 1־ Uhr 40. Beerdigung Donnerstag 10 Uhr vom Trauerhause Haizingerstrasse. Kongressburcau. Die Berliner Zionistische Vereinigung wird bei der Beerdigung ausser durch ihren Vorsitzenden Dr. Alfred Klee, durch die Herren Prof. Dr. Warburg, Rechtsanwalt Dr. A. Hantke und Herrmann Struck vertreten sein. Soweit bis jetzt bekannt ist, fahren auch die Herren Gustav G. Cohen uud Dr. Ernst Kalmus aus Hamburg nach Wien. Die B r e s 1 a u c •־ z i o n i s t i s c h c V e r e i n i g u n g wird durch ihren Vorsitzenden H. Schachtel vertreten sein. Die Berliner Zionistische Vereinigung wird am Sonntag, dem 10. Juli, mittags 12 Uhr präzise, im Architckteuhause, Wilhelmstrasse 92/93 eine Trauerleier Iür Herzl veranstalten, die sich in den traditionellen jüdischen Formen halten soll. Oberkantor Friedmann hat den Gesang übernommen. Es werden sprechen Dr. Julius Katz, Rabbiner Dr! Joseph Eschelbach er und D r. H e i 11rieh L o e w c. Wir bemerken ausdrücklich, dass die Saal* türen sofort bei Beginn der Feier gesperrt werden müssen. J" *—.... 1 _ ■״_|-[־_1£ןןןןן1^ן,ז ,ן|_iLiiiir-ii 1'» ־rr-'i -^ 1* -1 ■ .--m ***■! ■! ■ ■/!! ■״'״■Viry ■r-■ ■ - - —^3 JL. L in ב -**.1 .friVw-*■•