Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 26 (1.7.1904)
- Date
- 1904-07-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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ו > .».״ .»־.» No. 26. JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 281 Piojekt einer zionistischen Niederlassung in Östafrika pro• testierte..- Er fürchtete, dass die Durchführung dieses Planes dazu didnen könne, Unruhen hervorzurufen und tadelte das Auswärtige Amt. weil dieses bisher versäumt habe, über diesen Punkt nähere Aufklärung zu geben. Die Bevölkerung des Landes, so behauptete der Redner, sei im höchsten Grade erregt über den Gedanken, dass das Land an russische und rumänischc Juden ausgeliefert werden solle. Die Folge werde wahrscheinlich ein Aufstand der Eingeborenen sein. Keine der englischen selbstregierenden Kolonien würde jemals die Errichtung einer Niederlassung von solchen Leuten dulden, die weder die englisch^ Sprache noch die Eingeborenen verständen. Major Evans-Gordon erklärte, dass vorläufig diese ganze Nieder־ lassungsfrage noch sehr schattenhaft sei. Der Baseler Zionistenkongress habe zwar anerkannt, dass das Anerbieten der englischen Regierung ausserordentlich grossmiitig sei, aber ein Teil des Kongresses sei efer Ansicht gewesen, dass eine Nieder־ lassung in Ostafrika von dem wahren zionistischen Ziele, uämlieh von der Niederlassung in Palästina ahlcnkcit werde. Trotzdem sei man übereingekommen, an Ort und Stelle zu untersuchen, wie weit die Idee einer Ansiedlung durchführbar sei. Die Schwierigkeiten seien jedoch so gross, dass es als fraglieh bezeichnet werden müsse, ob a,uch nur eine einzige jüdische Familie wirklich die Ansiedelung versuchen werde. In dieser Ansiedclungsfrage eine Bedrohung des Bestandes des englischcsWeitreichcs zu erblicken, sei einfach lächerlich. Ear! Pcrcy erklärte, dass die Annahme, England wolle Staatsgebiet au die jüdische Nation abtreten, vollständig irrig sei, da es sich immer mir um die Frage einer Landverpachtung gehandelt habe. Sir Eduard Grey war der Ansicht, dass man in den Juden eine veriolgte Rasse erblicken müsse, für die in einer englischen Kolonie eine Zuflucht und eine Heimat zu schaffen, durchaus verdienstlich sei. Es handle sich nur um die Frage, ob eine derartige Ansiedlung bei dem augenblicklichen Entwicklungszustandc der os.ainkanischen Länder empfehlenswert sei oder nicht. Der Antrag auf Vertagung wurde abgelchnt. Nachdem England und die Vereinigten Staaten von Amerika die Einwanderung durch Gesetze zu beschränken begonnen haben, macht sich die gleiche Tendenz jetzt auch in Kanada geltend. Die Förderung der Einwanderung nach Kanada seitens gewisser Dampfschiffsgcsellschaftcn riet' im Hause der Gemeinen eine lcbhaitc Debatte hervor. Mister Siftcr warnte die Dampfschiffsgcsellschaftcn davor, Einwanderer ins Land zu bringen, die nicht im Stade wären, sich selbst zu erhalten. Das Antipauper-Gesetz würde mit aller Strenge angewandt werden, und die Dampfschiffsgesellschafteu würden gezwungen werden, die Einwanderer nach Europa zurückzubriugen. Grossfiirst Konstantin und die Juden In Russland. Eine äusserst interessante Tatsache, welche die plötzliche ungnädige Entlassung des russischen Unterrichtministers v. Sänger erklären dürfte, wird erst jetzt bekannt. Grossfürst Konstantin, bckanntlich Chef der militärischen Lehranstalten Russlands, licss durch den damaligen Kriegsminister Kuropatkin <jem Reichsrate eine Gesetzvorlage unterbreiten, wonach Personen jiidischer Herkunft, wenn sie auch schon längst dem orthodoxen Glauben angehören, die Aufnahme in die militärischen Lehranstaltcn verweigert werden soll. Der damalige russische Unterrichtsminister von Sänger opponierte gegen diese Gesetzes- Vorlage. Er schrieb, wie die ״Oswoboschdenje“ meldet, an den Kriegsminister Kuropatkin: ״Ich halte es für meine Pilicht, Eure Exellcnz zu verständigen, dass ich es iür unmöglich finde, die Gesetzvorlage zu unterstützen, welche einerseits einer offiziellen Negierung des Sakramentes der heiligen Taufe g 1 e I c h k ä m e , andererseits in unserer Gesetzgebung einen ganz neuen Grundsatz ins Leben rufen würde, welcher die totale Unfähigkeit einer gewissen Kategorie von Personen bloss ihrer Herkunft wegen proklamiert.!1! diesem Falle aber erscheint es ganz unerklärlich, wie zugleich mit der geplanten Massnahme die Militärpflicht für die Juden als obligat aufrcclitcrhaltcn bleibt." Diese Antwort des russischen Unterrichtsministers von Sänger scheint beim Schöpfer der Gesetzvorlage üblen Eindruck gemacht zu haben, und Minister v. Sauger musste bald darauf gehen . . . . Die Gesetzvorlage aber soll nicht fallen gelassen worden sein.! c•ג• * ־ bald Gesetzeskraft erhalten. . .! Eine seltene Muttersprache. Bei der letzten Volkszählung Im Jahre 1900 wurde auch die Muttersprache zum Gegenstand statistischer Feststellung gemacht. Nach den jetzt vorliegcn- 1 den Ergebnissen der Bevölkerungsaufiialnnc haben 44 404 Bc* j wohntr Berlins eine andere Sprache als Deutsch als ihre 1 Muttersprache deklariert. Weitaus an erster Steile steht j natürlich das Polnische mit seinen Abarten, dem Masurischen j und Kassuhischcii. Zu ihm bekennen sieh 27326 Einwohner, dann kommen im weite:» Abstande Englisch mit 2356 und Tsehechich mit 2354. Es folgen Magyarisch (1717). Dänisch und Norwegisch (1530), Russisch Ruthcnisch (1468), Eratizösisch. Wallonisch (1402) usw. •bis herunter zu den \erschiedensten afrikanischen Mundarten der Dualla, Binibia, Haussa und Kamerunisch, die in einzelnen Exemplaren vertreten sind. Die merkwürdigste Sprache, welche die Berliner Volkszählung ergeben hat, ist aber die ״Sa r go u id i sc hc'\ die von vier Bewohnern, darunter von dreien gleichzeitig mit dem Russischcu als Muttersprache gesprochen wird. Wir glauben nicht, dass es einen noch so gelehrten Linguisten gibt, dem diese Sprache bekannt wäre. Geschrieben haben die Vertreter dieses seltenen Idioms offenbar ״Jargonjidisch", und gemeint haben unser gutes ״Jüdisch-deutsch‘‘, das aber in Wahrheit nicht von dreien oder vieren sondern von Tausenden in Berlin wohnenden Juden als Mutter- und Familieiisprache gesprochen wird. — Allerlei. Nationalfond. M. Oppenheimer: Beim Aufrufen zur Thora am 28. Mai 1901 in Homburg.10,- Mk. Frau Dr. Kopfstein - Beuthen und Frau Rechts• anwalt G u 11 a u e r Zabrze: Erlös beim Ausflug der Mamreh Loge in Beuthen. 3,— , Recha Kopfstein, Recha G o 1 d s t e i n , Elise Per! beim Ausflug gesammelt. 3,— . Heinrich Koplowitz zum Dank für die Bemühungen der Damen. 2,— . Dr. M o s e s - Mannheim. Anstelle Telegramm zur Hochzeit Pariser-Horn .. 0,50 י Frl. L e w i n - Berlin 5 Cps. 2,— י Levy-Altona. 1,— ״? Stahl, Herzberg, Kore f, Schiller, Trans- . pori־Arbeiter. 2,— . Stud. Unna gewonnene Wette.0,50 . Verkauf von Photographien des Hamburger D e I e• giertentages. 3,50 , Bernhard Koppel- Altona, Diverse. 1,82 . Redakteur Gottschalk gratuliert zur Verlobung des ' Oberlehrers Klasmcr. 1,— , Anstelle Telegramm zur Hochzeit P a r i s c r ־ Horn• Brzcssow: B. S p i r a - Stuttgart, Chaim Fussmar• Stuttgart, Sali S i m o n Frankfurt a. M. 1,50 , Gesammelt von Frl. F. Levy auf dem Delegicrtcntagc!2,51 , Sammlung des Herrn Michel. 2,— , (L.) Frl. Anna Blumenthal - Königsberg .im Hause gesammelt.'. 2,25 , (L.) H. Hameln: Von einem Nichtzionisten . . . 1.04 ״ 49,62 Mk. Goldenes Buch des Nationalfonds. Zur Eintragung des verstorbenen Fräulein Jda L e w i n - F i 1 e h n e. Frau Jda S t c r n Königsberg! Anstatt eines Kranzes 3,— Mk. Elly Boschwitz• Berlin.. 3,— י Pfennigsammlung'.. 1,— . Zur Eintragung des jüdischen Turnvereins Bar-Kbchba. (L.) Nationalfond-Stcuer für 6 Billcts zuin Kinderfest von Schmcrl . . .. 0,60 Mk (L.) Gesammelt durch E. A. auf der Dampferpartie am 26. 6... .. 1,70 ״ (L.) Daselbst durch Frl. Amolski. 1,65 ״ 1L.) Durch Frau I)r. Heinricn Locwc. 5,05 ״ Gesammelt bei ßursztyn - Berlin. 4,10 ״ In Reinickendorf gesammelt. 1,87 ״ In der III Frauenabteilung gesammelt anlässlich der Ve11>’<1ug des Herrn Scholen!.. 7.— ״ 21,97 Mks! i 1 מיל *frar©1?