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Jüdische Rundschau · 1904-07-01 · Heft 26 (1.7.1904) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 26 (1.7.1904)
Date
1904-07-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Seite 274. JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 26. von sozialen Fragen und Volksversorgung in so schönen Worten sprachen und von ihrem eigenen Volke und von seiner Not! nichts wussten oder nichts wissen wollten. ln diesen Tagen hat sich auch der ״Jüdische Frauenbund“ in Berlin provisorisch konstituiert, der versuchen will, der philanthropischen Seite der Judennot für Deutschland näher zu treten. Die Anregung zur (Iriindung dieses Bundes ging vom Hamburger israelitisch-humanitären Frauenverciu aus, der sich zunächst an den ״Hilfsverein in Frankfurt, Abteilung weibliche Fürsorge“ wandte und dann gemeinsam mit demselben, der die Anregung dankbar aufnahm, ein Rundschreiben an die andern jüdischen Frauenvereine crliess und sie aufforderte, gemeinsam in diesen wichtigen Zeitfragen vorzugehen. Nach mehr-, jähriger Agitation konstituierte sich dieser Verband nun in Berlin. Ich erwähne diese Tatsache nur, utn zu zeigen, dass auch die jüdischen Frauen im allgemeinen sich der Wichtigkeit ihrer Aufgaben voll bewusst sind und die grosse Bedeutung der gemeinsamen Arbeit nicht verkennen. Naturgemäss ist in diesem Bunde das zionistisehe Element ausgeschlossen oder kann doch nicht zur Geltung kommen. Da es jedoch gerade für uns national-jüdisch gesinntc Frauen von eminenter Wichtigkeit ist, uns enger zusammen zu schliessen, möchte ich proponicren, dass wir dem Gedanken eines solchen Bundes, der von meinen { Freunden und mir seit langem schon geplant ist, nun mit Ernst näher treten und ihn zur Tat werden lassen. Die Aufgaben eines solchen Bundes werden vielge- ן staltig sein. Ob er auch nach der philanthropischen, d. h. lokalen Seite hin arbeiten soll — weiss ich nicht, keinesfalls aber dürfte er sich der grossen sozialen Pilicht entziehen, dem Brudcrstanun im fernen Osten tatkräftige Hilfe zu bringen und an dem grossen Rettungswerke teilzunehmen, mit dem man ihm jetzt gerade zu Hilfe kommt, um dadurch der weiteren Verelendung unserer Rasse vorzubeugen. Aber unsere grösste und wichtigste Aufgabe wird sein, in die Herzen der jüdischen Frauen jüdische Gesinnuii*. zu pflanzen, den echten Willen zum Judentum mit allen Konsequenzen und Schlüssen. Es wird seine Aufgabe sein, uns Jüdinnen zu erziehen, die mit Ernst und Würde und mit frohem Stolze sich ihrer Aufgabe bewusst sind, ihre Söhne, ihre Töchter in grosser Zeit für eine grosse Zukunft zu erzielten, für. Judas Zukunft im eigenen Lande, dass sie alles daran setzen, ihrem Volke zu dienen. Und diese Frauen sollen uns das jüdische Haus erobern, es wieder jüdisch machen. In unserem Sinne sollen sie mit ihren Kindern unsere heiligen Nationalicstc feiern und ihnen die Festgeschichte erzählen - dann werden die Kinder im Geiste die Vergangenheil noch einmal luiterleben und aus diesem Rückblick in entflohene Zeiten wird uns eine herrliche Zukunftssaat erwachsen iiir späte Tage. Und wenn die Mutter so unsere Geschichte erzählt, dann werden die lauschenden Kinder die Geschichte mitfühlen, nicht nur mithören, und das wird sie stark und frei machen. Am Pessach. dem Freiheitstag. dem Ucberschreitungsfeste werden sie frei werden mit ihren Vätern und die Brücke überschreiten, die sie von ihren armen Brüdern trennt; und am Sukkoth, dem Hüttenfeste, können sie die Gefühle ihrer Altvorderen sehr wohl verstehen und ihre Freude erfassen, die sie fühlten, als sie auf dein Wege zur Heimat in grünen Zehen rasteten, weil sie selbst auf einem Heimweg sind ins Land der Freiheit. So kann sie mit ihrem echten jüdischen Geiste das ganze Haus durchtränken. In den Vereinen wird sie mit den parlamentarischen Regeln vertraut werden und jene Schulung erhalten, die sie befähigen wird, im öffentlichen Leben ihren Platz einzunchmcn. Die Ortsgruppen des Bundes jüdisch-nationaler Frauen haben ihre Mitglieder mit der Vergangenheit ihres Volkes vertraut zu machen und sie die Sprache zu lehren, die das geeinte Volk in der Zukunft sprechen soll; sic werden in geregelten Kursen und Lehrgängen über die Geistesrlchätze belehrt werden, die unsere Väter uns!unterlassen, und die Kenntnis dieser hohen ideellen Werte wird sie in ihrem Nationalgciühl bestärken und sic zugleich frcihaltcn von dem Chattvinismus, der Wurzel der Uebcrhebtmg. Das Bewusstsein der gemeinsamen Abstammung, die Kenntnis der gemeinsamen Geschichte, ebensowohl wie die tägliche Beriihrung mit gleichgesinnten Frauen aller Gesellschaftsklassen wird dazu beitragen, die schroffen Klassenunter- Graf Mirbach. (Aus dem SchlemieP).) Graf Mirbach ist vom Schlaf erwacht, Der Tag beginnt zu grauen, Da hat er einen Plan erdacht Und will ein Kirchlein bauen. Das sei ein stolzes Marmclhaus, Wo fromme Christen beten. — Doch tief bekümmert ruft er aus:: Wer gibt mir die Moneten? Wer legt das Geld mir in den Schoss, Dass ich das Werk vollende? Der Deutsche ist im Glauben gross, Doch klein ist seine Spende. Ei, denkt der Graf, es bricht die Not Das Eisen und die Sitten; #) Aus der heute erscheinenden Juli-Nummer des ״Sch lem i e I“ drucken wir dieses echt juugmannsche Gedieht ab, indem wir unsere Freunde wohl nicht zu erinnern brauchen, dass der Quartalswechsel die geeignete Gelegenheit bietet den ״SchUmiel“ zu abonnieren. Der Jud* ist auch ein Patript, Den Juden will ich bitten. ' •*. >•«<;■ ־ ״O Jude, lieber Jude mein, Ich brauche einen blauen Und einen braunen Kassenschein, Ich will ein Kirchlein bauen.“ •׳’ M Da gibt der Jud’ mit voller Hand Und stillet sein Begehren; So kommt im deutschen Vaterland Die Frömmigkeit zu Ehren. Und am Jom Kippur allemal, I)a mieten wir aus Mangel An Tempeln uns ein Betlokal In einem Tingeltangel. J. Antisemitische'' Bade-, Kur- und Erholungsorte. Augustusbad bei Radeberg. Hansa. Bozen. Kaffee Schraffger, ״zur weissen ־ Rosen“, ״zum Reussen‘־. Braunlage (Braunschweig.) . . .

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