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Jüdische Rundschau · 1904-06-24 · Heft 25 (24.6.1904) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 25 (24.6.1904)
Date
1904-06-24
Page
– (sequence 8)
Language
German
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*»41 ,feSfcj ■mm' j«ft ׳/! I Seite 266. JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 25. dem 4. Juli, abends 9 Uhr bei Dräsel, Neue Friedrich־ Strasse 35, statt. Anträge sind vorher schriftlich ein־ zureichen. Es wird dringend um zahlreiches Erscheinen gebeten. Bertin. Von der Festzeltunj!, die die Ortsgruppe Hamburg- Altona zum Delegiertentag herausgegeben hat, sind noch Exemplare zum Preise von 50 Pf. von Herrn M. Gold- Schmidt in Hamburg. Stadthausbriickc 14/15 zu beziehen. Jedem Parteigenossen wird die künstlerisch ausgestattete und auch Inhaltsreiche Festzeitung angelegentlichst empfohlen. Berlin. Die Sondernummer der ״Jüdischen Rundschau“ zum Delegiertentage wird, soweit der geringe Vorrat recht zum Preise von 20 Pf. von der Expedition abgegeben. Berlin. Die ״Jüdisch-nationale Frauenvcrelnlgung“ veranstaltet, wie alljährlich, auch in diesem Jahre wieder Kinderausflüge während der grossen Ferien. In den heissen Tagen, wo jeder das Bedürfnis nach frischer Luft empfindet, wolle?.׳’, wir den milder begünstigten Kleinen, denen das Glück versagt bleibt, mit den Ferienkolonicn hinauszuziehen. hin und wieder Gelcgenl1e'׳t geben, sich im Freien tüchtig hcrumzutmmncln. und wir wissen, der Jubel der Kiider über diese kleine Entschädigung wird nicht gering sein. Mit Freude uüd Rührung erinnern wir uns noch der glück־ liehen Gesichter, als wir :m vorigen Jahre diese Ausflüge machten, und w'e gross war die Dankbarkeit der Kinder. Wir möchten diese Freude auch in diesem Jahre nicht missen und richten daher an alle cd'en Menschen die herzliche | Bitte: Vcrhelit uns dazu, dass den bedürftigen K ndern frische י Luft und freie Bewegung zuteil wird! Unterstützt was bei } diesem schönen Zwecke, und wenn das Scherflein auch noch so י klein Ist. w'r nehmen es mit aufrichtigem. Danke an. I Freundliche Spenden bitten wir an die Vorsitzende der! .Jüdisch-nationalen Frauäivereinigung", Frau LinaWagncr• Tauber, N. Prenzlauer Allee 9. gütigst senden zu wollen. A. Lübeck. Seit dem VIH. Delegicrtentag ן!'ז unserer Nachharstadt Hamburg hat sich in der hiesigen Ortsgruppe ein regeres Interesse für den Zionismus bemerkbar gemacht. Dies trat vor allem in den be’dcn letzten Versammlungen der Ortsgruppe zu Tage. In der ersten sprach der bewährte Vorsitzende d־cr Münchener Ortsgruppe, Herr Dr. Halpern über das Thema ״Der Zia.iismus in Ost und West”, in der zweiten hielt unser Vorsitzender. Herr Dr. Joel, ein anschauliches Referat über den Hamburger Delegertentag. — Zu unserem Bedauern Ist unser Zweiter Vorsitzender. Herr Dr. Kalmus, von Lübeck verzogen. Die Ortsgruppe hat an Anerkennung seiner grossen Verdienste um die Begründung und den Ausbau der hiesigen Ortsgruppe den Beschluss gefasst, Herrin Dr. Kalmus als Zeichen der Dankbarkeit ins goldene Buch clntragcn zu lassen. M. M. Baden, 5. d. Mts. Der schweizerische Zionistenverband hielt heute hier unter dem Vorsitz von Dr. Camille Levy־. Biel, seine 4. Dclegiertenvcrsammlung ab in Anwesenheit von 30 Delegierten aus 15 Vereinen. Der Verband zählt in 17 Vereinen 620 Mitglieder. Die Zahl der Schekel-Zahler beträgt 995. Für den Nationalfond gingen im Berichtsjahr Fr. 3000 ein. Neuer Vorort ist Basel, Präsident des Verbandes Dr. Edmund Wormer. Kapstadt. Infolge des Anerbictehs Englands an die Zionisten, den Juden 0!וז Gebiet in Uganda zur AMsicdlung einzuräumen, begibt sich eine aus 12 Personen bestehende Expedition Sachverständiger nach Uganda. Zur Deckung der Kosten hat ein MilMonär. namens Goklroich ln Kapstadt, etwa 330 000 Kronen gespendet und den Wunsch geäussert, selbst atu der Erped'tion teilzunehmcn. Die Abordnung wird vor ihrer Abreise vom englischen Minister des Auswärtigen in einer Privataudienz empfangen werden. Die Expedition wird acht Monate in Uganda wellen. Rundschau. Die Gründung eines Jüdischen Frauenbundes ist zur Tatsache geworden. Man hat von dem ursprünglich In Aussicht genommenen Deutsch-israektischcn Namen Abstand genommen, warn auch von mehreren Seiten gegen diese Abänderung um so eifriger gearbc tet wurde, als man wusste, dass j cs die Zionistrnnen waren, die den Namen ״Jude” an Steile } des verschämten ״IsraeMt" im Namen genannt wissen wollten. Schon diese Namensgebung genügt aber, um dem neuen Bunde einen grossen Teil der Sympathieen zu entziehen, die ahm vorher von der getauften Judenprcssc entgegengebracht worden waren. Sie ist deshalb merkwürdig schwo'gsam über ihn geworden. Sic muss zur Zck sehr viel wieder über Konltz schreiben. Und '11 der Tat sicht es ia aus, als solle man der - Lösung eines Rätsels!näher kommen. Trotz der Verwirrung, die von antisemitischer Seite geüissentl'ch angestiftet worden ist, schont man jetzt mehr Klarheit zu bekommen. In dieser Angelegenhe't fanden lange Verhöre der in der letzten Zeit genannten ^Personen statt, der Frau Ross, der Frau Berg, des Ehemannes der letzterer! und mehrerer alidcrer Personen. Die Familie ׳Berg soll hauptsächlich von dem Arbeiter Masloff bclastet werden. Frau Berg soll mit den! Gymnas'asten Winter intimen Verkehr gepflogen und der Ehemann soll Ihn itn Zorn hierüber getötet haben. Die Beschuldigung lautet auf vorsätz- Ifelic Tötung. Die Verhöre dauern vom Morgen b's fri den späten Abend. In derselben Sache schwebt gegen einen Rcdakteur namens Zhumcrmarm ein Zeugniszwangsverfahren. Zimmermann hatte, bevor diese Vernehmungen stattfanden, eine Anzahl Angaben aus den letzten behördlichen Erm'ttlungen• veröffentlicht, und die Staatsanwaltschaft nimmt an. dass ihm diese Angaben nur durcli Beamte zugängbeh gemacht worden sein können. Darüber befragt, von wem er das Material habe, verwe gerte er das Zeugnis, und er wurde deshalb vorläufig zu einer Geldstrafe von 2öO Mark verurteilt. Die Besorgms der Antisemiten, die von ׳ihnen so sorgsam verschleierte Wahrheit könne ans Tageslicht koimndi, gibt sich auch darin zu erkennen, dass z. B. die Staatsbürgerin gegen ״ein Zcugivszwangsvcrfahren sich prinzipiell” ausspr'cht. In der Tat beginnt also die edle Dame liberale Anwandlungen zu bekommen, da bekanntlich de Antisemiten dahn am literalslen sind, wenn .1!men die Durchführung liberaler Forderungen ihr Spiel im trüben Wasser gestatten würde. In Oesterreich hat der 15 Turnkreis Anstalten getroffen, aus der deutschen Tumarscliaft auszutreten, falls man rrcht den Beschluss, der den Juden den Eintritt und die Mitgliedschaft in do: Turhcrschaft möglich macht, zurücknimmt. Es scheint, dass der Austritt erfo’gen wfrd. Aus Galizien kommen jetzt Kischinewer Nachrichten. Wie in Zablotow, so werden jetzt in Ufcnow die Juden das Hfntcrherseben haben. Bis jetzt sind die Nachrichten noch zu lückenhaft, um sich e!n Bild von den Prozessverhandlungen, de noch mindestens zwei Wochen sich h'Jrziehen werden, zu machen. Die bisher 'וזז Ulmowcr Prozess einvernommenen Zeugen haben gegen die Angeklagten in belastender Weise ausgesagt. Fast sangliche Beschädigte verzichten auf jeden Schadenersatz. fn Uhnow erhängte sich heute nachts einer der 'in Prozess vorgeladcnen Zeugen, namens Sucher Rcichlcr. Fast keiner der Beschädigtet! hat sich dem Strafverfahren angeschlossen. Sehr bezeichnend ist cs. dass s:ch der 7cugc Reichler erhängt habe. Ueter die Motive des Selbstmordes werden die widersprechendsten Gerüchte kolportiert. Der Verlauf der Verhandlung ■'st nicht so spannend, als man erwartet hatte, dafür aber •reich au heiteren Episoden. Sehr heiter war die Einvernehmung des Zeugen Horszowski, eines alten, hagereu Juden. — ״Verzichten S'c auf die Entschädigung?״ fragte der Vorsitzende, Landesgerichtsrat Korber. — ״Die Strafe ja. die Entschädigung nicht”, antwortete trocken der Zeuge. Die Richter lachten herzl'ch und der Vorsitzende bemühte sich den Zeugen aufzuklüren, dass er nur auf die Entschädigung verzichten könne. Der Zeuge grübelte eine Weile nach und sagte dann entschlossen: ,.Dann — schenke ech die Strafe". (Grosse Hc'tcrkcit im Auditorium.) — Den höchsten Zeugen Beer befragte der Vorsitzende, ob er seine in der Voruntorsuchung gemachte Aussage, dass er der! Angeklagten Kostykiewicz en der ersten Reihe der Exzedenten gesehen und dass er der Anführer war, aufrechtzuhaltcn vermöge,, antwortete Beer zögernd: ״Vielleicht hat er wie der Anführer ausgcschaut.”

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