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Jüdische Rundschau · 1904-06-17 · Heft 24 (17.6.1904) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 24 (17.6.1904)
Date
1904-06-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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י 00 C\ 0 Abonnementspreis (Zusendung Inbegriffen) Vierteljährlich! I. daroh die Expedition: a) in Berlin M. —,9a b) nach auswärts M 1,— c) für das Ausland M. 1 ja E. Im Poatabonnomont M.!,25 S. bei Gammoibozug durch die Ortsgruppe M. —.60. Inserate die viergespaltcnc Petitzeile 25 PI. Inseratonbollageo 15 M. Organ der Zionistischen Vereinigung für §ßtttscM§18?cL I, «3 Adresse für Oeldsendu!|geD und Bestellungen: Verlag?QdWdie Rundschau, E. a m. b. H. Berlin 54 ח, Ruguststrasse flr. 49 0. Sprechstunden: ». i—5 Uhr nachmittag* Redaktion: Dr. Heinrich boeue, Berlin RW. 40, behrterstrasse 14 15. Onoerlangte Manuskripte werden nur bei Beilegung genügenden Rückportos zurSckgesandt. No. 24. 1111 ■-1 ויו tn Berlin, 17. Juni 1904. 4. Tammuz 5664. ix. Jahrgang. Schulkompromiss und Kompromissschule. In der politischen Welt Preussens steht heute der Sclnilkompromissantrag der nationalliberalen Partei, — denn als solchen darf man ihn füglich bezeichnen — im Vordergründe des Interesses. Die jüdische Oeffentlichkeit hat sich bisher kaum mit diesem Anträge beschäftigt und doch soll er nicht zum wenigsten auf die jüdischen Schulvcrhältnissc zurückwirken, wenn auch den Antrag* steilem an den Juden ebenso im freundschaftlichen wie im feindlichen Sinne recht herzlich wenig liegt. Und auch dadurch kommen die Antragsteller uns gewiss nicht näher, dass Leute unter ihnen in erster Linie sind, die dem Antisemitismus dadurch eine tatsächliche Anerkennung zuteil werden Hessen, dass sie aus unserm Lage»• den vorteilhaften breiten Weg zu der Mehrheit der andern gefunden haben. Die Simultanschule gilt im allgemeinen als eine speziell den Juden zu gute kommende Rinrichtung. Es ist das selbstverständlich bei einer Auffassung, die die Lösung der Judenfragc im den Juden günstigen Sinne durch Verminderung der konfessionellen Eigenheiten aller Bekenntnisse sucht. Wer über diese Dogmatik des Berliner Tageblatts und der mit ihm verschwlstcrtcn Reformgenossenschaft hinauszublicken vermag, wird freilieh zweifeln, ob die Judenfrage dadurch zu lösen sei, dass die Religion des idealen Wertes entkleidet zu einem Marktartikcl wird, den man nach Belieben vertauschen und handeln kann. Ohne uns selbst auf irgend einen religösen oder unrcligösen Standpunkt zu stellen, müssen wir feststellen, dass der nie das Wesen der Judenfragc erfasst hat, der in der Judenfragc ein religiöses Problem sieht, das man aus der Welt schaffen kann, indem man aller Religion gegenüber möglichst feindlich oder wenigstens wurstig auftritt. Wer so die Judenfrage lösen will, gehört zu Kastan-ins Panoptikum und kann sich für Geld sehen lassen. Aber noch vor 30 und 20 Jahren glaubte man auf .diese Weise alles Heil für die Juden kommen zu sehen, und als die Simultanscluilen eingeführt wurden, da gab es ein Wettlaufen unter den jüdischen Gemeinden, ihre Volksschulen in Simultanschulen umwaudcln zu lassen. Das Muster gaben dazu jene jüdischen ״Wohltäter", die bei ihren reichen Legaten dafür sorgten, dass Juden ״ohne Unterschied der Koniession‘‘ dauernd von den Wohltaten augeschlossen bleiben. Das Muster waren ferner solche Anstalten, wie das Philanthropin und die Jacobsohn־ schule, die als jüdische Schulen gelten und deren ganzer ausschliesslicher Zweck es war, und zum Teil noch ist, die jüdischen Zöglinge allmählich aus dem Judentum herauszuführen, während sorgsam dafü־־ gesorgt wird,‘ dass die christlichen Schüler nicht etwa in ihrem Glauben lau werden können. ׳ . Man glaubte mit der Forderung der liberalen Parteien nach der Sinmltanschule wer weiss wie sehr, der faktischen Gleichberechtigung näher zu kommen, um so mehr als die jüdischen Gemeindeführer ja bei uns jener Klasse angehören, bei denen Vermögen ar• Geld und Gut und Besitz an jüdischem Interesse und Gefühl im umgekehrt proportionalen Verhältnisse zu einander stehen. Wo jüdische Volksschulen existierten, wurden sie zum allergrössten Teile in Simultansfhulen umgewandelt und damit jener Zustand geschaffen, durch den vor allem der jüdische Lchrerstand, an dem ja dem reichen Gemeinde- Vorsteher und dem nicht minder reichen Repräsentanten nichts, garnichts gelegen war. ins Proletariat herabgezwungen wurde. Und wo wider den Willen der Juden die Regierung ihnen die Wohltat zuteil werden Hess, die jüdische Volksschule zu erhalten, da standen die Lehrer unter dem allein seliemaehcnden Einflüsse der von der Simultanschule ausgehenden Strömung und gaben sich in der iiidisclicn Schule redliche Mühe, möglichst simultan! die jüdischen Kinder mit dem Geiste lind dem Wi^en des Judentums nicht bekannt 711 machen. Schreiber dieses kennt eine solche Volksschule in einer Pnsenschen Stadt, wo der Herr Lehrer, dessen Schule freilich auch sonst recht schlecht ist, den sogenannten Religionsunterrieht buchstäblich dazu benutzt, sich über das Judentum in einer Weise lustig zu machen, es zu verhöhnen und zu verspotten, dass er seine konservativen Familien angchörigcn Schüler und Schülerinnen aufs tiefste ln ihrer jugendlichen Seele verletzt. Aber das ist wohl eine Ausnahme. In1 allgemeinen kann man ohne weiteres fcststcllcn, dass, wo jüdische Volksschulen noch übrig eeblieben sind, auch mehr jüdischer Geist und mehr Gefühl vorhanden ist, dass wir heute vor der grossen Frage stellen, ob das Judentum denn auch eine Zukunft haben soll. Es Ist interessant, dass z. B. aus Llssa, wo eine י• ym■*oyfin»#v-**%••*$«ויי»«w«-••*» — * ־ ,^,5 . .%**-*־* *־■׳• äי"■•3-*?••״<־%׳»׳״־י*״;**־**-*״

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