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Jüdische Rundschau · 1904-04-29 · Heft 17 (29.4.1904) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 17 (29.4.1904)
Date
1904-04-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
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0_ jf'V ,00 v\ Vl 1rx Abonnementspreis (Zusendung Inbegriffen) Vierteljährlich 1 I. daroh die Expedition: י) ln Berlin M. —,9a . b) nach auswärts M 1,— c) für das Ausland M. 1,50. I. Im Postabonnement M. 1,25 t. bei Sammelbezug durch die Ortsgruppe M. —,60. Inserate die viergespalfcne Petitzeile 25 Pi Inseratenbellagen 15 M No. 17. Organ der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. Berlin, 29. April 1904. 14. Ijjar 5664. Adresse für Geldsendungen und. Bestellungen: Perlag 3üdls<fte Rundsdiau, E. O. m. b. H. Berlin 1154, Buguststrasse Rr. 49«. Sprechstunden: v. 4—s Uhr nachmittags. Redaktion: Dt. Heinrich hoewc, Berlin nw. 49, üetuterstrasse 14/15. Unverlangte nianushriple werden aar bei Be.tegung genügenden Rückportos zurfidtgesandt. IX. Jahrgang. Der Delegiertentag der Deutschen Zionisten. Der Delegiertentag der Deutschen Zionisten wird durch das Zentralkomitee soeben einberufen. Für die Landsmannschaft ist der Delegiertentag das, was für unser Volk der Zionistenkongress ist. Wir haben deshalb nicht nötig auf die eminente Wichtigkeit besonders hinzuweisen, die der Tagung zukommt. Sie wird durch ihre Beschlüsse auf ein ganzes Jahr die Richtung angeben, die der deutsche Zionismus, oder richtiger gesagt, der Zionismus in Deutschland einzuschlagen hat. Darum ergeht an alle Gesinnungsgenossen und Freunde der Ruf, den Tag in Hamburg zu beschicken, und ganz besonders soll keiner versäumen, dorthin zu kommen, mitzuberaten und mitzubeschliessen, dem der grosse nationale Gedanke, der unserer Bewegung Schwung und Kraft giebt, am Herzen liegt. Einmütig wollen und müssen wir uns unter dem Banner des jüdischen Nationalismus zusammenscharen, wenn wir in praktischer Arbeit unsere Organisation in Deutschland ausbauen und erweitern. Auf zum Delegiertentag der jüdisch-nationalen, zionistischen Partei in Hamburg! Vertrauen. Die bang erwartete Sitzung des Qrossen Aktions־ kcmiitecs ist vorüber und wir dürfen mit Freude konstatieren, dass sich die Idee wieder einmal stärker bewiesen hat, als alle Unterschiede des Milieus und der Kultur. Der Friede ist wiedergekehrt und die gemeinschaftlichc Arbeit wird mit verdoppelter Kraft aufgenommen werden. Wir haheu ja kostbare Monate vorlorcn und bei uns sollten die verlorenen Tage als Trauertage gelten. Aber damit die bcigelcgten Streitigkeiten endgültig begraben werden, nicht eines trostlosen Tages zu neuem Leben erwachen, müssen wir eine Lehre aus den Verhandlungen ziehen, die zunächst recht betrübender Natur ist. ., , Wir haben‘ mit. Staunen und Bedauern auf Seiten unserer russischen Freunde ein Misstrauen gegen alles bemerkt, was von Westen kommt, das fast unbegreiflich scheint. Wir gehen wohl nicht fehl, wenn wir es offen aussprechen: Dieser ganze unselige Zwist, alle diese Anfeindungen persönlicher Natur haben nicht den Ugandafall zur Ursache, sondern das krasse Misstrauen gegen den Westen, dem auch HerzI entstammt. Kohan- Bernstein hat es zuerst offen ausgesprochen, Jacobsohn und Ussischkin sind ihm gefolgt mit der Behauptung, die Zionisten des W estens treiben lediglich Wohltätigkeits- .Propaganda, kümmerten sich nicht um die Volksseele und würden deshalb Palästina zu Gunsten jedes anderen für die Kolonisation geeigneten Territoriums aufopfern. Die genannten Herren haben wohl kaum allzuviele Verbindungen diesseits der russischen Grenze, und so ist schliesslich ihre Anschauung bedauerlich, aber doch nicht so sehr verwunderlich. Wenn aber selbst ein Mann wie Tschlenow, der viele Freunde im Westen hat, ruhig und gründlich denkt und oft genug Gelegenheit zur Ausspräche fand, öffentlich', erklärt, er habe bis zu diesem Augenblick angenommen, die Zionisten des Westens seien in der Hauptsache Philanthropen, so fasst man sich doch verwundert an den Kopf. Der Mann, der den Kongross geschaffen. Nordau, Zangw ill, w i r alle selbst, die wir seit langen Jahren ans manche Wunde Im ehrlichen Kampf geholt — wir alle sind keine ,.reinen“ Zionisten! Nur jenseits der Weichsel hat mau die Fähigkeit, die Idee voll zu erfassen! Es Ist selbstverständlich, dass uns solche Anschauungen nicht kränken. Aber wir bedauern sie tief, denn sie sind geeignet, den ,Spalt zwischen Ost und West neu aufzurcissen, den wir seit Jahren zu überbrücken bemüht sind. Und darum müssen wir diese Anschauungen mit Energie zerstören. Und dazu müssen wieder beide Parteien beitragen. Zunächst muss der Utilitarismus einzelner Agitatoren beseitigt werden, die gelegentlich die humane Seite der Bewegung ihrem Publikum zu Liebe allzusehr in den Vordergrund gestellt haben. ו %

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