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Jüdische Rundschau · 1904-04-22 · Heft 16 (22.4.1904) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 16 (22.4.1904)
Date
1904-04-22
Page
– (sequence 13)
Language
German
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No. 16. JÜDISCHE RUNDSCHAU, Seite 169. Kempen. Im hiesigen Verein für jüdische Geschichte und I Litteratur hielt Sonntag, ^d. 10, d. M. Herr stud. phil. J. j Freund einen Vortrag Uber ״Die Lösung der Judenfrage und den Zionismus“, zu welchem an sämtliche Mitglieder der hicsi-! gen Oemeinde Einladungen ergangen waren. Der Referent! schilderte zuerst die (;1ende Lage dor östlichen Juden und die Verachtung und Zurücksetzung, welche die Juden in'‘den westliehen Ländern zu erdulden hätten, zeigte dann die Fruchtlosigkelt der bisherigen Bestrebungen zur Hebung tTer Judennot und gab schliesslich rin gemeinverständliches Bild von den Zielen der zionistischen Bewegung, von den Mitteln, mit welchen sic ih! Ziel zu erreichen sucht und. von ihren bisherigen Erfolgen. In der darauffolgenden Diskussion wurden von Herrn cand. phil. Rabbiner Klein, von Herrn Lehrer Goldberger• sowie von Herrn Moritz Gotthcintcr alle sattsam bekannten Einwände vorgebracht, Herr Dr. Max Gallewski sah das Heil des Judentums, das übrigens kc:ne Einheit mehr bilde, in der Assimilation und Herr A. Dzla’oszinski war zusammen mit Herrn Goldberger unter die Propheten gegangen und sic erklärten den Zionismus für eine Utopie. Abgesehen von letzterem unwiderlegbaren Einwande — Prophezeiungen können nicht widerlegt werden — wurden alle anderen namentlich in ausführlicher und treffender Weise von Referendar Dr. Dohrzinski aus Krotoschin, ferner von den Herren Gorski und Laudau sowie vom Referenten widerlegt. Zu den bisherigen 6 Schekelzahlern traten noch 12 hinzu. Herrn Dr. Dobrz.inski, dor. eigens zu dieser Versammlung hierhergeeilt war. sagen wir an dieser Stelle nochmals unsern herzlichsten Dank. Lübeck, 26. März I9CM. Die diesjährige gutbesuchte Gcnoralversanuulung der hiesigen Ortsgruppe nahm einen anregenden Verlaut und lieferte den Beweis, dass der Zionismus in Lübeck erfreuliche Fortschritte gemacht hat. Aus dem Jahresberichte wurde fcstgcstellt. dass die Mitgliedcrzahl auf 102 Personen angewachsen ist. die in zahlreichen Vcrsammlungen Gelegenheit hatten, ihr Interesse für die zionistische Bcwegung zu bekunden. Aus dem Kassenberichte mag erwähnt werden, dass ein Umsatz von 933,60 Mk. erzielt worden ist. Sodann wurden für das kommende Jahr die folgenden Herren in den Vorstand gewählt: Dr. Jovi, Dr. Kalmus. Adoli Gold- Schmidt. Referendar Meyer, Referendar Landau. Ausserdem wurde auf einen Beschluss der Versammlung hin ein Agitatlonskomitce unter dem Vorsitze eines Vorstandsmitgliedes gebildet, ln vorgerückter Stunde brachte Dr. Kalmus den Antrag ein. dass sämtlichen Mitgliedern von der Ortsgruppe aus regelmässig die ״Jüdische Rundschau“ zugesandt werden solle. Ein endgiltiger Beschluss konnte darüber nicht mehr gefasst werden, da aber der Plmi vielen Anklang fand, beschloss der Vorstand in einer deswegen einteruienen Sitzung, dem Anträge des Herrn Dr. Kalmus stattzugeben. Dieser Beschluss Ist allen Ortsgruppen Im Interesse einer erfolgreichen Agitation dringend zur Nacheiferung zu empfehlen. L. L. ' v.C.'Emden. Gestern hat hier eine zionistische Volksver-• Sammlung stattgefunden, in der cand. jur. L ö b von hier über ״Zionismus und Kolonisation“ sprach. Die Versammlung war sehr gttt besucht, und man spendete Herrn Löb am Schlüsse seines sehr interessanten Vortrages lebhaften Beifall. Die sich an den Vortrag anschliessende Debatte war sehr lebhaft und dauemte bis nach 12 Uhr. Die Versammlung war für unsere Bewegung erfolgreich, denn es tratep vier neue Mitglieder der hiesigen Ortsgruppe bei. Duisburg. Am 28. März sprach hier Adolf Hoffman n- Köln über Herzl's Judenstaat unter lebhaftem Beifall. Die Zionistische Vereinigung Bonn veranstaltete hu Gasthof du Nord eine Versammlung ,in welcher Dr. Kloc aus Berlin über den gegenwärtigen Stand der zionistischen Be- Bewegung referierte. Dr. Klee, welcher an der Bonner Universitiit studiert und Mitbegründer der hiesigen Zionistischen Vereinigung ist. gilt als einer der überzeugungstreuesten Verfechter des zionistischen Gedankens. In seinem einstündigen Referat, das mit fliessender Beredsamkeit und unter Berücksiebtigung der reaipolitischen Verhältnisse gehalten wurde, bemerkte der Redner, der Gedanke, der Judenschaft eine öffentlich-rechtlich gesicherte Heimat zu schafien. sei keineswegs eine Utopie. Allerdings könne man nach einem zweitausendährigen Exil nicht ־ erwarten, dass innerhalb einer siebenjährigen Tätigkeit das erstrebte Ziel schon seine Verwirklichmig finden könne. Dr. Klee beleuchtete hierauf die Steliung. welche die verschiedenen Mächte ln der 2iomstenfrage einnehmen. Auch England stehe der Sache freundlich gegenüber, die engllsch-egvptisclic Regierung hätte sogar der Ko- Ionisation der Sinai-Halbinsel wohlwollend gegenüber gestanden. England habe auch durch Chamberlaii» in Britisch-Ostafrika eine Besiedelung angeboteu. Es sei Jedoch hierüber ' seitens der Zionisten noch kein endgültiger Beschluss gefasst worden. Nach der Erklärung des russischen Ministers Plehwe . sei die Lösung der Judenfrage in Russland selbst völlig ausgeschlossen, dagegen wolle Russland die Schaffung eines Jüdisch-autonomen Staates in Palästina diplomatisch una finanziell unterstützen. ־ Schliesslich gab Dr. Klee noch einig», zahlenmässige Angaben, woraus hervorgeht, dass die zion»- stischc Bewegung iu Rheinland-Westfalen im Gegensatz zu den östlichen Provinzen Deutschlands geringere Fortschritte mach! und dass wir bei 500 000 Juden 8000 organisierte Zionisten zählen. Im ganzen zähle man Jetzt 250 000 Zionisten. Erwähnt seien noch Darlegungen über die jüdische Kolonialbank ״״d ä?,*! vor zwei Jahrcn gegründeten jüdischen Natioiialfonds. Mit Hiltc des geschaffenen Fonds sollen nach Erhalt des Frei- Briefes Ländereien in Palästina etc. als Gemeinschaftsgut angekauft und in Erbpacht vergeben werden. Vorstehende Notizen entnehmen wir dem Bonner General- Anzeiger. Hinzugefiigt sei noch, dass in der anschliessenden Icbthaften Diskussion der ungerechtfertigte Vorwurf der sozialdemokratischcn ״Rheinischen Zeitung“ zurückgewiesen wurde, der in, der ungeheuerlichsten Behauptung gipfelte, ziouistischerseits hatte man die Ereignisse von Kischiueff aus politischen Gründen totzuschweigen gesucht. Interessant wui. dass ein aus Kischinew stammender Gast hervorhob. welch wohltätige Wirkung der Zionismus gerade in Russland aus übe. Der Abend schloss mit einer Sammlung׳ für den National* fnnd und Zeichnung von Bankaktien. Dr. E. Mannheim. Vor einer zahlreichen Zuhörerschaft sprach am 29. März in einer öffentlichen Versammlung der hiesigen zionistischen Ortsgruppe Dr. Klee-Berlin über das Thema: ״warum sind noch nicht alle deutsche Juden Zionisten״. Von der Tatsache ausgehend, dass cs eine Judentrage gibt, führte Redner aus, dass dieselbe jedoch keinen spezifisch deutschen oder russischen Charakter trage — also nur auf Deutschland oder Russland beschränkt — sondern, dass sie zur allgemeinen geworden sei. Dam nicht allein in Frankreich und Deutsch-!and treibe der Antisemitismus seine Blüten, auch in England und Amerika, die bis heute den heimatlosen Juden eine Zu* fluchtsstätte boten, mache sich eine Bewegung zu ungunsteii der Juden-Einwanderung geltend. Dort als Beweis die Ein- Setzung einer Fremder.kosr.inlssiuu — hier die Bestrebungen die Einwanderung mittcl'oscr Ausländer (Juden) zu vorhindem. Ucberall offene uitd versteckte Unterdrückung. Die Lage ist schwierig. Die Frage verlangt eine Lösung, und der Zionismus — die zum Willen umgesetzte Sehnsucht von Vausenden nach einem neuen* Leben auf eigenem Boden — versucht sie zu geben. Es ist keine Wohltätigkeitsbestrebung, die für den Augenblick helfen möchte, sondern er erstrebt, den Heimatlosen eine Heimat zu geben und den geistig Bedrucktet! die Möglichkeit, sich frei nach ihrer Eigenart zu entwickeln. Diese Heimat soll P a I ä st i n a sein. Warum gerade Palästina? Weil wir gerechte Ansprüche aut dieses Land haben, als dem Schauplatz unserer ruhmvollen Oeschichte: weil es unser ist, kraft unzähliger Erinnerungen, und eben deswegen d o r t a 11 e i n der Boden sein kann, in dein wir Heimatlose zu wurzeln vermögen. Im Interesse aller Kulturstaaten liege es, dass eine Lösung der Judenfrage herbeigeführt wird, und dass die'in Betracht kommenden Grossmächte einer Lösung auf palästinischem Boden nicht abgeneigt seien, beweise zur Genüge deren wohlwollende ׳Stel'ungnahine zu unseren Be- Strebungen. Die Besiedelung von Palüstina solle und müsse alltiu auf Grund einer woh'-durchdachten Kolonisation gcschelien. Redner führte als Beispiel planlosen Kolonisation die Arbeit der ״B i 1 u" an, jene Gcsc’lschaft russischer Studepteiu die vor 25 Jahren in glühenden Enthusiasmus nach Palästina auswanderten, um — in völliger Unkenntnis der Bodenbeschaffcnhelt etc. — Kolonisation auf eigne Faust zu betreiben. Redner kommt auf den deutschen Zionismus zu sprechen unu führt die ablehnende Haltung deutscher Juden gegen den Zionisttius aui verschiedene Ursachen zurück. Nach ihm bekenneu sich viele theoretisch zutn Zionismus, halten jedoch eine Verwirklichung unseres Zieles. für Utopie. Andere wiedc! meinen, dass in einer Zeit wie der unseren, von einer Lösung der Judciifrage keine Rede sein kann. Unsere Aufgabe sei. an dem Mcnschhcitsproblem zu arbeiten, denn mit dessen Lösung gehe Hand, in Hand diejenige der Judenfrage. Redner , meinte., dass von unserem Standpunkt aus die Menschheit f nicht ausschlaggebend sein könne, denn in erster Linie müssen 1 wir unser eigenes Wohl im Augo haben. Sei unsere Frage einmal gelöst, so werden wir freudig an der Lösung des Menschheitsproblems mitarbeiten. — Eine dritte Gruppe wiej der hält es fiir unmöglich, deutscher Staatsbürger und zu i gleicher Zeit Zionist zu sein. Denn das eine hebe das andere auf. Redner jedoch bewies mit Hinweis auf die an der Spitze; des Zionismus stehenden deutschen Juden, dass sich sehr; wohl deutscher Patriotismus und Zionismus vereinigen hisse. I Der Grund für die ablehnende Haltung so vieler sei wohl 1 nicht zum meisten fn der Furcht vor dem Antisemitismus [ zu suchen. Denn dieser bezeichne uns als fremdes Volk, als störendes Element, sobald wir durch den Zionismus unserem

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