Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 14 (30.3.1904)
- Date
- 1904-03-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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\ C |00 c\0 Abonnementspreis (Zusendung inbegriffen) Vierteljährlich 1 I. direh di• Expodltlon: a) ia Berlin M. —,9a b) nach auswirts M 1,— c) fOr das Ausland M. 1,50. t. Im Poatabonnement M 1,25 f. bei Sammolbezug durch dl• Ortsgruppe AL —fiO. Ina«rate die Tiergespaltene Peliueile 25 Pt. Ins«ratenbellageo 15 M I | Organ U -! Zionistischen Vereininnng | «r \ Deutschland.? \ ו Adresse für Geldsendungen und Bestellungen: Verlag 3Qdisd1e Rundschau, EdiahH. Berlla n 54, BugusHhasse flr. 19 a. Sprechstunden: t. 4—s Uhr nachmittags. Redaktion: Dr. Heinrich Qoewe, Berlin BW. 40, üehrlerslra5se H l 5. Unvwlonqte inanu'lrrlpte werden sur bet Beilegung genügenden Rackpcttas luredcgesandt. No. 14. Berlin, 14. Nissan 5664. . ■■um— •#11 »Ul—י——י^—— IX. Jahrgang.!Die Tagung des grossen Aktionskomitees. Was ist liir ein Unterschied zwischen .den Sitzungen des (Grossen Aktionskomitees, wie sie von Zeit zu Zeit siatdinden, und der Sitzung, .die am II. April in Wien tagen soll und der wir bangen Herzens entgegenschen? Wanuui amd* waüuteli hat .diese Sitzung eine so weittragende Bedeutung, dass wir .ihren Verhandlungen und Resultaten mit in dir Erwartung entgegensehen als den Tagungen :sogar .des Kleinen Kongresses? Auf dem;sechsten Kongress :hat jenes Kolonisationsprojnkudas;USser.grosser Fülirer unseren Volksboten zur BegtJiadmutg vorlegte, and das zwar jüdisch national, aber ganz .und!rar nicht zionistisch w ar, einen Sturm der Leidenschaften :und •־Gegensätze entfesselt, wie wir deren bis dahin Ihn Ziunisnms nicht kannten. Das hochherzige Anerbieten der Britischen Nation -an das durch den;ZionistenKongress •vertretene jüdische Volk, das zugleich den grössten Erfolg des bisherigen Zionismus bedeutet, -der! er einzig and allein •.seinem Herz! verdankt, und die berechtigte Furcht, es möchte die Prüfung des Antrages allein schon time Abkehr von tmserm Ziele Zion verwrsadicn, haben die Gegensätze und •heissen Kümpfe nicht nur in die 'Landsmannschaften und Gruppen, sondern in das Merz jedes Einzelncn getragen, der mit ebenso glühender Liehe an seinem Zion wie an seinem Volke hängt. Das Ostafrikaprojekt musste in sich selbst den Keim zur Zersetzung des Zionisnhis tragen, und deshalb waren die äusseren Erfolge, die es uns verschaffte, von der Unruhe im Innern begleitet. Aber es blieb nicht beim Kampfe nm Ostafrika. Alle Gegensätze, die zwischen ost- und westeuropäischen Juden, zwischen Palüstinern und Territorialistcn, zwischen Chowcwa Zion und Cliarteranliängern. zwischen alten und neuen politischen Zionisten tief unten im innersten Herzen existierten, wurden von Grund aus aufgewühlt, und ein leidenschaftlicher Kampf entbrannte, und zw׳ar dort am meisten, wo der Zionismus aut tiefsten im Herzen wurzelt. Gerade unsere allerbesten Zionisten. Theodor Herzl auf der einen Seite, unsere im zionistischen Kampfe ergrauten russischen Gesinmmgsbrüder auf der andern Seite, wurden die Rufer im Streite gegen einander. Und das ist der erste und grösste Hauptumersehied dieser Aktionskomitcesitzung gegenüber allen früheren, dass in ihr der entbrannte Kampf ausgetragen werden soll. Es handelt, sich dabei auch uni persönliche Differenzeu. Se weit solche existieren, haben wir keine Be- } sorgnis. Denn wir wissen zu genau, dass sogar die 1 Charkower Erondistei! wohl ausnahmslos die überragende i .Persönlichkeit Hcrzls zu hoch schätzen, um nicht gern; Alles ziirückzuiiehm.eii, was einer sachlichen Ausgleichung der Gegensätze im Wege stehen könnte. Und Herzl ist ganz der Mann dazu, seinen Gegnern, die sich selbst die Busse auferlegen w erden, zu ihrem RücKzuge die goldene Brücke zu bauen. Freilich wird keine Versöhnlichkeit *den Charkower Veriassungsbrueli ungeschehen machen können, und keine Aussöhnung wird wieder Vertrauen zu dem Manne erwecken können, der das Vertrauen dtuch die Veröffentlichung des vertraulichen Charkow er Protokolls täuschte. Dennoch haben wir zu der Grösse unseres Führers das volle Zutrauen, dass c r Mittel und Wege finden w ird, mit die durchbrochene Disziplin in •ihrer ganzen Strenge w ieder herzustellen und zugleich jenen Männern, die seit zwei Jahrzehnten die Vorkämpfer des politischen Zionismus im Osten sind, die Möglichkeit gewähren, nicht aus der Partei auszuscheiden. Denn er weiss es um allerbesten und hat es selbst offen und unzweideutig ausgesprochen, dass er sich auf die Männer stützen muss, die ihm Widerstand leisten. Er. der die Einheit der Partei und den Kongress geschaffen hat, konnte mehr als alle anderen den Wert dieser Männer schützen lernen. Es handelt sich ia nicht um einen Kampf der Wohltätigkeitsapostel mit dem politischen Zionismus. Sondern hüben und •drüben stehen nur politische Zionisten, weint; auch die Triibsccfisclicr schon längst vergeblich im aufgerührten Wasser. ־ - freilich erfolglos — lierumangcln. Aber es handelt sich insofern um sachliche Gegensätze, als die russischen Zionisten - denn wir wollen uns doch nicht cinreden. dass die russische Judensehaft hinter Reines oder Aw inow itzki stellt — die praktische Arbeit in Palästina neben der diplomatischen Tätigkeit intensiv gepflegt wissen wollen. Ein weiterer Zw iespalt besteht über die Amtsheftignisse von Aktions- Komitee und Präsident. Diese beiden Hauptfragen müssen gesondert bchandelt und verschieden gelöst werden. Audi wir sind gern einer Reformierung des Aktionskomitees Zuganglieh, wenn sie auf legitimem Wege herbeigeführt wird. Auch w ir sind der Meinung, dass es nicht darauf an- .kommt, dass jedes Land im Aktionskomitee vertreten ist. — Palästina selbst ist merkwürdigerweise nicht einmal vertreten sondern dass eine kleine Zahl unsern Führer unterstützen sollen, die unseres Volkes Vertrauen besitzen und mit denen der Präsident arbeiten kann. Dann aber verstehen wir auch den •weisen Ausspruch des attischen Historikers, der ebenfalls an de״ Spitze eines demo-