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Jüdische Rundschau · 1904-03-25 · Heft 13 (25.3.1904) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 13 (25.3.1904)
Date
1904-03-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Abonnementspreis (Zusendung Inbegriffen) Vierteljährlich 1 t. daroh die ]Expedition: •) In Berlin M. —,9a b) nach'auswärts M l,— c) fOr das Ausland M. Ija 2. Im Poetabonnement M 1,25 3. bei Sammolbezug durch die Ortsgruppe M. —,6a Inserate i c viergespaltene Petladle 23 Pt Inaeratenbellagen 15 M. I » k! k § k § Organ 'der ■Zionistischen Vereinigung für! k ו . Adresse für Geldsendungen und Bestellungen: Petlap Tüdisdie Rundsdiau, E. G. m. b. H. Berlin fl 54, Buguststrasse (Ir. 49 a. Sprdistunden: v. 4—S Uhr f\achmitta1(s Redaktion: Dr. lici'.iridt Lceue^ Berlin flW. 40, üehrterstrasse 14 15. Unvcrtonsfe maiuikrififc werten nur bei Belegen; ««nüfiemJen Rückpatt.« t zartAgescndl. No. 13. Berlin, 25. März 1904. 9. Nissan 5664. ix. Jahrgang. Der Weg zum Ziel. Unsere Zeit, die nach neuen Formen kämpft und ringt, uin ihr Wesen zu entfalten, beginnt allmählich mit dem alten politischen Schematismus zu brechen. Nicht um Programme, sondern um brennende Lebensfragen schaaren sich die modernen politischen Gemeinden. Die Interessen sind es, die die Volksklassen heute verbinden, und an Stelle des Scheins tritt das Sein, der Kampf ums Dasein^ des einzelnen Individuums und de! Gesamtheit: die soziale Frage. Die Programme werden immer kurzer, je ernster das Leben sich gestaltete. Die langstiligen Paragraphen geraten immer mehr in Vergessenheit und werden zu toten Buchstaben, jemehr die Erkenntnis durchdringt, dass alles in der Gestaltung unseres Gesamtlebens von der sozialen Frage beeinflusst ist. Das lebendige Ziel ist es, das der moderne Mensch im Kampfe vor Augen hat, und nicht die traditionelle Parteischablone. So treten die politischen Fragen immer mehr in den Hintergrund und die soziale Seite des öffentlichen Lebens beherrscht die Politik, soweit sie überhaupt als Ausfluss der freien Volksmcinung angesehen werden darf. Mögen diejenigen, welche ihre Ideale nur in abstrakten, weitgerückten Zielen erblicken, dieses als ׳ Rückschritt betrachten, wir begrüssen diesen Prozess, der die Nebel des politischen Horizonts verscheucht und Klarheit für den Einzelnen und die Gesamtheit schafft, als eine langsame Gesundung unserer öffentlichen Zustände. Auch wir Zionisten haben ein Programm — und das bedeutet: Das jüdische Volk hat ein Programm, ja ein Programm der Zuku nft Israels. Es ist klar, dass man hier nicht den Massstab einer engherzigen Partei anlegen darf. Unser Programm kann nur das Zauberwort der jüdischen Einheit, das gemeinsame grosse Ziel enthalten. Was uns alle verbindet, das ist das gesehichtliche Bewusstsein und die Leiden unserer Brüder, unsere Leiden. Nicht mehr und nicht weniger. Es. gibt kaum eine religiöse, politische oder kulturelle Frage, in der der Baseler Kongress leicht hätte einig werden können. Einig aber sind wir alle in dem Bestreben, für unsere Ehre und für die Zukunft unseres Stammes einzustehen. Wir bilden keine politische Partei Im gewöhnlichen Sinne und wollen keine bilden. W i r7 wollen das jüdische Volk selbst sein. Nur die sind die Vertreter des Volkes, die im Geiste seiner Geschichte leben, die seinem innersten Wesen treu bleiben und seine Individualität wahren. Ihre Zahl — und die beträgt weit über Millionen — tut nichts zur Sache. Wären auch nur zwanzig Delegierte in Basel anwesend, sie würden die legitime Vertretung der Gesamtjudenheit darstellen. Am 29. August des Jahres 1S97 erlebte die jüdische Nation im Stadtkasino zu Basel eine Wiedergeburt. Hier fand die Aufrichtung von innerer Schmach, die Befreiung vor entwürdigender sinnloser Nachahmung statt. Zum ersten Male nach achtzehnhundert Jahren legten ISO Vertreter der Judenheit offen vor der ganzen Welt das Bekenntnis ab: ״Wir sind ganze Juden und wollen es bleiben, das ist unser Stolz und unsere Würde!“ Darin besteht die Bedeutung dieser grossen jüdischen׳National- Versammlung, und darin liegt die Erklärung des wunderbaren Rätsels, dass Männer verschiedener Richtungen, ja entgegengesetzter Lebensanscfiauungen sich so leicht verständigt haben. Sie waren alle von dem einen Gedanken beseelt, ihrer Nation zu helfen. Erst dem Kulturhistoriker der Zukunft wird es vergönnt sein, die Tragweite des ersten Zionistenkongresses für das Geschick des jüdischen Volkes zu schildern. Uns Zionisten selbst aber brachte er, was uns am meisten, not tat: Klarheit, Wahrheit und Einheit. All die Verdunkelungen und Umnebelungen des Zionismus durch religiöse und humanitäre Ideen haben aufgehört. Klar ist das Ziel für jeden, der sehen will. Nach Zion führt der Weg. Nach dem materiellen Zion für die enterbten Brüder des Ostens, nach dem geistigen Zion für die ihrer Eigenart entfremdeten westeuropäischen Juden, für uns alle nach dem Zion nationaler Freiheit und Selbständigkeit. Uns ist die Judenheit eine Einheit, eine grosse Familie, in der jeder nach seiner Ueberzeugung leben und denken darf. Die Zerklüftung der Judenheit in Parteien war uns im Laufe der Geschichte schon oft zum Verhängnis geworden. Der Zionsgedanke soll das Band bilden, um alle Söhne und Töchter Israels mit einander zu verbinden. Wir wollen keine Wohltaten erweisen. Man übt keine Wohltätigkeit an Brüdern, man tut nur seine Pflicht, man folgt nur seinem innern Drang. Einen . Bruder speist man nicht in der Küche mit den Resten

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