Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 11 (11.3.1904)
- Date
- 1904-03-11
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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No.. II. JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 107. 1 unbestreitbar sind, auszuweisen. Man kamt auch dabei wieder bemerken, dass noch ärger als die Russen allezeit die russi- Nzierten Balten gegen die Juden Vorgehen, die ihnen nicht verzeihen können, dass sie an der deutschen Sprache festhalten, welche die Balten verleugnen. Kownor. Die offiziellen ״Kowenskija Gubernskiji Wjedomosti“ machen darauf aufmerksam, dass die Auswanderung der Juden nach Südafrika in letzter Zeit in allen Ortschaften des Gouvernements einen grossen Umfang angenommen hat. Die in Transvaal, Kapstadt und in den andere« afrikanischen Koiuniett seit mehreren Monaten lebenden jüdischen Auswanderer aus Russland sollen dort guten Verdienst habet: Das Postamt von Kowno erhält täglich aus den bezeichnten Ortschaften in Südafrika Ge’dbriete• und Wertsendungen für dt: im Gouvernement zurückgebliebenen Verwandten und Angehörigen der Aus- Wanderer. Warschau. Die hiesigen Blätter konstatieren, dass in letzter Zeit aus dem Wcichselgebiete eine Masssn^uswanderung von Juden nach Amerika und Afrika stattgefunden hat. Es gibt Ortschaften, welche noch vor einigen Wochen einige hundert jüdische Familien hatten und jetzt kaum zwanzig aufweisen. Unter den Auswanderern befinden sch auch viele Vertreter der jüdischen Intelligenz. (Welt) Der zweite Prozess In Kischinew. Wie bereits früher mitgeteilt wurde, sind die wegen der Teilnahme an de:1 Mordtaten und Plünderungen zu Ostern 1903 angeklagtcn Personen in einige zwanzig Gruppen geteilt worden und es wird daher noch lange dauern, bis alle Urteile gefällt sein werden. Der zweite Prozess ist vor einigen Tagen zum Abschluss gekonur.cn und das Urteil ist auch bereits nrtgeteilt worden. Thomas Korchow. der nach Aussage mehrerer Bürger dvn Kischinewer Einwohner Ullmann ermordet und dessen Leiche mit Füssen getreten hatte, wurde — freigcsprocheit und die beiden Brüder Daniel und Jakob Petrescu. die den Isak Krupuik und Sohn im Hofe des Sobelmannschen Hauses ermordet hatten * 15 Zeugen erzähl• ten genau den Vorgang wurden zu vier (!) Jahren Arrest intenkempanie verurteilt. Der Zeuge Rothseid deponierte, in welcher Weise Jakob Beer Tun׳k ermordet wurde. Ein gricchisch-onhodoxer Priester aus rr'ner in der Nähe befindlichen Kirche, namens Alexander, ging eben an dem Orte vorbei, wo gemordet und geplündert wurde, die Exzedenten baten ihn um ihren Segen, der auch erteilt wurde, worauf die Leute dan.i mit frischem Mut an ihre ».Arbeit“ gingen. Dieser Priester. Pater Alexander, von der Sankt Trinitatiskirche, befindet sich auch unter den von der Vcrtcidgung namhaft gemachten Eiltlastungszeugen. Advokat Sarudny lenkt die Aufmerksamkeit des Gerichtshofes auf den Umstand, dass dem Verhalte« der Juden von der christlichen Bevölkerung selbst das denkbar bestq Zeugnis ausgestellt wurde. Zeuge Aron Hendrich bcstätigt, dass es ansässige Leute gewesen seien, die an den Ostertatfen sich an den Plünderungen in hervorragendem Masse beteiligten. Advokat Sarudny bittet die Zeugen, den Widerspruch aufzuklären, wie sich die mit den Judr« im besten Einvcrnchmen lebende Bevölkerung plötzlich dazu veranlasst fand, Gewalttätizkeitcn schlimmster Art und ohne Erbarmen zu verüben; Zeuge entgegnet, dass dies nur durch die planmässige Agitation bestimmter Personen ermöglicht wurde: er kenne selbst einen christlichen, judenfeindlichen Pächter, der kurz vor Ostern regelmässig Gruppen von Leuten aus dem Volke um sich versammelte und ihnen aufreizende Artikel aus dem . Bessarabetz“ und der ״Snatnja“ vorlas und diese noch seinerseits entsprechend "kommantierte. Auf Ostersonntag sah Hendrich einen Rater durch die Strassen galoppierca der, als er einer Schar Plünderer begegnete, sie ermunterte, indem er ihnen mit lauter Stimme zurief: ..Nur frisch ans Tagewerk, an die Arbeit, es wird sich nicht so bald wieder Gelegenheit bieten, auf die Juden dreinzuhauen!“ Diese Worte machten sichtlich auf die noch unschlüssigen Banditen einen derartigen Eindruck, dass sie mit dem Bewusstsein, eine gewisse Pflicht zu erfüllen, an die Fortsetzung ihrer ״Arbeit“ gingen, ln einer Vorstvdt war ein angesehener christlicher Bürger, Pontelej Kuso. einer der Harpträdolsfiihrer und Hetzer. Zwei der Angeklagten erklären sich nichtschuldig des Mordes an Sarah und Sissja Panardtzy, da sie nur auf Anstifter, des Fcdor Nusnak sich an dem Werk beteiligten und sie des letzterwähnten Versicherungen Glaubai schenkten, dass Juden zu töten nicht strafbar sei. Aus Kischinew. wird nachträglich vom 26. Pebruar gerne!- det: Zeuge Rosenberg schilderte eingehend und überzeugend die von offiziösen Organen abgeleugnete Tatsache der bestialischen Behandlung der mit Steinen und Eisenhammer erschlagenen Sara Panardschi durch nachträgliche Einquetschung eiserner Nägel in die Nasenlöcher. Unter den Beisitzern des Gerichtes ist ein Mitarbeiter des ״Bessarabetz“, KbitowskoJ. Von einer Seite war in jüdische Blätter eine Notiz gebracht, worden, aus der die UnzuverlässHcke't der Türkischen Post im Orient hervorgehen sollte. Von anderer Seite wird dagegen clngew’andt, dass die Erfahrungen dahin gehen, dass trotz lebhafter Korrespondenz mit Palästina Briefe, die an sie von dort mit der türkischen Post abgesandt w׳urdcn, niemals verloren gegangen s'nd. Auch Herr Cohn, der seit einigen Monaten im Westen befindliche Direktor der Lämd-Schulc, bestätigt soeben, dass die in dieser Zeit mit der türkischen Post an ihn gesandten Briefe immer pünktlich angelangt sind. ..In keinem Falle würden etwaige Mängel in der Briefbeförderung durch die türkische Post eine Entschuldigung für die dortigen Juden bieten, s’ch gerade der russischen Post zu bedienen. Habe Jen es auch allgemein für angemessen erklärt, dass die türkischen Juden sich der türkischen Post bedienten, so lag doch de! der Schwerpunkt matier Ausführungen darin, dass wir westeuropäischen Juden es als eine moralische Insulte timpfinden. wenn Juden, die in Palästina ein Heim gefunden haben, den Einfluss desjenigen Landes befördern helfen, m welchem die Juden systematsch verfolgt werden. •Solange nicht über Hornel und Kischinew etwas Gras gewachsen isj^. dürfen wir uns die russischen Briefmarke« auch daun verbittcn. falls die türkische Post schlechter wäre, als sie meine« Erfahrungen nach *st." Auch wir können aus unserer Erfahrung nur bestätigen, dass die Türkische Post nicht minder zuverlässig ist. als andere Oriempostctn. Jedenfalls aber gehören Briefe mit russischeu Marken aus dem Türkischen Reiche nur '11 den Papierkorb. In Tescaul (Rumänien) starb im Alter von 51 Jahren Herr David G r ü n b e r g. dessen Tod in weiten Kreisen der rumänlschcn Judcnhcit warme Teilnahme erweckt. Sein Sohn ist unser bekannter Gesinnungsfreund Pr. Janen Grimberg. Sein Andenken in Ehren! Nationalfond. Zentralstelle für Nationalfond: p Dr. med, Robert Hantke, p BERLIN W. 57, Mansteln-Strasse 1. C pOCO'DOOOC C CO® CO'^OOOOI^OOOOCO'DOOO Nationalfondmarken sind gummiert bei Dr. med. Robert Hantke» Berlin \V. 57, Manstelnstrasse 1 erhältlich. Oie NatlonalfondkommliSlon in Wien sammelt Briefmarken and Postwertzeichen, um dieselben nach Prüfung von Kennern zu Gunsten des Nationalfonds zu verkaufen. Es geht daher an •ämmtliche Gesinnungsgenossen die dringende Bitte, Marken zu sammeln und dieselben an die N. F.-Koramlsslon In Wien IX T&rkenstrasie 9 zu senden. Rechtsanwalt A. L e v y - Hagenau: Anstelle Gratulationsbesuches zur Verlobung von Franz Half-Hagenau mit Rosa Kaufmann- Hagenau. G. Sch ul z Breslau: monatliche Sei bst best euer ung 0,50, Statt Telegramm an Bundesbruder Menasse zum Referendarexamen 0,50.zus. Max Gold re ich־ Köln Verstelgerungserlds . . . . In einer Purim-Gesellschaft bei Wagner’s gesammelt von Channah. Purim bei Dr. Cas pa ri •Berlin. Dr. Klee, Richard Mayer anstatt Telegramm zur Hochzeit Kessler-Lob •London 1,50, anstatt Telegramm zurHochzeit Sonderling-Breslau I,—zus. Richard M ay e r gratuliert Alfred M a n a s s e . . , ־ Aus Köln: Purim Unterhaltung des ״Jüdische□ Turnvereins“ gesammelt von Sidooie Goldreich und Frieda Meyer 8,22, Julius Berger verlorene Wette I,—.zus. Aus Breslau: Verspätet! Gesammelt bei der Verlobung Wislick i Renschestr. 46. Curt B r o h * Bromberg. Anlässlich .der Geburt eines Neffen.. S, M. wegen 2 Oh.. an E. H.. Frau E. Schillingold 2 anstatt Lichfgold ..... Sammlung CaW Monopol am 5. 3. 04 . . . . 2,— Alk. I, - * J, 10 , ״ 3,10 t, ־־*«3 2,50 . 0,50 r 9,22 0,6a ״ 2,— n