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Jüdische Rundschau · 1904-03-04 · Heft 10 (4.3.1904) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 10 (4.3.1904)
Date
1904-03-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Jt. ׳J8y§51■ I 1' I j Abonnementsprels , (Zusendung inbegriffen) f Vierteljährlich! . 1* durah dl• Expedition: ׳ a) In Berlin M. I י• b) nach auswlrts M 1,— > c) fflr das Ausland M. 1,5a 1 •י» Postabonn«mont M.' 1,25 3. hat fiammolbexug duroh } dl• Ortagruppo M. — ßX Xnaerato die viergespaltene Petitzeile 25 Pf. InseratonbeUagoD 15 M. No. 10. X^X Organ der l r ״ Zionistischen Vereinigung nir Deutschland. Berlin, 4. März 1904. 17. Adar 5664. I! l? I » Adresse fur> Geldsendungen und Besfellungen: Verlag Südisdie Rundschau, * E* 0?*1וו• b. H* Berlin (! 54, Huguslsfrasse Elr. 49 a. Sprechstunden: v. 4—5 Uhr nachmittags. Redaktion: Dt. Heinrich üoewe, Berlin nw. 40, behrlerstrasse 14/151 Utmrlangfe Rlanuskrfpfe werden nur bei Bellefluna aenOgenden Rückporto: IX. Jahrgang. ־ Die Einberufung des ßrossen Aktionskomitees. Das Krosse Aktionskomitee wurde für Montau, den 12. AorD, nach Wien einberufen. Einsicht ist besser als guter Wille. Der Bekämpfung des Antisemitismus!egen wir keineswegs jenen Wert bei, den sie bei der grossen Masse der deutschen Juden noch besitzt. Denn wir sind der Meinung, dass in ihr noch nicht alles jüdische Interesse erschöpft. Auch hat die Judenfrage für uns eine viel grössere und tiefere Bedeutung, als um sie durch die Abwehr der modernen Judenhetze für erledigt anzusehen. Aber wir beobachten um so ruhiger die Entwicklung des Antisemitismus, die seit Jahren dahin geht, dass der ״Radau“ um so mehr in den Hintergrund treten kann, je mehr das besonnene Bürgertum von dem judenfeindlichen Geist durchseucht wird. Das ist auch der Grund, warum w ir bis jetzt zu der Frage der Nachwahl Eschwege-Schmaikalden schweigen konnten. Und doch hat diese Wahl ihre Geschichte und ihre Bedeutung. Gegenüber der Tatsache, dass Offiziers- und Beamtenkarrieren sich den ungetauften Juden fest verschliessen, dass Städte und Gesellschaften keine Juden anstellen, dass es jüdischen Jngenieuren und Baumeistern beinahe unmöglich gemacht worden ist, Stellung zu finden, dass sogar in die Sozialdemokratie der Groll Calwers gegen die Juden Eingang gefunden hat, wurde immer wieder darauf hingewiesen, dass wenigstens die Freisinnige Volkspartei von dieser Judenfeindschaft freigeblieben sei. Zwar war da der Herr Rektor Kopsch mit seiner Geschichte vom getauften Juden Bernstein. Zwar hatte dieser selbe Kopsch, der alter ego des unfehlbaren Parteihaupts, mit Liebermann von Sonnenberg und Genossen den grossen Rachezug gegen H. von Gerlach angeführt, weil dieser sich im genauen Gegensatz zur Richtung der Freisinnigen Volkspartei vom Antisemitismus weg entwickelt hat; aber der politische Verstand der deutschen Juden, das heisst der ebenfalls ohnfehlbare Vorstand des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hat durch sein unentwegtes Eintreten für . die Volkspartei die Garantie übernommen, dass in ihr der Antisemitismus nicht von Parteiwegen gefördert. •werden sollte. Noch in der am 22. Febr. abgehaltenen Generalversammlung des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens bemerkte der Vorsitzende, Rechtsanwalt Dr. H ö r w i t z bezüglich der bevorstehenden Stichwahl in f Eschwege- Schmalkalden, es sei unter allen Umständen die Wahl des Antisemiten Raab zu verhindern. Die Freisinnige Volkspartei müsste trotz aller Gegnerschaft für den Sozialdemokraten eintreten. Hier könne man die Probe aufs Exempel machen, dassri sie wirklich judenfreundlich sei. Man weiss ja auch ohnehin, dass für Leute, wie Sonnenfeld erst die Freisinnige Volkspartei, dann der Zentralverein und dann — vielleicht das Interesse des Judentums kommt. H o r w־ i t z aber glaubte gewiss durch die in seinen Worten liegende captatio benevolentiae die Freisinnige Volksparteileitung, deren Antisemitismus er ja instinktiv fühlen musste, zu veranlassen, wenigstens neutral zu bleiben. Und nun kommt das Resultat der vorgestern erfolgten Reichstags- Stichwahl in Eschwege-Schmaikalden: Hugo (Soz.) erhielt 7516, Raab (Antisemit) 9799 Stimmen. Letzterer ist mithin gewählt Bei der Reichstagswahl am 16. Juni v. J. wurden in Eschwege-Schmaikalden 4546 Stimmen der Freisinnigen Volkspartei, 6485 sozialdemokratische, 3812 freikonservative und 3309 antisemitische Stimmen abgegeben. In der Stichwähl wurde alsdann der Kandidat der Freisinnigen Volkspartei Fabrikant Seyboth, welcher in der Folge seines Mandats verlustig ging, weil er wegen Urkundenfälschung verurteilt wurde, mit 10348 gegen 7039 sozialdemokratische Stimmen gewählt. Die Zahl der Wahlberechtigten betrug 24745. Bei der Ersatzwahl am 15. Eebruar wurden für den sozialdemokratischen Kandidaten Hugo 5837 Stimmen abgegeben, der antisemitische Kandidat Raab erhielt 4552 Stimmen. Ausserdem waren bei der Hauptwahl abgegeben worden für den freisinnigen Kandidaten 4089, für den Freikonservativen 3519 Stimmen. Bei der Hauptwahl hatten 6748 Wähler von ihrem Wahlrechte keinen Gebrauch gemacht. ״; ' Aus diesen Zahlen geht klar und unzweideutig hervor, dass die ״Freisinnige Volkspartei“ nur deshalb trotz aller .Aufforderungen,geschwiegen weil^der 4 a tLsemit - ׳ ייי י

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