Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1904)
- Date
- 1904-02-26
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8(. f I ז 1 ן > I ♦ I * ־! No. 9. JÜDISCHE RUNDSCHAU. zu retten. So ist es nicht! Das Judentum wird seine erhabene , Mission (tosender Beifall) seine erhabene Mission, sage j ich, (minutenlanger Beifall) auch ohne unsere schwachen j Kräfte erfüllen. Aber, beachten Sie das wohl, meine Herren, I wir heissen nicht Gemeinde1 Vertreter', sondern Gemeinde- Repräsentanten! Unsere einzige Pflicht ist es, stets und überallzu repräsentieren!" (Stundenlanger Beifall. Redner muss auf allgemeinen Wunsch die Stelle von der Mission des Judentums da capo geben!)״) Alles schien gewonnen. Aber man hatte nicht mit der Gegenpartei gerechnet. ״Irgendwelche prinzipielle Bedenken", sagte einer von diesen Herren, ״haben wir nicht. (Beifall auf allen Seiten des Hauses.) Aber — wie der Herr j Vorredner richtig betont hat, kommt es auf Opportunitäts־׳ gründe und Zeitverhältnisse an. Aus diesen Gründen nun muss ich Ihnen dringend ans Herz legen, dass es unsere erste Pflicht ist, bei der Behandlung israelitischer Fragen in allererster Reihe Rücksicht zu nehmen auf unsere verehrten nichtjüdischen Volksgenossen. (Beifall.) Dies entspricht durchaus r den Traditionen unserer erlauchten Nachkommen. Wenn wir hier auf die nichtjüdischen Perser und Meder (starker Beifall) blicken, dann ergeben sich schwere Bedenken. Haben denn, so frage ich, etwa diese eine Orgel? Unruhe.) Meine Herren, ich bitte dringend, die Frage solange zurückzustellen, bis dieses Instrument in jenen Tempeln eingeführt sein wird. (Zustimmung auf allen Seiten des Hauses) Die ästhetischen Bedenken des Herrn Vorredners teile ich durchaus nicht, behalte mir aber eine Revision meiner Ansicht unter den genannten Umständen vor. (Bravo! Denn, meine Herren, die Mission des Judentums. (Beifall. Der Rest der Ausführungen bleibt in dem tosenden Beifalle unverständlich.)- Ausser von diesen Repräsentanten erfahren wir nur noch von einem Manne, namens Mordechai. Die Quellenschrift giebt als Charakteristikum für ihn folgendes an: ״Er war verbannt worden von Jerusalem.“ Da dies bei den andern auch der Fall war, ohne etwas von ihnen zu hören, so muss diese Stelle bedeuten, dass er in eben dieser Verbannung sich das Andenken an Jerusalem stets wach erhalten hatte. Und als ein solcher Mann tritt er uns auch überall entgegen, als ein איש ימיני, als ein Mann, der das Herz auf dem rechten Fleck hatte. Da er unter den Auspizien Jerusalems efngeführt wird, •) Auch hier scheint der Text verderbt zu sein. (Meyer, Kritische Glossen,'Band XXVI.) Charbonah: (zuBigtahundAbagtah) Hören Sie doch auf mit der bösen Zunge! Zetar (zu Karkas): Wann sind Sie aus Wien eingetroffen? Karkas: Heute früh. .Zetar: Auf wie lange. Karkas: Ich beabsichtige heute noch mit dem Blitzzuge zurückzukehren. Dabet habe ich aber hier noch einige Abstecher zu machen. Zetar: Weiss der Himmel, wann die Sitzung heute endet! Ich habe noch dazu einen Auftrag von meiner *Frau. Das heisst doch Pech. Karkas: Und ich habe drei Aufträge und zwar: von meiner Frau, von der Schwiegermutter und von der Schwägerin. Zetar: Nun,. da haben Sie dreifaches Pech! Da kommt aber endlich unser Sekretär Hegaj. Wenn er uns doch wenigstens nicht lange festhaiten möchte. Karkas: Macht nichts, er wird schon selbst sich nicht lange aufhalten wollen, wir haben einen prächtigen Sekretär. (Es erscheint Sekretär Hegaj mit einem sehr grossen Portefeuille unter dem Arm.) so dürfen wir ihn; müssen ihn als Zionisten bezeichnen. Er schämte sich nicht seiner Abstammung und seines Glaubens. Denn die Quelle erzählt weiter (Esther VIII!5), dass er frei vor dem König sein blau-weisses Gewand trug. Und so rettete er sein Volk, gerade am selben Tage, an dem man in der oben erwähnten Sitzung über ״die Orgelfrage vom Standpunkte der Oppurtunitat“ sprach Altneuland.״); Aui dem Titelblatt der neuen Palüstinazeitschrift,. deren Herausgabe die offizielle Palästinakommission des Zionismus in die Hand genommen hat, sehen wir ein altes biblisches Bild: Zwei der Kundschafter tragen an der riesigen Eschkol-Traube, schwer von Wein und Hoffnungen. Ls ist ein gutes Symbol. Denn ein Kundschafte׳ für das Land, in das ,wir ziehen wollen, das soll, wenn wir ihr ganzes Programm in diesen wenigen Worten zusammemässen, die Zeitschrift ״Altneuland** sein. So fest steht uns der Wille, dieses Land einst zu bewohnen, dass wir bereits Männer, die wir für die fähigsten halten, vor uns hersenden, uni es zu erforschen. Nunmehr, nachdem uns auch schon das zweite Heft von ״Altuculand** vorliegt, haben wir ein Recht, uns zu vergev issern, wie weit sie ihrer schweren und umfassenden Aufgabe gerecht geworden sind. Das erste Heft wird eingekitet durch einen Interessanten Aufsatz von Prof. O. Warburg: ״Palästina als Kolonisationsgebiet*‘. Warburg betrachtet Palästina unter dem zionistischen Gesichtspunkt: Ist cs geeignet, als Aufuahmegebiet für eine grosse, nach Millionen zählende Volksmenge zu dienen? Er beantwortet diese Frage mit einem deutlichen Ja, denn schon das föxste Palästina fasst bei der Bevölkerungdichte Deutschlands 3—1 Millionen Menschen. Diese Ziffer kann bedeutend erhöht werden, wenn einerseits ein Teil Palästinas für Gartenbau in Angriff genommen wird (was unzweifelhaft geschehen kenn), andrerseits sich Industrieen in massiger Ausdehnung einführen lassen (was höchst wahrscheinlich ist). Für den Gartenbau geeignet nennt Warburg alle ebenen, künstlich bewässerten Gebiete des Landes, für die. Möglichkeit einer industriellen ,• ״) Monatsschrift für die wirtschaftliche Erforschung Palästinas. Herausgegeben von F. Oppenheimer, S. Soskin, O. Warburg. Zu beziehen durch: Dr. S. Soskin, Berlin W. 50, Regensburgerstrasse 20. Preis 6 Mk. pro Jahr. A b i m e 1 e c h (setzt sich an den Tisch und nimm* die Glocke) Meine Herren! Ich erkläre somit die Sitzung für eröffnet. Herr Sekretär! (giebt dem Sekretär ein Zeichen mit der Hand. Dieser macht das Portefeuille auf, nimmt einen Bogen heraus, und liesst: Hegaj: Meine Herren! In unserer letzten Sitzung haben wir beschlossen, das ganze Gebiet, welches sich von Hodu bis Kusch ausdehnt, durch die roten Juden, welche jenseits des Flusses Sambation ansässig sind, zu kolonisieren, jedoch, da diese Gegend noch nicht recht vollständig erforscht i§t,. haben wir einstweilen den Betrag von 21/« Millionen Franken assigniert und zwar behufs Entsendung einer Expedition aus unsem Mitgliedern .... A b i m e I e c h (beugt sich F i c h o l hin und flüstert demselben Ins Ohr):. Wo essen wir heute zu Mittag, Herr Baron? F i c h o I: Nun, wie immer ... Mehuman (zu Biztah) Worüber unterhalten sich die dort so leise und geheimnisvoll? Biztah: Wer denn? Mehuman: Unser Präsident mit dem Vizepräsidenten.