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Jüdische Rundschau · 1904-02-26 · Heft 9 (26.2.1904) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 9 (26.2.1904)
Date
1904-02-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
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s«lle m■ __JÜDISCHE RUNDSCHAU r % Ko. 9. gewiss nicht auf halbem Mitleid und falscher Wohltätigkeit aufbauen. Vielmehr muss der nationale Gedanke es sein, ’der uns vorwärts treibt. Wir müssen uns deshalb sehr jiüten, Leute in unsere Organisation hereinzuziehen, die aus ״ irgend einer Sympathie den Schekel entrichten, sondern nur solche, die auch darin auf dem Boden des Basler Programms stehen, dass sie in den Juden ein Jüdisches Volk erkennen und dass sie Stärkung und Förderung des jüdischen Selbstgefühls und Volksbewusstseins sich zur Pflicht machen, d. Ik dass sie nicht nur selbst Nationaljuden sind, sondern erkennen, dass es ohne eine nationale Gesinnung kein Basler Programm untf keinen Zionismus giebt. Und damit nicht durch halbe Bekenner und unsichere Kantonisten der Zionismus in die. Gefahr gerät, seinen nationalen Charakter zu verlieren, ist es heute mehr denn je unsere Pflicht, niemanden in unsere Organisation aufzunehmen, der nicht von vornherein darüber klar ist, dass es sich um eine nationale Organisation und um einen nationalen Kampf handelt. ״Jüdischnätional" ist ja nicht etwa ein agitatorisches Schlagwort, sondern ein Begriff, und zwar der Grundbegriff unserer ganzen Bewegung. Freilich wird dann vielleicht mancher nicht zu uns kommen, der heute den Schekel zahlt. Aber es kommt doch weniger auf die Zahl der Schekel als der Zionisten an. Das Purimfest, das in seinen Ueberlieferungen aus der alten Vergangenheit alles andere beiseite und nur das Politische und Nationale in die Erscheinung treten lässt, ist mehr dazu angetan als andere Feier- und Gedenktage, den nationalen Grundcharakter unserer Bewegung wieder recht in den Vordergrund zu rücken. Wir wollen nicht warten, bis die Söhne Hamans uns erst an unsere Nationalität unliebsam erinnern. Wir wollen Zionisten sein, nicht Halbe- und nicht Viertelzionisten, sondern ganze; — ganze Zionisten und ganze Nationaljuden. '. Heinrich Loewe. lt Mordechai und die Orgelfrage. Nach den Quellen untersucht von איש יהודי. Es, war einmal in den Tagen des Achaschwerosch, des Königs von Medien und Persien, der herrschte von Hodu bis Kusch, über 127 Provinzen. Da lebten zwischen den Medern und Persern auch die Juden. Ueber die damalige Lage der Juden haben wir wenig Kenntnis, da uns nur geringe Quellen zur Verfügung stehen. Doch dürfen wir nach den politischen Wochenberichten des damaligen Susaer Tageblatts schliesscn, dass die Juden damals wie im Paradiese lebten. Jedenfalls muss ihre Lage bedeutend günstiger gewesen sein, als heute. Denn heute führt man als Beweis grosser Toleranz z. B.an, dass der Generalfeldmarschall Graf von Waldersee bei Kommerzienrat Goldberger Tee getrunken hat. Wir dürfen natürlich die Tragweite dieses Ereignisses nicht unterschätzen. Aber was damals vorgegangen ist, übertrumpft die Gegenwart doch um ein Bedeutendes. Denn damals veranstaltete der König selbst ein grosses Diner, das volle hundertachtzig Tage dauerte. (Wir gehen kaum fehl in der Annahme, dass es hierbei ausser Tee noch sonst etwas gegeben hat.) Und zu diesem Essen wurden auch unsere Ahnen geladen. Den Gipfelpunkt erreichte die Toleranz aber, als am hunderteinundsechzigsten Tage, wie der Susaer Israelit mitteilt, unter den Speisen auch ein herrlich geratener Schalet erschien. Damals schrieb der Susaer Israelit (nicht zu verwechseln mit dem Mainzer׳ Israelit, dem sein asiatischer Namensvetter um 2200 Jahre voraus war): ״Wir geben uns der Hoffnung hin, dass noch weiterhin die Regierung den idealen Gütern des Judentums stets das ernsteste Interesse entgegenbringen wird.“ Wie bereits erwähnt, sind die Quellen für die damalige Zeitgeschichte ziemlich dürftig. So erfahren wir nur noch ohne jedes Bindeglied über eine Sitzung der Susaer Gemeinde etwas. Es handelte sich um die Einführung einer Orgel an der dortigen Synagoge. Unter grossem Beifall hatte einer der Antragsteller ausgeführt: ״Meine Herren, vergessen wir nicht, dass wir heute doch bereits im fünften Jahrhundert vor Christi Geburt leben. Wir müssen mit der Zeit fortschreiten (Bravo!*. Mein ästhetisches Gefühl (Sehr gut), ja, meine Herren, mein ästhetisches Gefühl (Sehr gut) sträubt sich gegen die bisherige Art des Gottesdienstes. Wenn unsere Vorfahren einst in der Verbannung ihre musikalischen Instrumente an die Weidenäste gehängt haben, so beweist das noch nicht, dass sie ohne jene auf einen grünen Zweig gekommen sind. (Lebhafte Heiterkeit*) Meine Herren, verschiedene der Herren Vorredner haben so getan, als seien wir hier zusammengekommen, um das Judentum *) Der Text scheint an dieser Stelle verderbt zu sein. Eine Sitzung der ica zu Paris. ־ Posse in einem Aufzuge von S c h'o I a u m A1 e i c h e m*) Aus dem Jüdisch-deutschen übersetzt. Abimelech Fichol Mehuman B i z t a h Charbonah Bigtah Abagtah Zetar. Karkas Personen Der Präsident Der Vizepräsident \ . Mitglieder Hegaj1 *.. ״ Der Sekretär Die Geschichte spielt vor Ende Oktober des verflossenen Jahres in dem Komitee der Ica zu Paris. .י *)שלום " עליכם Pseudonym, für A b r.a 0 הו w i t s c h. (Ein reicher Saal• Ein grosser, mit rotem Tuche überzogener Tisch mit goldenen Quasten. Ringsherum um den Tisch Stühle. Die Gesellschaft ist im Saal in Gruppen zerteilt und im Gespräch.) Abimelech (schaut sich um): Ist unser Sekretär noch nicht da? Fichol: Unser Sekretär ist heute beschäftigt; ich weiss sogar wo. Abimelech: Wo denn? Fichol: Unser Sekretär hat für heute ein Rendezvous; ich weiss sogar mit wem. Abimelech: Mit wem denn? (neigt sich zu ihm mit dem Ohre, Fichol flüstert ihm leise ins Ohr, beide lachen.) ‘ Me hu man: Worüber sprechen die drüben so leise und geheimnisvoll? B i z t a h: Wer? ־• ל M e h u m a n: Unser Präsident mit dem Vizepräsidenten. Charbonah: Gewiss über die heutige Sitzung. Biztah: Na, ich glaube kaum. A b a g t a h: Als wenn sie nichts anderes zu tun hätten»

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