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Jüdische Rundschau · 1904-02-26 · Heft 9 (26.2.1904) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 9 (26.2.1904)
Date
1904-02-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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ו mJtk \ Abonnementspreis י (Zusendung Inbegriffen) i VierteljBhrlichi 1• darob die Expadltloa: ») in Berlin M. —,9a b) nach auswärts M I,- c) IQr das Ausland M. 1Ä. *• Im Poatabonnement M. 1,2s 3. bol fiammolbeiug darob die Ortsgruppe M. -j6a Inserate die viergespaltene Petitzeile 25 Pf. Inseratenbollagon IS M Organ ^X der Zionistischen Vereinigung rar Deutschland. r Adresse für Geldsendungen and Bestellungen: Vertag Südlsrfte Rundschau, E. G. m. b. H. Berlin fl 54, Hugusfsfrässe [Ir. 490. Spredjslunden: v. 4-5י Uhr nachmittags. Redaktion: Dr. Heinrich tioewe, Berßrt I1W. 40. txeltrfersfrassc 14/15. Unverlangte ntanuskripf« werten nar bei Beilegung genügenden Rückporl« zurtckgesandf. No. 9. Berlin, 26. Februar 1904. 10. Adar 5664 IX. Jahrgang. Purim, ein Nationalfeiertag. Mit allerlei Mummenschantz wird seit Jahrtausenden das Purimfest von den Juden begangen. Was der erste April für die Ulkereien, Karneval und Fastnacht für Spiel und Scherz sind, das bedeutet für Israel im גלות der Tag, an dem die Megillah ״geleint“ wird. An ihm kommt noch ein gutes Stück von der Lebensfreude und dem fröhlichen Jugenddrang zur Geltung, die sich das Judenvolk in allen den Jahrhunderten der Bedrückung der Uebermacht zum Trotz erhalten hat. Denn kein Duckmäusertum und kein Muckertum sollte im Judentum seinen Platz finden, und wie : der Jom-Kippur in seiner Besonderheit echtjüdisch und nur jüdisch ist, so ist das nicht anders mit dem Feste der jüdischen Fröhlichkeit, mit dem Gedenkfest, an dem wir freilich entsprechend dem Laufe unserer Geschichte, uns mehr Hamans als Mordechais und Esthers erinnern. Etwas Besonderes hat das Purimfest vor allen andern Feiertagen voraus. Es giebt der jungen jüdischen Seele einen neuen Schwung. Es erzählt uns von Haman, und versetzt uns doch in eine Stimmung, als ob es nie auch nur einen Haman gegeben habe oder giebt. Das Fest knüpft an ein Buch an, das geflissentlich jedes Prophezeien vermeidet, und doch ist von dem Fest prophezeit, dass es in Ewigkeit nicht aufhören werde, auch .wenn alle andern Feiertage längst vergessen seien. Und doch feiert es kein Ereignis, das annähernd an Bedeutung den Makkabäerkämpfen, den Heldentaten in den Tagen Bar- Gioras oder gar dem Auszuge aus Aegypten gleichkäme. Auch jede mystische Weihe fehlt dem Feste und dem Festbuche, das sogar beinahe geflissentlich den Namen der Gottheit vermeidet. j Und gleichwohl hat auch das Purimfest für uns Juden, j. und nicht zum mindesten für uns Zionisten, eine grosse I Bedeutung, die zu verstehen freilich Klarheit und Wahrheit j voraussetzt Der Grundgedanke des ganzen Estherbuches; * ist nämlich in so hohem Grade ein nationaler, dass das im Zionismus organisierte Nationaljudentum hier mit Recht anknüpfen sollte. Freilich haben wir leider beinahe zu allen Zeiten «־st aus dem Feindesmunde unsern Charakter als nationale Gemeinschaft lernen müssen, und auch in Persien; yraren es picht die Häupter der Jud^pheit, die offen und ehrlich dem'Volke seine nationalen Eigentümlichkeiten als nationale Pflichten klar gemacht hatten, sondern jener Erzfeind, von dem das Wort ausging: ישגו עם־אהד ב2זר והפרד בין חעהים נבל המגית ... ודתיהש שנות מבלי־עש jenes Wort, in dem der nationale Charakter der Judenheit auch in seiner Zerstreuung klar und unzweideutig zum Ausdruck kommt. Und hier sollten wir Zionisten am Purimfeste anknüpfen. Denn darüber sind wir uns alle klar, dass der Zionismus mit dem nationalen Gedanken steht und fällt. Der ZionFsmus ist nur die praktische Folgerung aus der Konstatierung der Tatsache einer jüdischen Nation und der. Pflicht des Nationalismus. So wichtig für uns alle die praktischen .. Schritte’ der Parte! sind, von so grosser und unschätzbarer Bedeutung wir unsere praktischen Institutionen, die Kolonialbank und den Nationalfond, den Schekel und die Organisation erachten müssen, ihr Wert für das Volk und seine I Zukunft erwächst erst aus dem nationalen Gedanken des ״ Judaismus. Man kann freilich auch Nationaljude sein, ohne zum Zionismus zu gelangen, — es giebt ja immer Aus* nahmen, die vor der letzten Konsequenz der eigenen Gedanken zurückschrecken —, aber Zionismus ohne nationalen Grundgedanken ist ein ebensolches Unding wie Zionismus ohne Zion. * Darüber aber müssten wir uns klar sein, dass nicht die Judennot es war, die den Zionismus geschaffen hat und erhält, sondern eben jener Nationalismus, der alle europäischen Kulturvölker nach einander ergriffen hat und zuletzt uns, bei denen er am allermeisten Berechtigung hat. . Wenn nur der entsetzliche Druck, der auf unsern Brüdern lastet, den Zionismus geschaffen hätte, so würde deren Emanzipation, — etwa infolge solcher Umstände, wie sie In Preussen vor den Befreiungskriegen den Juden zum ersten Male die Gleichberechtigung gebracht haben — so würde die Emanzipation dieser Unterdrückten eine schwere Gefahr für den Zionismus bedeuten, in dem Masse, wie sie der Judennot Einhalt gebietet. Das Gegenteil ist aber zu erwarten. Denn das Mass der Freiheit, das geboten - wird, wird den Drang nach Freiheit nur noch grösser werden lassen. Wir hoffen ja, dass die Judennot in Europa, nicht immer die schrecklichen Formen behalten soll, die sie heute bat. ־ Dann aber dürfen ־wir pnsSrh Zionismus gan* 1

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