Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 7 (12.2.1904)
- Date
- 1904-02-12
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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He'nridi üccue, Berlin flVJ. 40, Lehiterstrcsse U 15. Ucwlcr.jte n!aT.:5k:’j!i werden nM»l :ar i<ic IX. i 1 8. ■ Der Krieg, der im fernen 0>ten ausgebrochen ist, wirkt schon jetzt auf Europa und Amerika zurück. Seine wirtschaftlichen und politischen Folgeerscheinungen werden auch bei uns sich geltend machen. Bei der Betrachtung der jetzt geschaffenen Lage aber ergibt sich für uns aus dem Umstande, dass wohl die Hä'.rte unseres Volkes im Gebiete des Russischen Reiches ansässig ist, die Tatsache, dass die Lage eines sehr beträchtlichen, für unsere Volks* kraft hochbedeutsamen Teiles unserer .Nation direkt von dem Kriege nachteilig beeinflusst wird. Demi für die Millionen von russischen Juden ist der Krieg unter allen Umständen als ein schweres wirtschaftliches Unglück anzu* sehen. Es ist dabei schlechthin gleichgiltig, ob das Russisehe Reich siegt oder eine Niederlage erleidet. Denn jeder Krieg hat kolossale Nachteile im Gefolge, die nicht im einzelnen angedeutet zu werden brauchen. In diesem Falle aber müsste selbst ein erfolgreicher Krieg für Russland mit solchen Nachteilen verbunden sein, da es keineswegs wirtschaftlich so konsolidiert ist, wie es 1870 die deutschen Staaten waren. Auf die Juden, die zum allergrössten Teile Kleinbürger und rechtlose Proletarier sind, wird diese durch die Kriegslust geschaffene schwierige Lage aber sehr viel mehr drücken, als auf andere widerstandsfähigere Bevöikerungskreise des vielstämmigen Reiches. So sieht uns der Krieg, der dem emporstrebenden Kulturvolke unter der aufgehenden Sonne aurgezwungen ist, in bangen Sorgen um unsere ohnehin schwer bedrückten und leidenden Stammesbrüder im Russischen Reiche. Ganz anders aber müssen wir unsern Gesichtspunkt nehmen, wenn wir vom Standpunkte allgemein-menschlicher Gefühle das schwere Gewitter beobachten, das sich am fernöstlichen Himmel entlad. Wir begreifen es freilich, wenn die russischen Juden selbst diesen allgemein-menschliehen Massstab nicht an!egen, und wie die andern Bürger und Untertanen ihres Landes nur von ihrem eigenen Patriotismus aus den Kampf an den Landesgrenzen betrachten. Das ist ihre eigene Sache, und wir dürfen deswegen nicht mit, ihnen rechten. Wir aber haben keinen Grund, uns durch' Motive leiten zu lassen, die beim russischen Juden verständlich und selbstverständlich sind, und die uns als Unbeteiligte unberührt lassen. Bei unserer Stellungnahme, die aus menschlichen Erwiigungen erwächst, wissen wir uns im Einklang mit einem sehr grossen und gerade dem besten Teile des deutschen Volkes, und nicht blos mit der, soweit wir sehen können, überwiegenden Mehrheit der deutschen Juden. Das kleine japanisch,e Volk, das sich dem Riesenreiche gegenüber in der Notwehr befindet, hat in nur einem halben Jahrhundert und weniger sich aus der Lethargie, in die es versunken* zu sein schien, erhoben und mit jugendlicher Spannkraft sich zu einer Kulturmacht ersten Ranges erhoben. Es ist bezeichnend, dass zu derselben Zeit, wo neben vielen andern Gräueln viele tausende wehrloser Chinesen ohne Unterschied des Alters und Geschlechts durch die russischen Bajonette in den Amur getrieben wurden, d;e Japaner mii den Deutschen und Amerikanern nach allen Zeugnissen am meisten von den grösseren Truppenkontingenten sich von allen Ausschreitungen bei der chinesischen Expedition fern gehalten haben. Sie haben in der Zeit, wo sie in der deutschen Schule die Technik der modernen Kultur annahmen, auch den Geist der Humanität so sehr in sich aufgenommen, dass sie auch darin keiner europäischen Nation irgendwie nachstehen. Ihre Gegner aber, die ihnen mit der ihnen eigenen diplomatischen Sprache die Verantwortung für den Abbruch der nicht aus Friedensliebe hin; geschleppten Verhandlungen zur Last legen möchten, sind dieselben, die den Finnländern alte Gerechtsame willkürlich vorenthalten, die Polen unter eiserner Faust niederhalten, und die sich nicht scheuten, das Kirchenvermögen der ihnen religionsverwandten Armenier anzutasten. Sie sind dieselben, die durch eine unendlich ausgedehnte Gesetzgebung systematisch daraufhin arbeiten, die jüdische Bevölkerung ihrer Länder langsam zu ersticken, und die erst im letzten Jahre unsern Brüdern ein Kiscliinew und ein Home! bereiteten. Da können unsere Sympathien nur auf der Seite sein, wo der Fortschritt und die Freiheit eine Stätte fanden. Dabei dürfen uns diese allgemein-menschlichen Erwä gungen nicht vergessen lassen, dass eine sehr, grosse Zahl unserer Brüder als.Soldaten die^Pflicht für .das Heimatland erfüllt, eine um Vieles grössere Zahl, als nach dem r