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Jüdische Rundschau · 1904-01-29 · Heft 5 (29.1.1904) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 5 (29.1.1904)
Date
1904-01-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Gross-Kischinev; und l(!3in*Stsc;3rs V F.in Gerichtshof aus freien russischen Männern — russische Männer sind immer frei -• ha: dahin entschieden, dass man ein paar armen Schächern ein paar Jahre Gefängnis aufgebrummt hat für die Mordtaten und Gewaltakte, die sie im Aufträge begangen haben. Es ist das so gerecht; denn es waren diese Mörder keine Hereros, sondern Angehörige des christlichen russischen Kulturvolkes, und durften deshalb mit Recht erwarten, dass man ihre energisch geätisserten Wünsche, das Vermögen der Juden zu erben, behördlicherseits berücksichtige. Genau so, wie man niemals das für einen gerechten Freiheitskampf ansehen darf, wenn sich nichtchristliche Völker weisser oder schwarzer, gelber oder roter Haut, gegen ihre gottgewollten Herrenvölker auflehnen, so kann man umgekehrt nur von einem nationalen Freiheitskampf der rumanisch-bessarabischen Russen sprechen, \ve»m diese noch dazu auf höhere Anordnung einigen Juden unangenehm geworden sind. So ist es denn nurverstund!״:!». wenn die nach ihrem eigenen Urteil — und dos ist massgebend — christliche und deutsche ״Staatsbiirger-Zeiimig“ aus den fünfzig ermordeten jt־.d׳m ebenso viele erschlagene Christen machtv und mit Gern ihr eigenen Geist und ihrer nicht genug zu veranschlagenden Erfindungsgabe den erfundenen Opfern ebensoviele echt nisv.sche Namen gab. Sie bewies dabei, dass sie es kühn wagte, der Wahrheit ins Gesicht zu schauen, ohne auch nur, zu erröten, wo sie doch mit ihr den heftigsten Streit begonnen hatte. So wusste sie denn an den Geschworenen von Kischinew nichts auszusetzen, als dass sie nicht alle Mörder freigesprochen und nicht alle Juden verurteilt hätten. Russland aber ist gross und Prcussen klein. So ist denn Kischinew ein grosser Erfolg des von der ״Staatsbürger-Zeitung“ und ihren christlichen Freunden geführten Kulturkampfes und Könitz nur ein Verhältnismässig kleiner So ist in Russland der Zar weit, und es bedurfte vieler Tage, dass von Petersburg der Befehl zum Einhalten gegeben wurde, und in Prcussen ist der König nahe, wenn die Ruhe der Bürger gefährdet wird. Wir haben wohl bemerkt, wie schnell sie in Könitz wiederhergestellt wurde. Und im grossen Russland!tat man an die Hundert Juden totgeschlagen und in Stegers nur einen. Was will das sagen? Nur einen Juden! Da war man doch tüchtiger und verstand besser ein zugreifen, als man im Jahre 1510 in Berlin, auf dem Neuen Markt, 51 einheimische Juden ohne Unterschied von Alter und Geschlecht zur höheren Ehre Gottes als unbussfertige Ungläubige auf den! ח0י brannte. leite rnauien ver- Die Gerichtsverhandlungen, die aus d־ .‘11 Tages Zeitungen hinlänglich bekannt geworden sind, haben ein grelles Schlaglicht auf die seelischen Zustände der Geschworenen unseres preussischen K—enitz geworfen. Denn sie haben bewiesen, dass es noch möglich ist. in Preussen einen Juden — er war überdies schon 60 Jahre alt — gelinde totzuschlagen, ohne gerade ins Zuchthaus zu kommen. Für den ganzen Prozess ist ein Stückchen aus der Eröffnung der Verhandlung ungemein charakteristisch, das wir hier wiedergeben müssen: Der noch nicht vorbestrafte, 35 Jahre alte erste Angeklagte Schlossermeister Max Hahn erklärt, dass er zur Anklage nichts zu sagen habe. Präs: Wollen Sie denn garnichts sagen? — Angekh: Ja, aber ich muss mich auf die Zeugen verlassen. — Präs.: Es wird behauptet, dass Sie ein Trinker seien. Ist das richtig? — Angekh: Ja. — Präs.: Waren Sie oft betrunken? — Angekh: Ja; ich habe dann nicht gewusst, was ich getan habe. — Präs.: Wie zeigten sich die Folgen der Trunkenheit? — .Angekh: In Form von allerhand Gestalten. — Präs.: Welcher Art Gestalten? — Angekh: Es waren böse Geister, die auf mich eindrangen. — Präs.: Wie sahen die bösen Geister aus? Waren es Engel oder Teuiel? — Angekh: Es waren Gestalten, dicke und lange. Die kamen mir in den Kopf, und dann wusste ich nicht, was ich tat. — Präs.: Konnten Sie denn in der Zeit, als Sie die ״bösen Geister“ im Kopf hatten, arbeiten? ־־־ Angekh: Wenn sie es nicht zu arg trieben, ja, aber die Arbeit taugte nichts. — Präs.: Waren die Geister denn auch an jenem Tage da? — Angekh: Damals hatte ich sie schon seit acht Tagen fast beständig im Kopf. — Präs.: Am 28. September hatten Sie den Tag über gearbeitet, haben Sie. bevor Sie in das Gasthaus kamen, schon etwas getrunken? — Angekh: Ja, zuerst Kaffee, und dann war ich in der Schmiede, wo ich beim Schmied auch den Gastwirt Schüike antraf. Wir tranken dort zwei oder drei Flaschen Korn. — Präs.: Wie gross war der Inhalt der Flaschen? — Angekh: Es können - bis Liter Inhalt gewesen sein. — Präs.: Haben Sie über che Wahnvorstellungen auch einmal mit Herrn Pfarrer Jahnke gesprochen.? — Angekh: Ja. Im Februar wollte ich von Stegers zu ־ ׳• «p•«* * י *f יי׳■!

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