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Jüdische Rundschau · 1904-01-22 · Heft 4 (22.1.1904) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 4 (22.1.1904)
Date
1904-01-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
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f /*, 1- ו pi fl/ר ך",/ < ו י 1 Abonnementspreis (Zusendung Inbegriffen) Vierteljährlich 1 1. durch die Expedition: a) In Berlin Al —,va. b) nach auswärts M C) för das Ausland Al 140. t. lxn Postabonnomont M,!45 8• bol Snmmolborug daroh dlo Ortsgruppo Al —,60. Inserato die viergespaltene Petitzcüa 25 Pl Insoratonbellagoii 15 M. Orga 0 der h!!.־. fl Adresse für Geldsendungen und Bestellungen; Perlag Jüdische Rundschau, E. G. m. b. H. Berlin (1 54, Huguststrasse (lr. 490. Sprechstunden: v. 4—5 Uhr nachmittag!. Redaktion: Dr. Heinrich üoewe, Berlin flW. 40, lietuierstrasse 14 15. Ur.wlanflle lüancshrlpf« werdea cfiti zurüd<£csantll No. 4. Berlin, 22. Januar 19Q4. 5. Schebat 5SS4. IX. Jahrgang. Das ostafrikanische Projekt des . sechsten Zionistenkongresses. XII. Ein Wort au die Neinsager en chef. Noch haben sich nicht in der Ugandafrage die Geister beruhigt und die Unzufriedenheit dauert noch immer fort: fast jeden Tag finde ich mich genötigt, Diskussionen einzugehen, um die Neinsager von ihrem Unrecht zu überzeugen, und so ziehe ich es vor, mich schriftlich auszusprechen, in der Hoffnung, dass meine Worte den Gcgnern zu Ohren gelangen werden. Ich besnze nicht die Kraft eines Propheten, und so kann ich nicht durch den Nebel der Jahrhunderte in deren Tiefe schauen,.ich brauche es auch nicht, weil, wenn es uns späterhin so schlecht gehen wird wie jetzt, wir nicht von langer Deuer sein können; ich sehe also nur klar in die nächste an uns grenzende Zukunft und will Voraussagen, dass, wenn man den Jud;n nicht radikal zu Hilfe kommt, noch bevor das Ideal von Zion sich erfüllt -- das Judenvo!k als Kadaver hingestreckt liegen bleibt und auch die symptomatische Kur der Ica (mit ihren Pflästerchcn und weichen Salben) es nicht mehr wird beleben können. Drei Wege sind es, die uns zu Tode führen. Sehen wir uns die an: Ungefähr 90 pCt. aller Juden sind bettelarm und wir begegnen in ihren Siedelungen zumeist bleichen, hageren Gestalten, die herum wandeln als lebende, vor Hunger ausget'ocknete Gespenster. Ein Tei! dieser Unglücklichen kommt nicht vom Fleck und bleibt, wo er ist: ״neun Ellen tief in der Erde liegen" - ein Wohiiqrt, der ihm nocli gegönnt ist. Ein anderer Teil sucht von den unseligen Orten auszu wandern, und da man ihn nicht in den alten ihm hekannten Ländern aufnehmen will, so sieht er sich gezwungen, stets unbekannte Länder zu entdecken und verteilt sich in kleinen Gruppen in Südamerika, Afrika und Australien. Somit bildet sich eine neue Diaspora,, die . vielleicht gefährlicher ist ah» die jetzige, weil ich mir nicht denken kann, dass eine kleine jüdische Kolonie irgendwo in Aegypten, am Kongo, in Kanada oder in Brasilien für die Dauer bestehen kann. Ich kann nicht glauben, dass eine Gruppe von einigen Hundert, sogar von einigen Tausend Menschen, mitten hinein in ein vollkommen fremdes und entferntes Land, fern von derganzen übrigen Welt, verpflanzt werden kann, ohne zu degenerieren oder sich aufzulösen. ״) Noch ein Teil sucht seine Rettung in der europäischen Zivilisation und versinkt zuletzt ganz in den Assimilationssumpf. Dieser ist für uns gefährlicher als die eben erwähnten, weil, bei der jetzigen vollkommenen Unbeholfenheit der Juden im allgemeinen, die sögenannte Zivilisation bei ihnen doch irgendwelches Mittel ist. sich Brot zu erwerben, und so wächst das Bedürfnis, sich zu zivilisieren, und es eilt zugleich die Assimilation mit Riesenschritten dem geistigen Tod der Juden entgegen. So kann es geschehen, dass, noch bevor wir Palästina bekommen, wir schon keine Juden mehr haben. Und dies ist um so eher möglich, als in der letzten Zeit die Mittel der Vernichtung zu sehr raffiniert geworden sind und die Spitzen der Dolche uns tief ins Herz dringen. Die Opposition in der Ugandafrage hätte ihrerseits klar in die Zukunft sehen dürfen und der Gefahr entgegen wirken, die das Judentum läuft. Sie kommt mir wie ein Kind vor, dem eine Zuckertorte dargeboten worden ist und so schreit es \1"d weint, schlägt mit den Händen, stampft mit den Füssen und will kein Brot mehr essen in Erwartung der Torte. Liebes Kind! noch ist die Zuckertorte nicht fertig und'die wird noch lange nicht fertig sein, unterdessen darfst du nicht vor Hunger sterben, nicht bei fremden Leuten־ betteln und deine Existenz nicht in einer andern untergehen lassen. In Erwartung Palästinas sollten wir in Uganda dem Hungertod entgehen, der Zerstreuung Vorbeugen und der Assimilation entgegenwirken; wir sollten mit einem Wort zuerst die Juden rerfe׳\ um nachher das Judentum retten zu können: Jenes sollte in Uganda geschehen, dies in Palästina. Aber auch in anderer Hinsicht Hätte Uganda für uns eine kolossale Bedeutung: wir sollten nämlich dort eine Schule durch machen; in der wir uns zu Bürgern vorbilden und dort lernen sollten, nachher in Palästina frei sein und uns selbst regieren zu können. Denn, meine Heben Zionsbrüder, wir müssen uns gestehen, dass wir Sklaven sind.und Skiavenseelen in uns tragen; so verstehen wir es nicht, mit der Freiheit umzugehen. Das (lolus hat uns tiefe Wunden geschlagen, die ein jeder von uns *) Vgl. ..Die Aufgabe der jüdischen Wohltätigkeit“. Berlin 189*1. Hugo Schildberger.

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