Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 1 JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 9 gegenüberstehen werden. Darüber freilich darf sie beruhigt | bleiben; zu ihrer Kampfesweise uns gegenüber werden wir; nie h t übergehen. . ׳ Auswandirungsplan der Juden In Russland. In Kischinew sind, dem Bureau Reuter zufolge, verschiedene jüdische Dole* gierte cingctroffen, die die Bevölkerung der ländlichen Distrikte von Bessarabien repräsentieren, um mit der jüdischen Bevclkerung von Kischinew eine Auswanaerungshcwegung ins Werk zu setzen. Die jüdischen Ackerbauer von Bessarabien beub-! sichtigen nach Argentinien und Kanada auszuwandern. Die Auswanderung soll in vier Kolonnen geschehen, von denen jede hundert Familien stark sein würde. Wenn sich die Juden von Kischinew der Bewegung anschliesscn, so beabsichtigen die Delegierten die Regierungen der genannten Länder um grosse Landstrecken zu ersuchen, um auf deren Boden jüdische Kolonieen zu errichten. Sie glauben, dass die Jewish Cohmisathn Association den auswandernden Farmern für ihre Reise uni die erste Einrichtung ihrer Wohnstätten die nötigen Mittel vorzustrecken bereit sein würde. Die Zahl •d»*r Auswa:;deru!-gslustigen wird in Bessarabien aut •!,ihm Köpfe geschätzt. Pie Leute stehen alle im besten Mannesalter, sind in giinst:gen Vormögensverhältnissen. energisch und im Ackerbau vollständig bewandert. Die Auswanderung wird im April beginnen. S ׳* bald einige der einflussreichen Juden Kischinews ihre Teilnahme zugesagt haben, reisen die jüdischen Farmer zur Ainnichtmg der nötigen Schritte nach Argentinien. Kanada. Petersburg und Paris. Viele der Leute haben bereits damit begonnen, ihre Oeschütte ahxuwickeln. und ihren vorübergehenden Aufenthalt m den Städten Podoiiens und Bessarabiens genommen. Man. berechnet den Wert des Eigentums der Farmer auf eine Million Rubel. Den Jeden in Slbirie« könnte es'zu warm werden, denkt die russische Regierung: Int Jahre 1901 hatte der Senat entschicden, dass die Eintragung der Juden als Einwohner einer Stadt in Sibirien den Eingetragenen das Recht des Domizilwechsels innerhalb ues Distriktes, in dem der Ort liegt, zuerkennt. Die Behörden der Provinz Jenissei hatten ihrerseits den Befehl erlassen, dass Juden den Ort, in dem sie registriert sind, nicht verlassen dürften. Diese Verfügung erklärte der Senat durch seinen Beschluss von 1901 für ungültig. Herr von Piehwe verweigerte nun nicht nur die Entscheidung des Senates zu bcstätigen, sondert! er forderte auch einen Beigeordneten des Justizntinisters dazu auf, mit ihm darauf hinzuwirken, dass der Senat in der Judentrage die Ansicht des Generalgouverneurs von Irkutsk zu der ,einigen mache. Der Generalgouverneur berief sich, wie es scheint, in einem Schreiben an Herrn von Piehwe auf eine Randbemerkung, die der Zar im Jahre 1S97 zu einem Berichte des früheren Generalgouverneurs gemacht hatte und die iolgendermassen lautete: ״Die Judenfrage in Sibirien muss von der allgemeinen Frage abgesondert werden, da sie sonst nicht gelöst werden kann. Sib'rien wird in jedem Jahre in zunehmendem Masse von Juden überschwemmt." Der gegenwärtige Generalgouverneur fft־gte noch hinzu, dass die Kor.trolc des Handels und der Goldmine:! ganz in die Hände der Juden geraten werde, falls man ihm nicht gestatte, ihnen die Bewegungsfreiheit zu nehmen. Von Piehwe scheint diesen Ansichten vollständig beigetreten zu sein. Rabbiner Dr. S. Maybaum Prediger der Berliner jüdischen Gemeinde hat vom Kultusminister den Titel Professor erhalten. Es ist nicht dos erste Mal, dass ein preussischer Rabbiner in dieser Weise durch den Kultusminister ausgezeichnet wird. Damals war es ein Gelehrter, der durch den Titel ausgezeichnet wurde, Levy, der Verl*, der berühmten neuhebräischen und chaldäischen Wörterbücher. i!i?~ Sprechsaal. 1 Für die Mitteilungen חי dicker Stelle übernimmt die I Redaktion nur die presszen-t׳liehe Verantwortlichkeit j /*,AS, ■res der gemirm or!e und erhebende Feier ״•r Gesänge, :S'dann erin dem Ncber.saale Feier fand in den Herr Sanitätsrat Dr. Karl Edel, der im Jahre 1901 vom ,.Liberalen Vereine für die Angelegenheiten der jüdischen Gemtinde zu Berlin" als Kandidat für die Rcpräsentanten-Versammhnig der ,üdischc! Cv»».eimie aufgestellt war und der dies« Kandidatur angenommen hat. hat auch diesmal wieder, wie in den Vorjahren, das Weihnachtsfest im Schosse seine* Familie mit Chorgesang und einer Ansprache eines Christliehen Pfarrers gefeiert. In der am 25. Dezember 1901 erschicnenen N'o. 302 der Charlottenburger liberalen Zeitung ,.Neue Zeit" lesen wir darüber: ״E'nc erhebende Weihnachtsfeier fand gestern abend 111 der Nervenheilanstalt des Sanitätsrat Dr. Edel statt. Geicgcnt’ich eines in diesem Jahre erfolgten bedeutenden F.rweiterungsbaues hat der Besitzer der Anstalt einen prachtvollen, mit seinem Nebenraunte etwa 2״> Personen fassende:’. Saal errichten lassen, der an! gestrige!’ Abend aus Anlass der Weihnachtsfeier zurr; ersten maie. Jn Benutzung «genommen wurde. Während in früheren Jahren der Weihnachtsbaum zuerst den KonununaiKranken und dann in einem anderen Raume der. Pensionat cn a!’gezündet wurde, fand gestern eine gemeinsame Feier statt, die durch den vortrefflichen Gesang des C Luisenkirche unter Leitung des Herrn Professur V\ cingelcltet wurde. Hierauf hielt Herr Pfarrer Mann, der die Seelsorge in der Anstalt leitet, eine zu Herzen gehende Anspräche. Der Chor beschloss die sc! mit dem Vortrage mehrerer herrlich, folgte die Bescherung der Patienten, *ciis teils in ihren Zimmern. Der zweite Teil der Empfangsräumen des Herrn Dr. Edel statt, um den sieh sein•- Kinder. Schwiegerkinde.', Enkei, Verwandte und F'reimde des Hauses, sowie ein Teil des Personals der Anstalt geschart hatten. Auf langen Tischen waren im Speisesaal und einen! zweiten Saale die reichen Weihnachtsgaben aufgebaut, auf die die strahlenden Lichter des prächtig geschmückten Weihnachtsb3umes herableuchteten. Auch hier leitete Chorgesang die Feier ein, Herr Pfarrer Mann hielt eine treuliche Ansprache, und nach einem abermaligen Chorgesange fand die Verteilung der Gaben und Geschenke statt.“ Dass der Jude Herr Sanitätsrat Dr. Edel seinen Christliehen Pflegebefohlenen eine erhebende Weihnachtsfeier unter Wahrung de* religiösen Charakters des Festes veranstaltet, ist gewiss licht zu »adeln und bei dem toleranten Geiste des Judentums nicht weiter auffällig — dass er dasselbe auch in seinen Privaträumen unter Zuziehung eines Geistlichen, aber ebenfalls als christlich-religiöse Festlichkeit tut, ist aber doch wohl etwas anders zu beurteilen. Wird für die zahlreichen jüdischen Patienten der Anstalt auch eine religiöse Chanukah -Feier unter Leitung eines Rabbiners veranstäket? — Wird Herr Sanitätsrat Dr. Edel auch im jahre 190-4 vom ״Liberalen Vereine für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin** als Kandidat für die Repräsentantenversammlung aufgestellt werden? Im Jahre 1901 hat bekanntlich die Majorität der Berliner Jüdisehen Gemeinde es vorgezogen, ihre Vertretung nicht Männern von der Gesinnung des Herrn Dr. Edel anzuvertrauen. Litzelburgensis. Naiionalfond. (L.) Krau Frieda Z e!!e r, anstatt eines Apfelkuchens Felix B e h n 8 c h Tarnowitz ... Frau Hartmann -Beulhen . . . Ferdinand Gatte{• Beuthen . . . Moritz Badt.. Gesammelt von Frl. Stahl . . . . F i 1 eh n e anlässlich der Makkabäerfeier . . Anonyme Karte erhalten als Quittung . , *Chanukah feier der J ü d. mus. Vereinigu durch Dr. G o I d b e r g ־ Berlin־Keuenahr . . . Stud. N. j Pfennigaammlung Ester .\larg. Jacobsohn ng 0,50 Mk. Ö, ״ 1,50 ״ 1.50 ״ 1.50 ״ 6.50 ,, 5.“* ,, 0,50 ״ 6,15 ״ 3,—״ ־ 3,00 ״