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Jüdische Rundschau · 1903-12-25 · Heft 52 (25.12.1903) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 52 (25.12.1903)
Date
1903-12-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Jahrgang. : *c/hr1 I* j Liberalismus und Jüdischer Liberalismus. Der Jude in Deutschland fühlt seinen Husen höher schlagen, wenn er des Liberalismus gedenkt, mit dem und in dessen Namen er sich die Freiheit erkämpft hat, die er auf dem Druckpapier der Gesetzbücher besitzt. Im Zeichen des Liberalismus wurde der Emanzipations- Kampf geführt, im Gefolge der liberalen Parteien die Gleichstellung vor dem Gesetze errungen. Der deutsche Jude muss daher, welcher Parteirichtung im politischen Leben er sich auch anschliesst, stets ein dankbares Gedenken den liberalen Parteien bewahren, mit denen er Hand in Hand für die Freiheit gekämpft hat. Aber es ist eine ebenso unleugbare Tatsache, dass im ganzen Neunzehnten Jahrhundert der religiöse und der politische Liberalismus bei den Juden sich nicht deckten. Denn da der grosse jüdische Mittelstand und die kleinen Leute, die auch heute noch die grosse Masse der deutschen Judenschait bilden, politisch ebenso sehr 1!aih links neigten, wie sic zäh am angestammten Judentum festhaltcn, so ist gerade der konservative Jude politisch freisinnig, während die reichen Herren im Tiergarten ein gleiches Interesse daran haben, möglichst weit von! Judentume abzurücken, und sich ״nicht zu erkennen zu geben“, und ebenso möglichst einen recht krummen Buckel vor den regierenden Parteien im Staate zu machen. Jhre Entjudung, die sie Reform nennen, und die nichts anderes bedeutet als ein eifriges Sichanbequemen an den umgebenden christlichen Kultus, geht Hand in Hand mit ihrer wadenstriimpflerischcn Gesinnung im politischen Leben. Das von dem Protestanten Arthur Levysohn redigierte ״Herliner Tageblatt“ ist daher ebenso sehr ein eifriger Kampier 1'iir die jüdische Reform, deren Festtagsgottesdienste cs im friedlichen Verein mit dem famosen christlich-jüdischen Jom-Kippur-Gottesdienst der Berliner Judemnission neben den ״Familiennachrlchten“ anzeigt, wie es noch stets nach eben hin gedienert hat und die Interessen der grossen Kapitalisten gegenüber dem kleinen Mann und Arbeiter wahr nahm. Die Stellungnahme des ״Berliner Tageblatts“ gegen die hungernden Familien in Krimmitschau ist charakteristisch für das, was diese Herren ״Liberalen“ liberal nennen. Es ist daher eine Irreführung, die nicht geduldet werden sollte, und die am gesunden Sinn der Berliner Jüdischen Gemeinde zugrunde gehen wird, wenn sich die Partei der reichen Herren vom Tiergarten zu einem ״Liberalen Verein für die Angelegenheiten der Jiidisehen Gemeinde“ zusammengeschlossen hat. Denn sie sind nicht liberal! Sic haben nichts gemein mit den jüdischen Freiheitskämpfern, und am allerwenigsten mit den Grössen jüdischer Wissenschaft, auf die sie sich unberechtigterweise berufen. Die Identifizierung von liberal im politischen Sinne und synagogal-liberal ist Trübseefischerei. die nicht scharf genug zurückgewiesen werden kann. Fiir die wahre Gesinnung unserer ״Liberalen“, die eben nicht liberal sind, ist es unendlich bezeichnend, dass sie programmatisch die ״Erörterung von Angelegenheiten der Glaubensverbände der Juden vom kirchlich freien Standpunkt aus“ zum Zwecke haben. Denn ihr Ziel ist es, aus den entjudeten Juden eine kirchlich freie Gemeinde zu schaffen. Bezeichnend ist es auch, dass der bei Gelegenheit der Landtagswahlen viel genannte Herr Bernstein, der liberaler evangelischer Kirchenvorstelier ist und in der politischen Volks- Versammlung der Sozialliberalen mit Emphase erklärte, er sei weder Jude noch getaufter Jude, der Enkel jenes selben Aaron Bernstein ist, der durch die von ihm bewirkte Gründung der Reformgemeinde ״dem Judentum neues, freies Leben“ einhauchen wollte. Es ist dafür weiter charakteristisch, dass alle die Mendelssohns und die Eriedländers, die den Takt geschlagen haben zur kirchlichliberalen Reform des Judentums in Berlin, durch die Taufe dem Liberalismus die Krone aufgesetzt haben. Und diese ״Liberalen“ wagen es, in ihren soeben an die jüdischen Gemeindemitglieder verschickten ״Mitteihmgen“ davon zu sprechen, unsere Lehrer und Prediger, die nicht aus ungarischen Patrioten preussische Extrapatrioten geworden sind, die ihr Judentum kennen und bekennen, ״Duckmäuser“ zu nennen und ihnen vorzuwerfen, dass sie ״mit Scheuklappen ausgerüstet“ sind, wei! sie nicht für das Linsengericht ihr Judentum verkaufen wollen, dass etwa einige Berliner W-Juden endlieh die Offiziersfälligkeit vielleicht doch erreichen? Sic wagen es, einen Mann wie Michael Sachs, der ein Turm war gegen den Anprall liberaler Uebergriffe, als einen der ihrigen zu zitieren. Sie scheinen noch immer nicht zu wissen, dass der deutsche Jude Michael Sachs das konservative Judentum in der alten Synagoge verteidigte, gegen jenen Holdheim, dessen Nachkommen keine Juden mehr sind. Aber was wissen sie denn überhaupt '׳om Judentum •ו¬ ו. I TfV ״ ■יו ■■put ׳*m **1»1;fן1ו ";yw TT־***״ ■ r <•

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