Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 51 (18.12.1903)
- Date
- 1903-12-18
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 51. Seite 556. Jf t) Pi.SC HE R U N B S CH AJU. hcdaelit wird, und reichlich gegeben wird von allen denen, die sich ein warmes Herz bewahrt haben, für die Leiden unserer Brüder, die mit uns fühlen und mit uns hoffen auf jenen besseren Tag, da wir das ״Moaus zur Jcschuossi" wieder anstimmen können in unserem eigenen Laude, jubelnd gesungen von einem freien Volk auf einer freien, gliiekspendenden Erde. A. S. W. Filebne, H. Dezember. Zu einer wohlgclungenen Feier gestaftete sich das von der hiesigen zionistischen Ortsgruppe am Sonntag, dem 13.. organisierte M a k k a b ä e r f e s t. Fast die ganze Gemeinde hatte sich eingefunden, so dass in dem überfüllten Saale kein Plätzchen mehr frei war. Unser rühriger Vorsitzender. Herr A. Sali n ge r. cröffnete die Feier und wies unsere Kinder in beredten Worten auf die Bedeutung Chanukahs für das jüdische Volk hin. Als Kcho tönte aus dem Munde Jung-Judas der Gesang ״Auf, mein Volk!“ — Nachdem eine Reihy kleiner Mädchen in allerliebsten Vortrügen lauten Beifall erweckt, übernahm Herr Rabbiner E. L e v y aus Berlin die Festrede. Redner zog eine Parallele zwischen alten und modernen Assimilationsgelüsten und forderte in flammendem Ergüsse die Versammlung auf, das Gebot unserer Weisen, die Chanukahlichtcr an das Fenster zu stellen, dahin zu verstehen, frei und stotz den jüdischen Volksgedanken nach aussen strahlen zu lassen. — Den Schluss der Feier bildete die Autführung ״Chanukahinännchen“, Dass auch der Nationalfond zu seinem Rechte kam, bedarf keiner Erwähnung. — Die Feier lieferte von neuem den Beweis, dass auch ausserhalb der jiidisehen Zentren ein weites und fruchtbares Arbeitsfeld der zionistischen Idee offen steht... ״Elizur.“ gt. Heidelberg. Dienstag, dem 1. XII. 1903 fand hier ein Vortrag von Dr. Julius Moses- Mannheim statt über das Thema: ״Der Zionismus nach dem VI. Kongress.“ Darüber berichtet das ״Heidelberger Tageblatt“ mit folgenden Worten: ״Zicnlstlsche Versammlung. In der zahlreich besuchten, von Dr.Cahen-Manniieim erüiincten zionistischen Versammlung von Dienstag Abend bezeichnetc der Referent, Herr Dr. Moses- Mannheim, den Zionismus als eine Bewegung, die, zuerst von den Gegnern verhöhnt und verspottet oder aber totgeschwicgen, nunmehr in dasStadium des offenen Kampfes undBckämpft- Werdens in der allgemeinen Diskussion eingetreten sei; Die zweifellosen politischen Erfolge des Zionismus, die Verbandlungen mit der englischen und russischen Regierung musste־ die Gegner stutzig machen und zu energischer Bekampfung anspornen. DicLage des jüdischenVolkcs sei eine anomale und es sei ein völkerpsycliologisches Gesetz, dass sie gebessert werden müsse. Die beiden hierzu eingeschlagenen Wege, der der völligen Assimilation und der der jüdischen Wohltätigkeit, hätten sich als völlig unbrauchbar und überhaupt als unmöglich erwiesen. Sie zeigten vielmehr immer deutlicher, wie sehr die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte inPalästina und einer modern-jüdischenKultur (zu der dicAnfänge inKhnst undPocsie gemacht seien), sowie dieWiedervereinigung aller Juden zu einem normalen Volke eine innere Notwendigkeit seien. Nach nochmaliger Hervorhebung der politischen Erfolge des Zionismus, die in dem Angebot der englischen Regierung und in de!cu Anerkennung des Kongresses als Vertreter der jüdischen Nation, sowie in dem Versprechen Russlands. Ule indischen Ansprüche auf Palästina zu unterstfüzen, zu erblicken sind, ging Referent zur Widerlegung der von den Gegnern immer wieder gebrachten Einwände über. Der schwerste und ן häufigste Vorwurf, der der Staatsgefährlichkeit, erledige sidi von selbst, wenn man daran denke, dass die englische Regierung mit ihren eigenen zionistischen Untertanen verhandelt habe und dass der deutsche Kaiser, wie auch der König von Italien.; unzweideutige Beweise ihres Wohlwollens gegeben hätten. Die j jüdischen ״Abschlicssungsbestrebuugen“, die man heute dem i Zionismus zur Last legen will, existierten als solche überhaupt nicht; vielmehr sei es die christliche Gesellschaft, welche die Juden systematisch von sich fernhalte. Was die Behauptung betreue, der Zionismus arbeite dem Antisemitismus in die Hände, so habe sich ersterer um das Geschrei der Judenfeinde überhaupt nicht zu kümmern. Im übrigen bekämpfe ja der Antisemitismus die Bewegung aufs gehässigste, ein Beweis dafür, dass er in ihr keine ״Helferin" erblicke. Redner widerlegte dann noch einige kleinere, engherzige Einwüric; besonders trat er der Befürchtung entgegen, nach Gründung eines Juden- Staates würden die Regierungen alle zurückblcibcnden Juden ausweisen, eine Auffassung, die, von Rumänien ntid Russland abgesehen, als recht niedrig bezeichnet werden dürfe. — Mit starkem Hinweis auf die Loyalität der zionistischen Tätigkeit schloss der Referent hierauf seine gehaltvollen, mit warmem Beifall aufgenommenen Ausführungen. — Der moralische Erfolg der Versammlung war zweifellos ein bedeutender, der materielle bestand in der Zuführung mehrerer neuer Mitglieder. Atifgej fallen ist, dass ״leitende Kreise" ihr Interesse du reit Abwesenj beit zu erkennen gaben." | Stuttgart. Am 5. er. fand die Generalversammlung der Ortsgruppe statt. Der Vorsitzende E. K a u i m a n n erstattete den Bericht. Seit Gründung der Ortsgruppe am 2u. Juli 1903 ist die Mitglicderzaiil von IS auf TO, die Zahl der Schekel- Zahler von 30 auf 5S angewachsen. Für den Nationaifoud gingen 15-1,50 Mk. ein. Abgehalten wurden 3 Propagaudaversammlungen mit den Herren Dr. B 0 d e n 11 e i m e r aus Köln, Dr. F r i e d c m a n n aus Wiesbaden, Dr. Sonderling aus Brünn und 10 Zusammenkünfte, sowie!Makkabäer — und IPurimieicr. EinShareklub mit 15Mitgliedcrn wurde begründet, weitere Teilnehmer sind in Aussicht. Gewählt wurden: Em.Kaufmann I. Vors., L. Ehrlich 2. Vors.; J. Saslawsky Kasscrer; L. Biels ky 1.,' B. Splra 2. Schriftführer; J. ßodenheimer, J. W01 ff Revisoren. K. Stuttgart. Am 6. Dezember sprach Dr. Julius Moses vor etwa 206 Zuhörern in der Liederhalle über ,.Der Zionismus nach dem VI.' Kongress". Die ruhigen, sachlichen und überzeugenden Ausführungen übten eine sehr grosse Wirkung aus' und begeisterten die Anwesenden, die mit grosser Spannung dem Vortrage lauschten, zu lebhaften Beifallsäusscrungen. Bei der Diskussion, an welcher sich Rechtsanwalt Dr. Wolfi und Landrichter Stern beteiligten, gab letzterer seiner Befriedigung * Russland begründet und später aut Kosten Rothschilds .ausgedehnt wurde. Jetzt ist Rischen der Mittelpunkt einer bedeutenden Weinkultur, wo jährlich fast drei Millionen Kilogramm Trauben in Maschinen verarbeitet werden, die nach den neuesten Fortschritten der Technik konstruiert sind. Auch die daselbst eingerichteten unterirdischen Keller zur Auinalmic und Lagerung der Weine können mit den Musterkellern französischer Weingegenden den Vergleich aushalten. Ausser Reben werden auch Oliven- und Mandelbäumc mit gutem Eriolgc dort kultiviert. Von besonderem Interesse sei ferner die im Norden Galiläas nahe bei Banias gelegene Kolonie Metule, die 1696 von Rothschild gegründet wurde und gegenwärtig aus 60 Familien besteht. Dort giebt es ein ausgezeichnetes Klima und gutes Trinkwasser; kultiviert wird Getreide und besonders Tabak. Die ilelssigen, durch Landwirtschaft sich ernährenden Kolonisten leiden allerdings noch unter den unruhigen Nachbarvölkern der Drusen und Mctawile, doch seien sie starke und unerschrockene Leute, die sich ihrer Haut zu wehren wohl imstände sind. Fast alle der grösseren jüdischen Kolonien in, Palästina und Syrien besitzen übrigens Schulen und Kranken- Häuser, auch einige Fabriken befinden sich dort, und nach Ansicht von Dr. Sa*ad, der die dortigen Verhältnisse genau kennt, Hessen sich bei ausgedehnter Besiedelung aus Palästina ohne Zweifel wiederum ein fruchtbares Land machen, der den ihm in der Bibel beigelegten Namen des ״Gelobten Landes" vielleicht nochmals zu Ehren bringen könnte. Mit Recht tadelt er, dass die J. C. A. die jüdischen Arbeiter zur Auswanderung zwingt Immerhin ist S a‘ a d schlecht unterrichtet, wenn er die Katraer Kolonisten, . die seit vielen Jahren keiner Unter- Stützung bedürfen, zu abhängigen Tagelöhnern macht. Achnliehe Irrtümer sind ihm mehr untergelaufen und mit den hebräischen und — bei einem geborenen Araber gewiss bemerkenswert — arabischen Namen nimmt er es nicht genau. Unsere Lesr wird es interessieren auch über Dr. Sa* ad selbst eine persönliche Notiz hier zu iinden. S., der lange Zeit in Jaffa Quarantainearzt war, ist einer von denen, die als Kind bei dem grossen Drusenaufstand im Libanon (1862) in Beirut auigefunden wurde. Wem das Kind gehörte, liess sich nicht feststellcn, wenn auch ein gewisses Anzeichen vorhanden war, als ob der Knabe ein jüdisches Kind wäre. Dem deutschen Konsulat, vor dessen Hause er aulgelunden wurde, hat er seine deutsche Bildung und sein späteres Studium in England zu verdanken. Er Ist ein bei allen Nationen und Rcligionsgemcinschäften in Jaffa gleichgeschätzter Mensch und Arzt. \ -Ü I ־