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Jüdische Rundschau · 1903-12-11 · Heft 50 (11.12.1903) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 50 (11.12.1903)
Date
1903-12-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
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I י! i f ץי/^ייי/ Abonnementspreis (Zusendung Inbegriffen) Vierteljährlich 1 1• daroh die Expedition: •) In Berlin M. —,9a b) nach auswlrts M I,— c) für das Ausland M. 1,5a B. Im PosUbonnomont M. 1,25 bol Sammolbezug darob die Ortsgruppe M. —px Postcoltungsltsto Ho. 8944. Inserate die viergespaltene Petitzeile 2S PI. Inoeratonbellagon 15 M. "־—ר־זז־זוודזחדנ^רrrrmimninmwaiin ... Organ A för Erscheint jeden Freitag*. 1 ü No. SO. Berlin, 11. Dezember 1803. 22. Kislew 5804. ל r די/■ Adresse für Geldsendungen and Bestellungen: Ptfldfl Sfldlsdie Rundsdian E. Q. m. b. H. Berlin n5t, Bugusfshasse Ib. 19«. Sprechstunden: f. 4—5 Uhr nachmittags. Redaktion: Dr. Heinrich ticewe, Berlin flW. 10, Iiehrlersfrasse 14/15. Sprechstunden: Montag und Donnerstag 4—6 Uhr. —»WhHum— Willi׳ ״■ VIII. Jahr gang. fH '׳ Antisemiten und Zionisten. Manche nennen sie in einem Atem: sie ziehen an einem Strange. Diese Wohlwollenden mögen in eine antisemitische Versammlung gehen. Nicht zum Graten Pücklcr, sondern dorthin, wo sich die akademische Jugend der grössten deutschen Universität, wo sich die BÜite der Nation zusammeniindet: in eine Versammlung, wie sie der ״Verein deutscher Studenten“ und sein Anhang neulich wieder vor den Wahlen zum Direktorium der ..Akademischen Lesehalle“ veranstaltet hat. Diese Wahlen sind ein Segen für die jüdische Studentenschaft. Sie entzünden ein Feuer, das auch den Schwachsichtigen den Blick erhellt. Die ״Nationale Partei“ der Lesehalle benutzt sie, um ihre An- und Absichten in breitester Oenentlichkeit darzulegen. Etwa achthundert Studenten mögen cs diesmal gewesen sein, die den grossen Saal des Germania-Etablissements füllten. Wer vermuten wollte, dass die ״Akademische Lesehalle“ den Gegenstand der Verhandlungen gebildet hätte, würde vergeblich dieses lebhafte Interesse sich zu erklären suchen. Der Referent begann gleich mit dem eigentlichen Thema —- den Jude n. Denn um sie dreht sich dieser ganze, leidenschaftlich geführte Kampf; die Judenfrage aufzurollen und in seinem Sinne zu beant- Worten, ist für den ״Verein deutscher Studenten“ Zweck der Veranstaltung. Der Kampf seiner Partei, führte der Redner aus, gelte nicht den Nationaljuden, er gelte nur dem Judentum in der Maskierung, dem Reformjudentum, das sich als Deutschtum gebärde. Ursache des Kampfes sei die kulturelle Gefahr, die der deutschen Nation von der geistigen und wirtschaftlichen Macht des Judentums drohe. Der unverhältnismässig starke Anteil der Juden an den höheren Berufen, im Zusammenhang damit das stetige Emporsteigen der unteren jüdischen Schichten gebe dem jüdischen Geist einen bestimmenden Einfluss auf das deutsche Kulturleben. Die nationale Unzuver- I lässigkeit der Juden, wie sic in ihrem Verhältnis zur I Sozialdemokratie sich zeige, nötige zur Gegenwehr. -- j Uns interessiert zunächst der den Nationaljuden gegenüber beliebte Ton. Welchen Wert dieses treundschaftliehe Geflöte hat, geht aus der Aeusserung des Referenten hervor, dass der Zionismus wohl unausführbar sei, dass es ferner nicht Absicht der Deutschuatkmalen sei, die Juden in ihren Rechten zu beschränken, die Nationaljaden vielmehr in! eigenen Interesse auf die Beteiligung am deutschen Leben verzichten und sich eigene kulturelle Institutionen schaffen müssten. Der bodenlose Unsinn dieser Konstruktion einer eigenen Kultur inmitten einer hochstehenden anderen, wurde in der Diskussion von stud. inr. Ncliab und unserem Freunde Dr. Citron gebührend gekennzeichnet. Eine andere, echtere Sprache als der Referent führten schön die deutschnationalen Herren, die nachher das Wort nahmen. Die einmütige Abwehr, in der sielt Zionisten und Nicht- Zionisten Zusammenschlüssen, haue die antisemitischen Disk nssionsredner veranlasst, die Maske fallen zu lassen, und die Freundschaft für die Nationaliuden war plötzlieh verflogen. So konnte Gesinnungsgenosse Elias Auerbach in scharfen, vortrefflichen Worten das Gebahren der Herren beleuchten. Er verzichtete ausdrüeklieh darauf, ihre Anwürfe 7.1t widerlegen; denn das Primäre ihrer Deduktionen sei der Hass; der Hass aber könne durch Vermmitgriinde nicht belehrt werden. Deswegen müssten sie notwendiger Weise auch in ihrer Stellung zum Zionismus zu den Schlussfolgerungen kar.men. die den Kampf gegen die Juden ermöglichten. Wäre es ihnen ernst mit der Judenfrage, die zugleich eine Deutsclienirage sei, dann müssten sie aus ihrer Negativität heraustreten und positiv an einer Lösung mitarbeiten. Unmittelbar nach diesen Ausführungen schickten die Gegner den bekannten Redakteur Paul Baeckcr vor. Hier war mm auch der letzte Schein einer Zionistcnfreiindliclikeit verblichen. In ebenso luftigen wie lustigen Rasscntheoricen wurde jeglicher Einfluss grosser Juden auf das Deutschtum und die Kulturineusehheit wegdisputiert, die zersetzende Wirkling des Judentums als oberstes Dogma aufgestellt und schliesslich auch vom ״Staat im Staate“ gesprochen, den die Zionisten aufrichten wollten. Danach beantragte und beschloss man, die Diskussion abzubrechen, und so konnten sich die Zuhörer dem ungeschwächten Eindruck dieser antisemitischen Leistung hingeben. Ich habe lange Zeit geglaubt, dass das National- Judentum auch in dem Sinuc dem Antisemitismus den Boden abgraben wird, dass es ihm seine wesentlichsten Grundlagen, den Kampf gegen die Assimilation, entzieht: dass schon durch die Erfüllung unserer Brüder mit der nationaljüdischeii Idee ein grosser Teil der Reibungsfläche zwischen uns und dem Volke, in dem wir leben, beseitigt wird. Bildet doch die Erhaltung reinen Deutschtums das wesentlichste ״Ziel“ der antisemitischen Bewegung. Diese Versammlung hat mir wiederum gezeigt, .wie verkehrt jene Anschauung ist, uie die antisemitische .Politik nach geistigen Poten/en beurteilt. Das Wort Mathias Achc rs.-• dass der Antisemitismus die f 1 / ‘fc*',’*' *־ ״־/*־- #־־.<-.״ ־׳» י׳י.-«ין •י.-m*'

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