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Jüdische Rundschau · 1903-12-04 · Heft 49 (4.12.1903) · page 14

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 49 (4.12.1903)
Date
1903-12-04
Page
– (sequence 14)
Language
German
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\£*r **ה r*y r^t’Cm. *rr׳.v ד*; ־׳ Seite 534- JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 49 gehenden Christen wurden von diesen Juden angegriffen (?), ' mit Steinen beworfen. Als die hcrbcigceiltc Polizei diese zu beruhigen suchte, wurde ihr erklärt: ,,Gestern wurden von Ihnen die Christen nicht anseinandergejagt heute wollen wir uns seihst zur Wehr setzen.״ Soweit jdie Anklageschrift. Wir werden aus diesem kulturgeschichtlichen Dokument, das von judenfeiudlichcn Beamten zusammengcstdlt ist, noch weitere interessante Einzelheiten veröffentlichen. Lustige Ecke. Was aus einer Sclicketqulttinig alles werden kann! .,Vielleicht nützt düs“. Ein ohcrschlesischcr Bauer, der mit einem zionistisch gesinnten Kaufmann in Gcschättsvcrhindung steht, ״kauft“ diesem Herrn, der oiienlsar über das Wesen des Schekels nicht richtig instruiert war, 2 Schekel- Quittungen ab. Nach einiger Zeit treffen beide wieder zusammen. ״Na, Ereuml. was haben Sie denn mit den beiden Quittungen gemacht?" * ״Die eene, sagt das gläubige Bauerlein, die hob ich ineener Mutter jeschenkt, wo!111 uio andere - - dabei zieht er die Quittung aus der Westentasche hervor ־ die trog ich immer mit mir rum, denn ich denk, vielleicht bringt dös Glück. Ka und wenn dös nichts nützen sollt, — dabei kramt er wieder in der Westentasche herum •-- so denke ich. vielleicht nützt dös“. Und dabei zeucht er ein Kreuztein hervor. Die Schekelquittung als Amulett ist jedenfalls unsere neueste Errungenschaft. Sdl. Der Druckfehlerteufel als jüdischer Rasseuchauvinlst. 111 dem Korrekturbogen einer Broschüre über die jüdische Rasse war von dem arischen Blutcinschlag die Rede. Der gehässige Druckfehlerteufel machte an einer Stelle daraus einen —- arischen Huteinschlag. Sdl. Kleine Chronik. Der Bericht über das Reichcnheimschc Waisenhaus der jüdischen Gemeinde zu Berlin (Weinbergsweg Ile) für die Zeit vom 1. April 1902 bis 31. März 1903 ist soeben erschienen. Er widmet an der Spitze einen warmen Nachruf der kürzlich verstorbenen Ehrendame Frau Mathilde!lehrend geb. Reichenheim. — Erzogen wurden im Bericlitjalir in der Anstalt 71־ Zöglinge und /,war da Knaben, 3U Mädchen. Die Gesuintausgaben beliefen sich auf 5U.SJU Mk.t die durch Zinsen eigener Fonds und einen (lcmeindcz.uschuss von 29,883 Mk. auf gebracht worden sind. Für je einen Zögling betrugen die desamtausgabeu auf das Jahr 687 Mk״ die Tagesvcrpilegung für den Kodi* 46 Pig. Die an der Anstalt bestellenden Stiftungen sind durch eine Bernhard und Salomea Ginsberg-Stiftung vermehrt worden, deren Zinsen zur Aussteuer früherer weiblicher Zöglinge dienen solle. Alle Zöglinge besuchen öffentliche Schulen, erhalten aber im Herbst noch Unterricht in Gesang, Turnen und Kerbsclmitzen. Die ehemaligen Zöglinge haben einen Zusammenhang im ״Reicheuheiin-Verein״. Die Anstalt steht unter der Verwaltung eines Kuratoriums, dessen Vorsitzender Sanitätsrat Dr. Julius Stern ist, und unter Leitung des Direktors Dr. Moritz. Jutrosinski. Zur ScMchtfrage. Bekanntlich hat die Perleberger Stadtverwaltung für ihr Schlachthaus ein indirektes Sch ächtverbot erlassen, das angefocliten, aber emlgültig bestätigt worden ist. Daraufhin war in der Gemeinde- Vertretung der Antrag gestellt worden, das Sehächtverbot aufzuheben; andererseits hatte die jüdische Gemeinde beantragt, ihr einen besonderen Raum im Schlachthause zum Zwecke der rituellen Schächtung zu gewähren oder die Erbauung eiues eigenen Schlachthauses zu geitclunigen. Die Stadtverordnetenversammlung hat diesen Antrag 'mit 20 gegen 3 Stimmen ab<?eleJ1nL 100000 russische Juden als Minenarbeiter sollen von Berlin aus zur * Arbeit für die Minen von Südafrika laut einer Johanncsbttrgcr ״Daily-M.M|“-Mc!dung per Kabtf angeboten worden sein. Die Stelle in Berlin, die dieses Angebot macht, hätte sich kürzlich auch erboten, Malagassei» zur Arbeit zu stellen. Das Angebot von russischen Juden soll ernst genommen worden sein, wenn man es in manchen Kreisen auch als Manöver bezeichnet. Soweit Hegt Obornik nicht aus der Welt, dass nicht einmal eine Nachricht von dort weiterdringt. Es sind Gemeindesorgen. Kaum hat die jüdische Gemeinde den Neubau ihres Gotteshauses mit einem Kostenaufwand von H 000 Mark bewerkstciligt, *Ja harrten ihrer schon wieder neue kostspielige Aufgaben. Seit einigen Jahren macht sich das BcUürfniss gcltend, den Friedhof zu ordnen und z» erweitern, und schon sind wiederholt Gcmeiudevertrctcr beim Besitzer des am jüdischen Friedhof grenzenden Landes mit Anfragen und Angeboten vorstell!;! geworden, jedoch ohne irgend welchen Erfolg zu erziekn. Cie Exkursion der Libauer Koinnier/sdiiiler nach Moskau hat ein sehr plötzliches Ende gvftmJei!. Nach zweitägigem Aufenthalt in der alten Zarenstadt wurde, wie wir der ״Lib.iuc! Ztg." entnehmen, den! die Schüler begleitenden Direktor de! Kommerzsehule. Dobrosakow, vom gestrengen Herrn Oberin'!i/eiir.eister voll Moskau!nitgeteilt, dass die an der Exkursion teilnehmenden Schüler jüdischer Religion au! tiiirnu der gesetz.ltcl!e!1 Bestimmungen, die Hebräern den Aufenthalt in eie-! Hauptstädten untersagen, sofort die Stadt verlassen müssten. Fa die christlichen Schüler ihre jikiisciien Kameraden - * die sich in recht beträchtlicher Zahl an dieser Exkursion beteiligt hatten — nicht im Stich lassen wollten, wurde die geinoin^ame Rückfahrt angetreten. Nach eine:!! zweitägigen Aufenthalt in Riga kehrten die Handelsschüler hierher zurück. Mit der ihm eigenen Schadenfreude registrier*, das Rigaer Tageblatt jedes Unrecht, das man Juden zuiiigt. als eine Kulturtat. Heute lässt es sicht aus Kiew melden, dass au! Anordmmg des Gouverneurs die Opcrettcnvorstelhiugen der ״Deutschen Truppe“ «!stiert worden sind, weil die Mitglieder dieser ״Deutschen Truppe“ aus Juden beständen, die kein Wohnrecht in Kiew besässen. Die Artisten mussten Kiew׳ ungesäumt lassen. Die ״Gescllschait zur Förderung* der Wissenschaft des Judentums“ tritt nunmehr mit ihrem Programm hervor. Bekanntücb wurde in der Generalversammlung am 21. April dieses Jahres auf Anregung des Herrn Dr. Gustav Karpeles der Be- Schluss gefasst, einen Grundriss der Wissenschaft des J u d e n t n!1! s heratiszugeben, der in Einzeldarstellungen das Gesamtgebiet dieser Wissenschaft umfassen soll. Es wurde ein Komitee eingesetzt zur Redaktion des Entwurfs bestellend aus den Herren Professoren Bacher, Cohen, den Herren Rabbinern Dr. (iiHieniann, Bloch, Kroner, Lucas und dem Antragsteiler. Nach eingehender Beratung kam man überein, die Anzahl der Monographien zunächst aut 36 fesuusetzen. doch sind Ergäuztmgsbündc dabei ausdrücklich vorgesehen. Die zur Mitarbeit eingcladenen Gelehrten, die meist mit freudigem Eifer zugesagt, einigten sieh in der Hauptsache darin, dass es nicht sowohl auf die Masse des gebotenen Stoffes ankomme, als vielmehr auf dessen geistige Durchdringung, zusammenhängende und verständnisvoll geordnete Darstellung, die trotz der streng wissenschaftlichen Grundlage doch zugleich das Interesse der Gebildeten erwerben und diese belehren könne. Das Resultat der laugen und schwierigen Verhandlungen ist das folgende Programm in drei Abteilungen, das nunmehr der Oeffentlichkeit zum erstenmaie vorgelegt wird. I. Systematische Theologie Rektor Dr. Köhler- Cincinnati. Ethik und Religionsphilosophie Prof. Dr. Herrn. Cohen- Marburg. Geschichte der Religionsphilosophie Rabb. Dr. J. G u 11 m a n n ־ Breslau. Einleitung in die Bibel Prof. Dr. Blau- Budapest. Geschichte der Bibelexegese Rabb. Dr. Eppe n stein- Bricscn. Einleitung in den Talmud Dozent Dr. B a u c t h - Berlin. Geschichte der Haiacha Rektor Dr. A. S c h w a r z ־ Wien. Geschichte der Hagada Rabb. Dr. Bloch- Posen. Reügionsgeschichte Rabb. Dr. Bäck- Oppeln. Judentum und Christentum Dr. B. Kellermann -Berlin.

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