Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 49 (4.12.1903)
- Date
- 1903-12-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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f f Abonnementspreis (Zusendung Inbegriffen) Vierteljährlich! 1• durch die Expedition: •) in Berlin M. —,90. b) nach auswärts M 1,— c) für das Ausland M. 1.50t. t. im Poatabonnement M 1,25 9• bei Sammelbezug duroh die Ortagruppe M. -jbO. Poatzoltungallnto No. 8044. ' Inserate die vlergespaltcne Petitielle 25 PI. Inaeratenbellagan I.N M Organ der Zionistischen Vereinigung für Deisischla&tä. Rrsolioint jpden Kreita־״. Adresse für Geldsendungen und Bestellungen: Verlag 30dlsd1e Rundsdia^ E Q m. b. H. Berlin 54 ח, Buguststross* Jlr. 4f *. Sprechstunden: f. 4—& Uhi nachmittags. Redaktion: Df. Helnrldh üoeue, Berlin flW. 40, üehrterstrasse 14,15. Sprechstunden: Montag und Uonnemag 4—A Uhr. aBsasflamM« No. 49. Berlin, 4. Dezember 1903. 15. Kislew 5SS4.V vni. Jahrgang. ■־'.צזי.1-וו.«-^יי.7ד_6מ* asf i’£ lv;| ׳ •' 1׳ t.s fi i, k r: X ') r j■!:• w yV » $ Jüdische Künstler. Die Semiten haben einen so ausgeprägten Stammes- Charakter, dass kaum ein anderer Spraclistanmi sich geistig so scharf aus den Kationen andern Stammes abhebt. Man braucht nur das Rätsel ailer Sptachbildung, die Dreikonsonantigkeit aller semitischen Wurzeln, ins Auge zu fassen, und man begreift, dass hier ein ganz eigenartiger geistiger Faktor wirksam gewesen ist. wie sonst nie wieder bei der Schaffung des menschlichen Gedankcnausdrucks. Aber nicht minder wunderbar ist cs, dass die semitischen Sprachwurzeln Verbalstünnne und nicht Nomina darstellcn, dass das Hauptwort vom Tätigkeitswort, nicht das Zeitwort vom Nomen abgeleitet ist Das gibt der Sprache von vornherein etwas Abstraktes und lenkt ab von der ruhigen Betrachtung der Dinge. Die Bewegung ist das Grundprinzip des semitischen Sprachbaues. Freilich musste das der Fall sein, wenn sich de* Stainmescharakter in der Wüste zu seiner Eigenart bi!־ dete, wo die ewige Eintönigkeit das Auge für die Unterbrcchung des Gleichförmigen schärft, und wo die Armut an Erscheinungen der Ausscnwelt den Blick frühzeitig nach innen kehrt. Dieser Charakter des Wiistensohncs hat dem semitischen Stamme den Mangel an Farbensinn zu eigen gemacht, der umso schärfer in die Erscheinung tritt, je kürzer die Gcncrationenreihc ist, seit der man .aus der Wüste in das Fruchtland einzog. Die eine einzige gelbe Ebene und der wolkenlose blaue Himmel haben den Wüstenkindern das kindliche Gefallen an starkwirkenden Farbengegensätzen vererbt und den feineren Farbensinn erst spät zur Entwicklung kommen lassen. Ohne einer von abstrakten Voraussetzungen ausgehenden Rassenlehre zu huldigen, können wir nicht umhin, die Wirkungen zu konstatieren, die ein Jahrhunderte und durch viele Geschlechter andauerndes Milieu im Volkscharakter!Unterlassen muss. Zugleich aber ergibt sich deshalb aus der Aendermig des Milieus eine Beeinflussung und Modifizierung der Stammeseigcnschäften. Der Semit in dem Hochlande von Innerarabien und der Jude Nordeuropas können nicht mehr als eine Gruppe betrachtet werden. Aber äussere Gründe — und politische und soziale Abschliessung bilden ein Milieu, das dem geographischen in seinen Wirkungen nicht unähnlich ist — haben den mangelnden Formen- und Farbensinn, der den Semiten von der Urheimat her eigen war, bei den Juden unvermindert!ortbestehen lassen. Erst die Zersprengung der engen Schranken, die das deutsche Judentum einzwäng־ teil, der politischen und der vermeintlich-religiösen Fesseln, machte cs möglich, dass Juden anfingen, auf dem Gebiete der bildenden Kunst zu schaffen. Das war seit der Zeit eines Barzilai und der Tempdbauten nicht mehr der Fall gewesen. Wenn es jedoch im Altertum eine jüdische Kunst gegeben hat, eine Architektur mit echtjüäischcin, nur den Hebräern eigenem Baustil und eine spezifisch k::!1aanäische Bildhauerkunst, so können wir heute noch nichts von einer solchen verspüren. Aber jüdische Künstler, die haben wir lind die aufblüliendc Renaissance des jüdischen Stammes schafft immer neue Künstlergestalten aus dem jüdischen Blute. — Man denkt dabei sofort an Scheresehewski, an Moritz Goülieb oder an Ruchomolski, nicht zum wenigsten aber an Eduard Bendemann, dessen Jeremia zu dem Schönsten und Eindrucksvollstcn gehört, was eine jüdische Künstlerseele je geschaffen hat. Von dem Wirken jüdischer Künstler, von ihrem Wollen und Werden, von ihrem Streben und Schaffen gibt der neue Prachtband ein lebendiges Zeugnis ab, der vor ganz kurzem von Martin Buber herausgegeben wurde.*) Josef Israels, L e s s e r U r y , E. M. Lilien, Max Liebermann, Solomon J. Solomon und Jehudali Epstein werden uns von berufener Seite vorgeführt und an der Hand prächtiger Reproduktionen ihrer hauptsächlichsten Werke ein Bild ihrer Entwick-. hing und Bedeutung gegeben. — Es wurde uns von versehiedenen Seiten die Frage vcrgelegt: ״Aber wie kommt Lilien unter die Maler?“ Dieser Frage liegt der Irrtum zu Grunde, dass nur Malerei Kunst sei. Aber die scheinbar dekorative Zeichnung Lilien’s, die aus dem Gegensatze von Schwarz und Weiss gestaltet, ist nicht minder künstlerisch und jedenfalls viel jüdischer als die Leistungen anderer Künstler, die Maler und nicht Zeichner sind. Wir hätten viel eher die Frage erwartet, wie kommt Lesser Ury in diese Sammlung? Gewöhnliche Sterbliehe, und aus denen besteht doch noch immer die grosse Mehrzahl der Juden, hat schlechterdings kein Verständ- •) Jüdische Künstler. Hcrausc׳'c?eben von Martän Pttber: Josef Israels von Fritz Stahl: Lesser Dry von Martin Buber: E. M. Lilien von Alfred Gold: MaX Liebermaim von Georg Hermann: Solomon J. SMomon von S. L. Bensusan: Jchudo Epstein von Franz Servnes. Borlhi: Jüdischer Verlag 1903. In Orig.-Einbd. M. 10—. 170 S. gr. 4 °. ,ין£*ריי׳ילזו*י ״״fs׳ **#**-*•#*<*־׳« ■v***■.