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Jüdische Rundschau · 1903-11-27 · Heft 48 (27.11.1903) · page 14

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 48 (27.11.1903)
Date
1903-11-27
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Soito 522 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 48. überwiegender Majorität aiigenotmneu bezeichnet wurde, ge-! stellt ward, um den eigens zu der Versammlung aus Berlin , hierher gekommenen zionistischen Redner, Herrn Dr. Heinrich j L o e w e, in seinen Ausführungen zu beschränken. Der Vorsitzende bezeichnte die Gegenrufer als OSste. die nicht mitzu-! stimmen hätten, obwohl unter ihnen Mitglieder des Zentral- Vereins waren, prüfte aber keineswegs die Berechtigung derer, die für die Beschränkung gestimmt hatten.“ Unter unmotivierter Uebcrgchung der weiter zur Rednerliste gemeldeten Zionisten * - aber wohl der vorgerückten Stunde wegen — gab der Vorsitzende um 10!גר Uhr dem Rechtsanwalt Horwicz; aus Berlin das Schlusswort. Dieser benutzte u. a. seine etwa halbstündigen Ausführungen zu Angriffen, die in parlamentarisch geleiteten Versammlungen ״persönliche*• Erwiderungen in , scharfer Tonart nach sich gezogen hätten. Mit dein besseren Teil des Mutes liess der Vorsitzende diese persönlichen Be* incrkuugcu nicht zu. Ein anonymes Eingesandt der ..Neuesten Posen er Nachrichten** nennt die Kampfesart des Herrn H o r* w i c z eine ״recht vornehme Weise“. Jedenfalls^ haben??!ehr , noch als die zionistenfreundliche Rede des Dr. E 11 c 11 s diese ״recht vornehme Weise“ und der Umstand viele 1?eue Freunde den? Zionismus /,!!geführt, dass jeder, der Augen und Ohren hatte, sah und hörte, wie man die freie Aussprache handhabte aus l'tircht vor den ruhigen und sachlichen Ausführungen der zionistischen Redner. Für diese freundliche Propaganda fiir den Zionismus sei au dieser Stehe der aufrichtige Dank aus* gesprochen. p<3--DC! Kleine Chronik. V׳' jum tirיו!w* *יו«1*יו*——ini׳111!־*—־ i!t~~*~1111׳ 111 ■~־— Berlin. Im Verein jüdischer Studenten hielt an! Dienstag, den! 10. d. M. Herr Dr. Tuch einen ebenso lehrreiche״ wie interessanten Vortrag über: ״Jüdische Budenkulturbestrebungen; in Deutschland*•. Der Referent suchte in eingehenden Aus-; iührum'cn darzuiegen, ob es iti ö g I ich und ob es v o r t e i I- | haft* sei, Juden in Deutschland zur Landwirtschaft überzuführen. Redner behandelte die Ursache des Niederganges der l^andwirtschait im allgemeinen in Deutschland; ihr sei aufzuhelfcit nicht nur durch ausgiebigste Benutzung der Errungenschaften der Chemie, durch Verwertung der neuesten landwirtschaftlichen Maschinen, sondern durch Einste•!־ hing eines möglichst grossen Menschenmaterials. Diese l orderung von oben 11er müsste unterstützt werden von unten hcrdurch Die Moral davon muss jedem cinlcuchten, in dem sich noch ein menschliches Gefühl regt. Ist solch ein Getiihi aber wirklich bei vielen lebendig? Diese peinliche Frage taucht imwiükürlieh auf, wenn man sicht, was in Kischinew geschah. Litteraturbericht. Soeben erschienen in unserem Verlage, in prachtvoller Ausstattung, das Lied ״Auf mein Volk“ von H. L 0 c w e. im Original und in polnischer Übersetzung mit einer Notenbei läge. Preis 1 Exemplar 6 Heller cxkl. Porto. Bei Abnahme von wenigstens 100 Stück erteilen wir 30 pCt. Rabatt. Ein Teil des Reinertrages wird für den Nationalfo'nd best im in t. Bestellungen nimmt entgegen: Salomon Goldberg , stud. iur., Ta r no W (Galizien), Bar- Kochba, Tarnow. Kischinew. Von M. Stikennlkov. No. 1. Berlin-Charlottenburg 2: Russischer Verlag 1903. (32 S.) 8®. Das vorliegende erste Heft, das vom August 1906 datiert ist, verdient einige Beachtung. Von besonderem Interesse sind der leitende Artikel aus der Feder Maxim, G o r k y s und ein Brief vom Grafen Tolstoi. Ob weitere Hefte erschienen sind oder erscheinen werden, ist uns unbekannt. Eli . . . Meyers Grosses Konversations-Lexikon. Ein Nachsclagcwerk des allgemeinen Wissens. 6. gänzlich neubearbeitete und vermehrte Auflage. Bd. IV: Chemnitzer-Differenz. Lcipzig und Wien: Bibliographisches Institut 1903. Der vorliegende Band der neuen Bearbeitung des Lexikons reiht sich würdig seinen Vorgängern an. Auch unser besonderer Intcresscnkreis ist durch eine Reihe sachlicher und fleissigcr Artikel vertreten. Besonderes Interesse bietet eine Karte über die Verteilung der Jüdischen Bevölkerung des Deutschen Reiches. EU ... . eine Selbsthilfe des Bauernstandes durch Gcnosscnschaftsbcwegungen. Ai! dem Beispiel des Mustergutes des Prof. Backhaus in Königsberg zeigt der Referent, dass durch Benutzung der Elektrizität in allen wirtschaftlichen Betriebszweigen, durch eine geregeite Buchführung und kaufmännische Tüchtigkeit bei der Verwertung der Produkte sich grosse Erfolge erzielen Hessen. Also von seiten der Landwirtschaft stände der 'Ucbcrführung von Juden in dieselbe nichts entgegen. Die Ereignisse der letzten Jahre, die Erfahrungen in den jüdischen Kolonien der ganzen Welt, hatten dm! alten Vorurteil. Juden seien physisch und psychisch ungeeignet für die Landwirtschaft, den Garaus gemacht. Ihre physische Ui!- fühigkeit wäre eher ein Gru?!d, sie zur Landwirtschaft uberzuführen. Die Beteiligung der Juden an derselben sei vorteilhat t wegen der damit verbundenen hygienischen Stärkung der wirtschaftlichen und sozialen Hebung. Eine Besserung der sozblen Lage und keine soziale Dcgrulatioi». wie viele behaupten, wäre zu erwarten, da kein Stand in Deutschland so in cuiem sozialen Aufsteigcu begriffen sei. wir di•• Landwirtschaft. Zun! Schluss wies der Referent auf die Bestrebungen des ״Vereins zur Förderung der Bodenkultur unter d־׳n lud* .1 in Deutschland*' hin. Reicher Beifall und tu ■eh eine angeregte wie auch an* regende Diskussion belohnte den RJduer. In seinen! Schlusswort betonte Herr Dr. Tuch besonders, dass die geschilderte Bewegung niemals eine Lösung der Juden* frage herhcifiihren wollte oder auch könnte, da den Juden aber so viele Berufe verschlossen seien, würde ihnen hierdurch ein neuer eröffnet. Die Bewegung stehe auf ganz neutralen! Boden. Zionisten wie Nichtzionisteu. \'ati<>!1alj!!Jen wie Assi* inilanten könnten in gleicher Weise in dioer Bewegung arbeiten. Eine recht fidde Kneipe schloss sieb an dic-cu erste!! Vor* tragsabend des Wintersemesters an. in der Bin. Mescritz eine begeisterte Tendcn/rede hielt. Charlcttcnburg. Am 31. Oktober feierte der Verein jüdischer Studenten zu Chariottcuhiirg i im .,Bund jüdischer Korporationen**! d׳'e Antrittskneipe seines 5. Semesters. Bbr. cantl. i;!g. Alfred B e r I o w i t z. präsidierte. Nach Er- Öffnung des Kommerses hielt Bbr. cand. tec'm. Willi. Majerczik eine Reue, in der er die Bestrcl ungui des Vor* ein darlegtc. Diese Rede ist in der vorigen Nummer d״!•׳Jüd. Rundschau** abgedruckt.. Danach wurde das i'arieaüed gesungen, und es folgte!! die Begriissungsansprachea der Gäste und Vertreter der befreundeten Korporationen. Acht der anwesenden Gäste meldeten sich im Verlaute des Abends aktiv. Nach Schluss des offiziellen Teils hielt eine fröhliche Fidulität die Teilnehmer noch lauge beisammen. — Von besonderer Bedeuttmg ist das Wintersemester iür den V. J. St. Cl.g. durch den Mitte Dezember in Charloitenburg stattfindenden Kartelltag des B. J. C, zu dem Kartellvcreine Delegierte entsenden werden. - - Zuschriften iur den Verein sind zu richten an den derzeitigen Präsiden Louis F u c 1! s, Berlin S.O., Köpenicker- Strasse 12-1. Bel den preusslschen Landtagswahlen behaupten die Ant i sein i ten nicht nur ihren Sitz in Hersfeld. sondern gewannen noch einen zweiten. Kassel-Land, von den Nationalliberalen dazu. Also auch nicht einmal der Parteianbsemitisinus ist in Deutschland zurückgegangen, was doch, vielfach hehauptet worden ist. Wir haben etwas geerbt. Aus dem Nachlass des Konimerzienrats Louis Simon ist eine Summe von 25 1X0 ״Mark der Jüdischen Gemeinde in Berlin zu Wohifahrtszwccken (iberwicsen worden. Gegen die gegen die nichtrussischen Juden gerichteten Verkchrscrschweruugen wandten sich in Newyork Vertreter aller jüdischen Gemeinden Amerikas, und hatten eine Konferenz, mit dem Kongressausschuss für auswärtige Politik. Sie erstreben eine gleichmüssige Behandlung amerikanischer Bürger in Russland. Die Agitation soll jetzt unablässig betrieben werden, bis Russland nachgibt. Freilich werden sie da lange warten können. Was alldeutsch Ist, geht wieder einmal aus einem würdigen Artikel des Wiener ״Alldeutschen Tagblattes“ vom 19. U. 1903 hervor, der unter andern teutschen Auslassungen auch folgende Sätze schreibt: ״Nach der ״Vossischen Zeitung" hat der Minister des Innern durch einen besonderen Erlass bekanntgehen lassen, dass cs den kranken Juden untersagt sei, nach Moskau zu kommen, um in den dortigen Kliniken Aufnahme zu suchen. Weiche Wohltat wäre eine ähnliche Massregel für Wien, dessen Spitäler von lausigen, krätzigen, aussätzigen usw. polnischen Juden überschwemmt werd•*״, oder gar für Karlsbad, wo die Fremden durch diese Kaftanträger abgestosseti werden. — -- Aber bei uns! Bei uns hat man Oben ebensowenig Mut

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