Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 48 (27.11.1903)
- Date
- 1903-11-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Il Abonnementspreis (Zusendung inbegriffen) Vierteljährlich! 1. duroh die Expedition: a) In Berlin M. —,9a b) nach auswärts M I,— c) für das Ausland M. 1,5a 2. im Postabonnoraent M 1,25 3. bei Stmmelbecug durch die Ortsgruppe M. —,60. Poatxeitungnliate No. 3944. Inaorato die vicrgespaltenc Petitzelle 25 PI Inseratenbollagen 15 M \ f t S Organ 4er ßr rS c״ G'iti'ütr'i• ISrselieiiit jeden Freiing־. l hl 1 No. 48. Berlin, 27. November 1803. Adresse für Geldsendungen and Bestellungen: Verlag 5Cdiscf1e Rundsdiau E. d m. b. H. Berlin R 51, Buguststrasse Rr. 19«. Sprechstunden: ». 4-5י Uhr nachmittag«. Redaktion: Dr. Heinrich lioewe, Berlin ÜW. 10, üehrlerslrasse 14/15. Sprechstunden: Montag und Donnerstag 4—6 Uhr. VIII. Jahrgang. Die iusyeriuoe (Quo vadis?). Besprochen von Sammv Oroncniann. III. Der Schlussakt der Meyeriade : ״Der Zionismus“. Dort wird y.ur Erbauung und Belehrung eines hohen Finanzadels und eines verehr!ichen Publikums vor den Augen demonsfriert - gar fein und säuberlich anzuschauen, wie die Tugend siegt, wie der böse Geist Zionismus von der guten Fee Phrase getötet und in die Wolfsschlucht geschleudert wird. Die Liebenden aber bekommen sich, und im Finale singt der ganze Chor einen grossen patriotisch-preislichen Cantus. An Dekorationen und Kostümen ist nichts gespart!! Bevor aber der Vorhang sich vor dem grossen Schlussakt hebt, senkt sich nach gutem Varie'tebrauch das weisse Laken herab und die laterna magica des Vorstandsmitglieder vom Zweigkomitee des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus wirft auf das Tuch prächtige, bunt kolorierte Reklamebilder. Man höre nur, wie es dem Antisemitismus in Hannover ergangen: einzeln werden uns mit Schlagworten die Phasen der Entwickelung dieser Bewegung vorgefülirt. ״Leuss Schnutz", das ist die Geschichte eines Ehebruchs und eines Meineids — der Konkurs einer antisemitischen Bank - - u. s. w. Und alles das, wird uns nachträglich versichert, ״beruht nicht auf blossem Zufall, sondern hat uns viel Arbeit, viel Aufregung, manches Opfer an Zeit und Mülie gekostet“. Alle Achtung!! Alles das - Ehebruch, Meineid, Konkurs -- mehr kann man nicht verlangen! -- Aber wir hören noch staunenswertere Dinge. Dass in der Stadtvertretung kein Jude sitzt, ist der Zurückhaltung der Juden selbst zu verdanken! Potztausend!! Das hat denn auch die Gegner ernüchtert und enttäuscht. Leider ist es dem Abwelirverein noch nicht gelungen, auch von der Strasse die Juden zurückzuhalten. Dort merkt man noch ״die vielfach gerügte unselige Gabe der Vervielfältigung“. (Wörtlich so!!) Vielleicht lässt sich auch da Rat schaffen!! Man ist zufrieden, wie herrlich weit wir es gebracht!! Man glaubte, wie Herr Dr. Meyer uns versichert, aufatmen zu können. Also dasjenige, was überhaupt erreicht werden konnte, ist erreicht?? Ein Bekenntnis, das man nicht übersehen soll! — Man hat erreicht, dass ״höflich, aber entschieden, mit einem leisen Anflug von Ironie ‘, wie Bissons famoser Direktor seine Beamten instruiert, die Juden aus höheren öffentlichen Stellen wie aus der Gesellschaft verdrängt sind, — dass die Juden noch so sehr als Fremdkörper empfunden werden, wie von je, so sehr, dass weite Kreise des Volkes sie des Kannibalismus,des Genusses von Christenblut fähig halten, — dass —- aber wozu langatmig aufführen, was wir alle täglich aufs Neue am eigenen Leibe erfahren. Jawohl, - der Radau-Antisemitismus ist vorbei, — der Kampf hat nachgelassen. Denn der Kampf ist überflüssig geworden!! Was nur von nicht geradezu wahnwitzigen Feinden erhofft werden konnte, ist erreicht: der wirtschaftliche und gesellschaftliche wie politische Boykott!! — Darüber hilft keine Vogel Strauss-Poliiik. Herr Dr. Meyer aber, der sich als Vertreter der zum Verteidigungskampf gezwungenen jüdischen Gemeinschaft aufwirft und nun überwältigt, geknebelt und machtlos jubelt, dass der Kampf vorbei ist, erinnert lebhaft an den bekannten heldenmütigen Soldaten, der aufatmend ruft: Gottlob! Ich bin gefangen!! Nichts ist erreicht worden durch jene assimilatorische Politik! Ihren Erfolg bezeichnen die Namen Polna, Könitz, GrafPiickler. Man hat Versteck gespielt,״ hat sich hinter Namen von gutem Klange verkrochen, — hat nicht als Jude, sondern nur und rein im Interesse des deutschen Liberalismus zu kämpfen vorgegeben. Man hat Jedem, der es nur hören wollte, versichert, dass wir Arier von reinstem Wasser seien, dass nur geringe konfessionelle Unterschiede existierten, — man hat auch an deren Ausrottung gearbeitet und hätte auch seiner Zeit einen tüchtigen Nasen- Operateur mit Gold aufgewogen. Man hat sich zum Gespött gemacht! Die Enkel der Makkabäer haben in ihren Häusern den Weihnachtsbaum, in ihr Gotteshaus die Orgel gebracht, — jenes Instrument, das die Erinnerung an die im Namen der Religion geschlachteten Opfer des religiösen Fanatismus im Mittelalter erinnern muss. — Man hat aus dem Herren der Kinder die Erinnerung an unsere Helden gerissen, — man hat ihnen nicht gelehrt von unserer Geschichte, unserer Sprache, — nicht, was wir der Walt gegeben und was wir von ihr empfangen. Man hat ängstlich ׳*■«׳