Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 45 (6.11.1903)
- Date
- 1903-11-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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r.*־ »UH«; fU'׳׳<״ ־־*־ f יו 14 i i l1' I i Abonnementspreis (Zusendung (aUgrü(en) Viertel jihrliohi I. duroh die Espedltloni ■) In Berlin M. —,901 b) nach auswärts M 1,— c) IQr das Ausland M. 1,50. t. im Poatabonnomont M. 1,25 S. bei Ssmmelbezug durob dlo Ortsgruppe M. —,60. PoatseltungaUate No. 3944. Innerste die viergespaltcne Petiudle 25 Pf. Inaeratenbeliagan 15 M Organ & der Bonistisden Verehrung fQr Ersclieint jeden Adresse für Geldsendungen und Bestellungen: . Perlag Jhldisdie Rundsdiait E. O. ni. b. H. Berfln n 51, ßugusfsnasse flr. If«. Sprtdjsfundfn: ». ♦5־ Uhr nachmittags. Redaktion: Dr. Heinrich bcewe, Berfln BW. 10, Lehrterstrasse 14/15. Sprechstunden: Montag und Donnerstag 4—6 Uhr. No. 45. tj« 16, Cheschv/an :qr/i •U o**fr. VIII. Jahrgang.!•a ■ 1־ M : A א Quo Varfis. Ich bin weder Journalist, noch habe ich die Absicht, au! die Auslassungen des Herrn Dr. Meyer*), gegenüber den polniseh-russiclien Juden Hannovers, zu erwidern. Ich mochte bloss unsern Brüdern, welche jüdisch denken, das Verhältnis der hier wohnhaften polnisch-russischen Juden zu ihren Stammesbrüdern beleuchten, ln Hannover leben zirka 10n polnischrussischer Juden, nach dem Sprachgebrauch des Dr. Meyer ״sogenannte Schnorre r“. Ein grosser Teil dieser Juden erfreut sich eines Wohlstandes. Darunter sind Fabrikanten, Urosshändier usw. ihr Wohlstand stammt weder von Almosen noch durch Kaufunlerstfnzung seitens ihrer deutschen Brüder, vielmehr beruht ihre Existenz auf den gleichen Grundlagen, wie die anderer Menschen. Ebensowenig sind diejenigen, welche Lumpen sammeln, in irgend welcher Weise auf sie angewiesen. Ihr Einkaufskreis beschränkt sich fast ausschliesslich auf Nichtjuden. Ferner ist hier eine beträchtliche Anzahl von Handwerkern, die zumeist bei Christen beschäftigt sind, weil ihnen die Juden den Sabbat nicht frei geben. Keine 5 pCt. der hiesigen ״sogenannten Schnorrer-Kolonie“ fallen der Gemeinde oder . einem Einzelnen zur Last. Selbst öffentliche Wohltätigkeits-lnstitute und Wohlfahrtseinrichtungen sind ihnen verschlossen. So finden beispielsweise polnischrussische Juden im hiesigen Israelitischen Krankenhause nur unter Anwendung grosser Protektion ,Aufnahme. Manchem, der sich meldete, wurde mit Ausweisung gedroht, und er erhielt die klassische Antwort: ״Dies ist nur für Deutsche“. Die polnisch-russischen Juden würden hier ebensogut existieren, selbst wenn die von Herrn Dr. Meyer empfohlene Beliandlungswcise in Kraft träte. Unwillkürlich fällt mir eine Anekdote aus dem Jahre 1848 ein. Da lief in den Strassen Wiens ein Revolutionär herum und schrie: ״Die Steuern ruinieren uns". Auf die Frage eines vorübergehenden Staatsmannes, wie hoch er denn belastet wäre, gab er die Antwort: ״Ich zahle nichts, aber auch das ist zu viel!“-Herr Dr. Meyer wirft ihnen vor, dass sie sich absonderten. •) Unter dieser der christlichreligiöse» Legende entnommenen Uebcrschrift erschien vor kurzem ein Aufsatz, in der Allgeni. 7.tg. des Judentums von Dr. Meyer- Hannover, auf den sich der Autor bezieht. Ein Teil dieses Artikels wandte sich gegen die polnisch-russischen Juden insbesondere die in Hannover. Ja. wer veranlasst sie denn dazu? Wie viele von ihnen, die in guten Verhältnissen leben, haben ihren Beitritt zur Gemeinde erklärt und sind ohne jeden Grund zuriiekgew iesen worden! Und ist das etwa als Unfug zu bezeichnen, wenn sie aus religiösen GcfühLn das Bedsirinis haben, wenigstens bei gewissen Anlässen wie ..Jahrzeit” oder, um ihrem I Ja 11 k ge ui hl bei eine; Geburt durch den Segensspruch über die Tora in jüdischer Weise Ausdruck zu verleihen, frr.'rh ע.'־־ה), was sie in der Synagoge nicht erreichen können, ein besonderes Bethaus aus eigenen Mitteln zu unterhalten? Das reingefühl dieser polnisch-russischen Juden verbietet ihnen, ihren deutschen Brüdern näherzutreten, wei! sie Oberzeugt sind, dass ihre Religionsgenossen sie 2m allerliebsten von der Ferne sehen möchten. Wenn so ein Religio nsbruder einem Lumpensammler begegnet, der auf der Strasse in Frost und Schnee den Wagen schleppt, so versteckt er sich, um, Gott behüte, nicht von einem Nichtjuden gleichzeitig gesehen zu werden. Herr Br. Meyer will von den jüdischen Polen Norderneys auf die polnischen Juden Hannovers Schlüsse ziehen. Ich würde Herrn Dr. Meyer raten, bei nächster Gelegenheit eine Zionistische Versammlung nach Norderney einzuberufen, um den dortigen ,.Jüdischen Polen“ den Standpunkt klarzulegen, dass ebenso wie er kein Germane, sie keine Slavcn sind, sondern אנשים אנהגו פלגו ב;י איש אהד wir alle Söhne desselben einen Stammes. D. B. Erziehungsfragen. Von Jchuda Jsaaksohn. Unter der Uebcrschrift Quovadis schreibt Herr RecUtsauwaU Dr. Sicgmumi Meyer (Hannover) über drei Fragen manches, was vielleicht durchaus berechtigt ist, aber auch manches, was offenen Widerspruch herausfordert. Hier soll die dritte, die jüdisch-nationale Bewegung besprodren werden und auch diese nur insoweit, als sie uns Alte bezüglieh der Erziehung unserer Knaben interessiert. Ob diese Beweguug das Attribut ״unheimlich“ oder ״heillos“ verdient und ob cs angebracht ist, dass Herr Dr. Meyer ihr mit Recht noch immer ״ratlos und schmerzerfüllt" gegenübersteht; alles dieses und noch mehr lassen wir dahingestellt. -־ Die Befürchtung, dass durch die ״jüdisch-nationale Bewegung unsere Söhne aus dem Juden tum herausgedrängt würden, weil das patriotischeEm-