Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 40 (2.10.1903)
- Date
- 1903-10-02
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 438. No. 40. * v.rsx.־•; * |*rt״ י #ץ™•***.» JÜDISCHE RUNDSCHAU. viel tiefgehender gewesen, als es anfangs vielen schien; es habe sich darum gehandelt, zu entscheiden, ob der Zionismus eine Partei oder das ganze jüdische Volkstum repräsentiere. Zum Schluss mcinto der Redner, dass es endlich wohl auch für unsere Gegner die höchste Zeit sei, eine Revision ihres Standpunktes vorzunehmen. Ein Junger Kaufmann, der den Zionismus mit seinem Deutschtum noch immer nicht vrecinbaren kann, gab Dr. Zlocisti In der Diskussion Gelegenheit, sich auch über diesen Punkt des längeren uuszulassen. Hoffentlich bringt uns dieser Abend einen recht grossen Zuwachs. M. N ~ iof Würzburg, 20. Septmber 03. Am Donnerstag, dem 17. September a. c. fand im Hotel Goldschrnidt, hier, eine zionistische Versammlung statt, die sich eines zahlreichen Besuches zu erfreuen hatte. Der Vertrauensmann der hiesigen Ortsgruppe, Präzeptor Oppenheimer, referierte über ״Ostafrika und Palästina“. Nachdem er ein Situationsbild des K<׳־m• Kresscs gegeben, betonte er. welch unermessliche Bedeutung dem Schreiben des Ministers von Plchwe an Dr. Hcrzl beige messen werden müsse; denn aus dies;־m Briefe gehe offenkundig hervor, dass die russische Regierung die Bcstrcbiingen des Zionismus im Sinn des ..Baseler P r o g r a m in e s " unterstütze. In Russland sei der Zionismus seiner Zeit wahrscheinlich deshalb verboten worden, weil hier Hiliskomittecs für Kischüiew wohl beträchtliche Summen Oeldes den tuglücklichen zuführten, jedoch immer den Standpunkt vertraten, dass die vom Unglück betroffenen nicht auswandern dürften. Und Russland wolle unter allen Umständen die Auswanderung. Oppenheimer kam ferner darauf zu sprechen, dass die Judenfrage niemals durch A Imose n zu lösen sei. mit der guten Begründung, dass viele unserer osten ropämschuü Brüder Wohlstand in materieller Beziehung aufzuweisen haben und der inatericllcn Unterstützung zwar nicht bedürfen; wohl aber würden sich auch und gerade ganz besonders diese Personen, die ebenso wie die Mittellosen unter dem Drucke der Uuirciheit Ridcn, nach einer Heimat sehnen, woselbst sie ungehindert ihre Fähigkeiten zur U'.itfaltung bringen könnten. Redner gal) nun bekannt, dass die Unterhandlungen Dr. Her/l’s mit dem Sultan, bezüglich der Kolonisation Palästinas darati gescheitert seien, dass der türkische Herrscher wohl eine Einwanderung gestatteil wollte, jedoch zur Zeit fiir eint' Selbstverwaltung der Juden nicht zu bewegen war. Sodann sprach er über das ״Ostafrika-Projekt“, wobei er die evtl. Ansiedelung in ״Britisch Ostäfrika“ keineswegs für eine Vernachlässigung des Baseles Pro grätumes hielt; denn deshalb sei das Ziel unserer Bestrcbungen nach wie vor ״Palüstin a“. Oppenheimer meinte sogar, dass man durch die Kommissionscrneimuug für Ostafrika aus diplomatischen und politischen Gründen, die des näheren auseinandergesetzt wurden, dem Endziele ״Palästina“ näher komme. Die 1H ständige Rede wurde von seiten sämtlicher Zuhörer mit grossem Enthusiasmus aufgenommen, sodass der Redner reichen Dank erntete. Die Ausführungen unseres Oesinnungsgenossen hatten auch grossen agitatorischen Erfolg; denn am gleichen Abend meldeten sich eine Anzahl neuer Mitglieder unserer Ortsgruppe an, darunter solche, welche vor dem Referat noch ausgesprochene Gegner des Ziontsmus waren. Spree FDr die Mitteilungen an dieser Stelle übernimmt die Redak■ tion des Blattes nur die pressgcsetztiche Verantwortlichen. Herr Dr. Blumenthal hat am Sonnabend, dem 5. d. M., In seiner Predigt in der Liitzowstr.-Synagogc mit seiner vortrefflichen Behandlung von Gelübden und Versprechungen vielen Zuhörern aus der Seele gesprochen. Gelübde und Versprcchungcn müssten unter allen Umständen criüllt und gehalteil, sollen daher nur dann gegeben werden, wenn die Möglichkeit der Erfüllung von vornherein vorhanden Ist, sonst lieber unterbleiben. Wer würde dagegen wohl eine Einwendung erheben können! Umsomehr ist es zu bedauern, dass er dabei den Missgriff beging, die Sache des Zionismus auf eine Stufe mit allgemeine!.! Gelübden und Versprechungen horabzuzlehen, und ich muss hier gleich die Erklärung abgeben, dass ich mich gerade durch diesen Umstand von nun au zum Zionismus hingezogen fühle. So sehr ich Belehrungen an geweihter Stätte respektiere, kann ich hier doch nicht zugeben, dass ehe so gewaltige, weltbewegende Idee, wie sie der Zionismus in sich birgt, mit anderen Versprechungen auch nur annähernd verglichen werdch kann; dazu kommt noch, dass die Träger der zionistischen Mee Niemandem Versprechungen gemacht, sondern nur ihr Streben bekundet haben, welches selbst %'0n Herr Dr. Blumenttial lobend hervorgehoben wurde. Die Idee des Zionismus wird, das glaube und hoffe ich mit aller Bestimmtheit, früher oder später verwirklicht werden. Wohl kann der Eifer und die Anhängerschaft für diese Idee manchmal durch momentan widrige Verhältnisse erlahmen, bez. sich vermindern, nie mehr aber kann diese Frage von der Tagesordnung verschwinden. Die Verwirklichung dieser Idee ist unter allen Umständen eher durchführbar, weil sic mehr Grundlage, Möglichkeit und Berechtigung hat, als der Polonismus, der doch nur noch ein Traum genannt wird; und wer kann selbst hier die Unmöglichkeit behaupten? Bei welcher Sache oder Handlung, klein oder gross im menschlichen Leben, kann man im vorhinein einen Erfolg oder Misserfolg prognostizieren? Am allerwenigsten doch dort, wo Weltpoütik mit im Spiele ist. Mag sein, dass die gegenwärtige Weltlage dieser Idee eicht günstig ist; allein ist gerade die Weltpoütik nicht allezeit auch wandelbar? Die Idee des Zionismus ist zu gross, zu edel, zu weitbewegend, zu sehr das spezielle Interesse aller Regierungen berührend, zu einschneidend in der Sozialpolitik aller Kultur- Völker, als dass irgend ein momentaner Misserfolg int Stande sein könnte, die Führer und Träger dieser Idee, deren gute Absicht weder von Freund noch Feind verkannt wird, in ihrem Streben wankend zu machen. Ich erkläre hiermit nochmals, dass ich mich jetzt voll und ganz zum Zionismus bekenne und schiiesse mit dem innigsten Wunsche, dass der baldige Eriolg noch viele Fernstehende von der segensreichen Macht dieses humansten Werkes überzeuge. Berlin, September 1903. Hermann Willig, Lfitzowstr. H. Nachbemerkung der Redaktion. Herr Rabb. Dr. Blumenthal hat Gelegenheit seinen ablehnenden Standpunkt dem Zionismus gegenüber in den zionistischen Volks ver- Sammlungen zu vertreten. Er wird diese Gelegenheit gewiss gern ergreiien, seine Polemik an einer Stelle zu begründen, wo ihm, gewiss nach seinem Wunsche, auch gca1׳twortet werden kann. Kleine Chronik. Bamberg, 24. Sept. (Auch eine Gcschäftsreklame.) Die Fabrik landwirtschaftlicher Maschinen vorm. Epple u. Buxbäum, A.-G. in Augsburg verbreitet in Ober- und Niedcrbayeru eine gedruckte Gescüättsempfclilung, die am Schlüsse den Satz enthält: ״Die Firma ist christlich, unser Herr Buxbaum ist Katholik". Und im evangelischen Mittelfranken kursiert dasselbe Schriftstück mit der Schlussbemerkung: ״Die Firma ist christlich, unser Herr Epple ist Protestant“. Hoffentlich ist dafür Sorge gctragcii, dass in der Fabrik keine katholische Dreschmaschine mit einem protestantischen Triebrad versehen wiid. Au der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums 111 Berlin (Lindenstr. *18/50) werden im jetzt beginnenden Winter- Semester 1903/190-1 folgende Vorlesungen gehalten: Herr Dr. Bauet h wird lesen: l. Talmud Balili sat. Jebainot Cäp. XVI, *I Stunden, Montags und Donnerstags 8—10 Uhr. 2. Jorc Dc'a (Tur und Schulchan’ Aruch, LXX1X-LXXXII), 2 Stunden Montags und Donnerstag 10 -11 Uhr. 3. Eeben ha’ezcr CLXIX (Forts.), 1 Stunde. Doiuierstag 1112-־ Uhr. -I. Misehne Tora, V. Buch, 2 Stunden, Montags und Donnerstags 12—1 Uhr. 5. Cusarl, 2 Stunden, Didistags und Freitags 11-12 Uhr. 6. Pentateuch mit alten Kommentaren, 2 Stunden. Mittwochs 11 bis 1 Uhr. 7. Einleitung in den Talmud, 1 Stunde, Montags 11 bis 12 Uhr. Herr Dr. El bogen wird lesen: 1. Erklärung des