Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 38 (18.9.1903)
- Date
- 1903-09-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Man ist sich dabei noch nicht ganz einig, ob man das Ostairikaprojekt, das dem Kongress in ersten Rudimenteil Vorgelegen hat. loben und preisen oder tadeln soll Hin Kläffer der Ica heilt bereits, dass die Zionisten in den Fusstapien der Ica wandeln und sich selbst in eine Art von Ica verwandeln, und der Spezialanzeiger für die Gcsammtintcressen des Getauften Judentums aus der Jeriisalcmerstrassc spricht offen von dem Bankerott des politischen Zionismus. Gemach. Noch ist der Zionismus nicht tot und nicht bankerott. Im Gegenteil hat ihm der sechste Kongress schon jetzt weite Kreise neu zugeiiihrt, die ihm bisher noch fremd gegenüber standen. Worin sollte also der Misserfolg liegen, da niemand selbst von den Gegnern den unendlichen Zufluss an neuen Zionisten zu leugnen wagt? etwa in dem Ausbatien unserer Kolonialbank oder in der netigeschaffenen juristischen Form des Nationalfonds? Nichts von alledem. Die Niederlage des Zionismus erblicken sie in der Tatsache, dass die Regierungen verschiedener grosser Nationen sich in ernste politische Verhandlungen mit dem Zionismus in der Person seines Führers Herzl eingelassen haben. Seitdem das jüdische Volk von der Scholle gerissen ist, auf der es seine uralte unübertroffene Kultur in klassischer Schönheit geschaffen hatte, war es ein Spielhall der Nationen geworden, die es für eine ganz besondere Liebenswürdigkeit anscheu, wenn sie einmal einen Augenblick lang einen 'Feil dieses Volkes nicht gerade unterdrücken. Zu allen Zeiten durch zwei Jahrtausende hat man uns national niedergedrückt. Aber in die Reihe der Völker hat man uns nicht gerechnet. Da zum ersten Male werden diese Parias von den Lenkern grosser Staatsgebilde als ein ebenbürtiges Volk behandelt, und man beginnt völkerrechtlich mit ihnen zu verhandeln. Das ist freilich ein solcher Misserfolg, dass das Blatt des Protestanten Arthur Lcvysolm nicht umhin kann, von dem Bankerott der Partei zu sprechen, die diese Sachläge geschaffen hat. Wir sprechen geflissentlich nicht über das Entgegenkommen einer Regierung, welche die Kischinewcr Greuel nicht verhindert hat, auch wenn wir die assimilationslüsternen Artikel des Petersburger ״Hazeman“ eigentlieh auf ihr Nichts ziirückiüiircn sollten, aber ohne Umschweife können wir auf das einzigartige Entgegenkommen Aegyptens hinw׳eisen, das in seiner Haltung in der Sinaifrage nur noch von der Hochherzigkeit der Britischen Regie־ung iihertroffen wurde. Die Englische Nation, die s;oh nicht gern dazu drängen lasser, möchte, die Türen der Einwanderung vor den Tausenden armer jüdischer Flüchtlinge ein klein wenig enger offen stehen I.! zu lassen, macht den! Jüdischen Volke ein Lau; igei :bot, und öffnet damit weit die Tore, die das vertriebene Volk zu Hoffnung und Heimat führen sollen. Ein Land mit judenstaatliclicr Organisation und jüdls-dver Selbstverwahung will die Britische Regierung der Jude■ :heil Kolonialbank iiir ihr Volk übergeben, und damit den Vortricbcucu und Verfolgten eine Heimat schaffen, für die das ״Berliner Tageblatt** und seine Trabanten nur den einen Rat haben, sieh in dem Lande ihrer Unterdrückung ruhig totsclilagen zu lassen. Von diesem Standpunkte freilich bedeutet das dem Zionistenkongiess von England gewordene Landangebot einen Bankerott. Diese Leute müssen von einem Misserfolg sprechen. Sic ,die durch ilire Unterstützung die grosse deutsche liberale Bewegung zu gründe gerichtet haben, wissen natürlich nicht, was ein rechter Erfolg ist. Dieses ״Berliner Tageblau“, das durch sein vorgebliches Eintreten für die Juden in dem Jiesten und gerade dem idealsten Teile der'Deutschcn von den Juden das Bild einer nur auf den materiellen und politischen Vorteil bedachte Krämermasse fälschlich hervomnt. schaudert natürlich zusaurinen, wenn cs ein selbstbewusstes, aufrechtes Judentum erblickt. Es hat deshalb seit Jahren die zionistische Bewegung totgeschwiegen. Ein 'l'eil unseres Misserfolges und unseres ״Bankerottes“ ist cs auch, dass das Tageblatt uns nicht mehr totschw eigen kann, und sich genötigt sieht, Unwahrheiten über den Zionismus zu verbreiten. Was haben wir nicht alles schon durcligeniacht in den sieben Jahren des Kongresszionisunis. Man hat uns für wahnsinnig erklärt und uns fromm als Vaterlands- \ errätcr denunziert. Man hat uns gleichzeitig für religiöse Fanatiker und Reaktionäre und iiir radikale Gottesleugne!• und Materialisten erklärt, man hat uns totprotestiert und totgeschwiegen. Und cs hat alles nichts genützt. Wir leben und gedeihen. Und jetzt lügt man 1ms von neuem tot. Und wir leben und gedeihen. Sind das keine Misserfolge lind kein Bankerott? Die Britische Regierung verhandelt mit uns über die Gründung eines lialhsouveränen Judenstaates. Ist das kein Bankerott? Noch einige Misserfolge, und wir haben gesiegt! Heinrich Sachs e.