Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 36 (1.9.1903)
- Date
- 1903-09-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 386. Jüdische Rundschau No. 36. Jahre wird die Lage der Emigration kritischer. Die Imniigrationslünder verschlüsselt ihre Grenzen. Da wir Zionisten uns ־ * als einzige Vertreter der jüdischen Nation fühlen» und es auch wirklich sind, so ist es doch in erster Reihe unsere Sache, auf dieses Bedürfnis 7,11 reagieren. Ich antworte Ihnen also mit dem Gegenteil: Wir haben kein Recht, unsern Wühlern gegenüber diese Frage ohne weiteres abzulchnen. (Beifall.) Wenn cs aucW wahr ist, dass wir kein Mandat haben in dieser Riehtung, müssen wir uns doch auf einen sachlichen Standpunkt stellen und uns sagen: Alles, was von dieser Tribüne herunter geboten wird, um irgend etwas Positives im Judentum 7n schaffen, ist unsere verdammte Pflicht und Schuldigkeit, /,u prüfen. (Beifall.) Die Frage ist jetzt bereits in die Orientlichkcit gekommen. Sie wird Gefühle wecken, Stimmung machen für sich selbst. Es ist die Frage, ob sich nicht andere Leute dieser Sache bcmüchtigen. Soll die Ica oder irgend eine andere philanthropische Körperschaft die Initiative ergreifen? Das ist politisch falsclt gedacht. Wo bleibt unser politisches Selbstbewusstsein, wo unsere zionistische Zuversicht? Sollen wir eine derartige Sache etwa einer Körperschaft vertrauen, zu welcher wir sonst in nationalen Fragen kein Vertrauen haben? Sollen wir etwa die Assimilationskörperschaftcn wa!־ ten lassen? Niemals. Ich wende mich dem dritten Grunde zu. Die Herren, die sagen: Wenn wir eine Autonomie in Ostafrika Italien, haben wir alle Hoiinung auf Palästina aufgegeben, befinden sich in einem logischen Widerspruch. Die Herren sagen:. In dem Augenbrick, wo es den Juden gut geht, wo also das sozial- Ökonomische Motiv verschwunden ist, welches auf eine offen(- lieh rechtlich gesicherte Heimstätte dringt ist das Strebet! nacli Palästina nicht mehr vorhanden. Damit behaupten Sie, dass auch jetzt, bei der jetzigen Lage der Juden in allen Ländern nur noch das sozialökonomische Motiv das treiljer.de ist, für die Erreichung eines Judenstaates. Damit sprechen Sie gegen sich selbst. Wenn Sie folgerichtig sein wollen, müssen Sie sägen: Ebenso wie die Juden nicht nur aus sozialökonomischen Motiven nach Palästina ,streben, sondern aus romantischen Stimmungen, aus Gefühlen, Tendenzen des Herzens (Beifall. Widerspruch), ebenso wie jetzt ein Komplex seelischer Zustände vorhanden ist, welcher die Juden drängt, die Aufuicrksamkeit der alten Heimat zuzuwenden, so wird er auch beim Vorhandensein einer politischen Automie der Juden in Ostafrika bestehen bleiben. Und nun appelliere ich an die politische Reife und an das Interesse eines jeden Zionisten an der Lage unserer jüdischen Masse, dass wir uns davor hüten, ohne weiteres die Sache abzulchnen, sondern dass wir unsere Pflicht und Schuldigkeit erfüllen und eine Kommission cinsctzcn. Nichts ist leichter als nein zu sagen. Aber wir, die wir etwas schaffen wollen, stehen jetzt vor der Aufgabe, auch diese schwere Last auf unsern Rücken zu nehmen. (Beifall.) Präsidium Dr. Bodcnheimer: Ich habe die Absicht, den Kongress zu fragen, ob er die Debatte schlossen will, nachdem von verschiedenen Seiten dieser Wunsch gefiussert worden ist, obwohl der Kongress vor kurzer Zeit das Gegenteil beschlossen hat. Berger spricht für Schluss der Debatte. Bub er: Ich bin gegen Schluss der Debatte, beantrage aber Schluss der Sitzung und morgen Fortsetzung der Debatte. Wir müssen aus zwei wichtigen Gründen sclilicsscn: 1. weil es unbillig wäre, wenn die Aktionskomitee-Mitglieder losgelöd von den übrigen Rednern sprechen würden und morgen nur einflussreiche Redner zum Wort kämen. 2. Halte ich cs für unstatthaft, wenn diese wichtige Frage jetzt in Abwesenheit von Dr. Herzl abgeschlossen wird. Deshalb verlange ich im Interesse einer rechten, würdigen Erledigung der Sachet dass wir jetzt schlossen und morgen weiter debattieren. Dr. Marmorok: Keine Frage hat diesen Kongress so sehr beschäftigt wie die Ostairika-Frage. Nirgends haben wir so viele Redner gehört als in dieser Frage. Nirgends sind die Überzeugungen in uns so fest, wie in dieser Frage. Ein: Beciiiflussung ist kaum möglich (Gegenrufe). Wenn morgen Dr. Herzl noch zur Sache sprechen wird, wird es einzig darum sein, damit wir erfahren, welchen Eindruck er hat. Ich bitte Sie, bis zum Schuss: zu verharren. Rosen hau m: Ich war auch dafür, dass wir heute die Generalrcdner zu Ende sprechen lassen. Nun habe ich aber erfahren, dass nach den Generalreiinern noch zwei Referenten über diesen Gegenstand sprechen sollen. Das ändert die Situation. Es bedeutet das mit andern Worten, dass die ev. Wirkung, die die Kontra-Redner hervorrufen würden, morgen durch die Referenten «!!geschwächt werden soll. Wir wollen das ganz klar und offen betonen. Das Präsidium schreitet zur Abstimmung und erklärt als Resultat Schluss der Sitzung. (12ז i Uhr.) Nationale Lieder werden von den Delegierten vor dem Aufbruch .im Ma«,>enehor gesungen. *fgqggi#** Nationalfond. ־ m esftanrrt *׳*'צדי"*# Von zwei K 0 n g r e s s g ä s t eil aus Mulhausen i. K. . A. F. in Basel .... . 4 Franken“ ־.4 *t J. C. in Basel .... ) . - J. C. in Basel .... Sammlt mg 20׳ Franken —' 16. - H A. M. in Basel . . . . . 1 Frank (l,Nl B i c k 11 a r d -Strassburg für verlorene Wette . . ״•.3 M (L ..) Frau .,Milka" an1 1:issiieh ihres Geburtstags in Basel . . . 2.40 «« Aus Anlass des VI. Zion istenkor .*resses im Hai!?: N ach ui a n n s e 11 n ־ Dat!z:g von einigen Ziousfrcunden gesaut m-lt . 20. - « Walter -Kaiserslautern. 1.— Pie ״Lübecker Zion. Ort^grupne“ spendet anlässlich des VI. Kongresses 20 0 M k.!11 r den Nationalfond und beschloss, den Namen ihres hochverehrten Kongressdciegierten Dr. nied. Adler- Lübeck in das Goldene Buch eintragen zu lassen.. . 200,-״ 2S3,2ü Mk. ־־׳• \י~.ץ~״וs ״.״^ ׳־״, ■.״־,y y» * '׳ ׳׳■׳*.-% ■ ׳»״—י•י*' ».,.y ־<«/ V«.1' v,.■1 ^-״׳ Zum bevorstehenden Sukkoth-Fcstc machen wir darauf aufmerksam, dass jeder Jude seinen Ethrog nicht von unsern Feinde n. den ü r i e c h e n in Kor 111, sondern nur aus Palästina beziehen soll. Herr Rabbiner Reines in Lida hat in Uebcreinstinummg mit sämtlichen, auf dem Kongress anwesenden gesetzestreuen Rabbinern erklärt, dass die Sclunittah keineswegs einen Grund biete, auf die Palästina- Ethrogim zu verzichten. Vom Standpunkte des jüdischen Gcsetzes sind die Paläsiina-Ethrogim allen anderen vorzuzielien. ®®O® •C*3*T*ä 0 Ci’v/OC»3י•?■ ‘.SC -JNi'O Ablösung' Wir machen alle Freunde unserer Sache aufmerksam, dass cs eine Unsitte ist. die dem j iid i s c 11 e n Geiste nicht entspricht, zu — n נ £* r. durch Briefe. Karten und Telegramme zu gratulieren. Wir bringen, wie im vorigen Jahre in Vorschlag, die Neujahrsgratuiationen durch entsprechende Spenden für den Nationalfond abzuiüsen. Wir sind gern bereit, in unserm Blatte diese Ablösungen ah erster Stell: zu quittieren, und bitten unsere Freunde, recht reichlichen Gebrauch hiervon zu machen. ✓די4 .•*״**^ ,־*יי-> fiy, |rty *r! * V.״ ׳ Vr 1W1 sü״ % f’ V(,;<y Verantwortlicher Redakteur: Dr. Heinrich Loewe, Berlin NW. 40. Lehrterstr. M/15. Verlag Jüdische Rundschau, ti G. m. b. It., Berifa C. 22, Auguststr. 49a. Druck: P. Lenz & Comp., G. nf. b. H. Berlin O. 27, Holzmarktstrasse 4.