Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 34 (21.8.1903)
- Date
- 1903-08-21
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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No. 34 Seite 36Ö. ^______«tüdisolie Jäfcundselia,!!. Der Bericht empfiehlt die staatl iclic Ueberwachung der Premdeneinwanderung, die Errichtung eines eigenen Einwanderungsamtes, um den Zutritt von Personen zu verhindern, die dem Staate lästig werden können. Die Kommission stellte fest, dass der Zufluss der russischen und polnischen Juden einer besonderen Ueberwachung bedürfe und schlägt eine Reihe schwerer Zwangsmassregeln vor. Dadurch ist die Einwanderung nach Eng־ land für die Juden des Ostens ausserordentlich erschwert. Nicht IS-10, sondern 190.1. In Krakau hat ein allgemeiner Rabbinerkongress stattgefunden, zu dem die Anregung von Rabbiner A. M. C o 11 c n ־ Kairo ausgegangen war. Er begann mit einer grossen Demonstration, der feierlichen Ablegung eines Eides, dass das Judentum zu keiner Zeit etwas mit dem Ritualinord zu schaffen hatte. Wir wollen kein Hehl daraus machen, dass'wir diesen Eid, der für unsere grimmigsten Feinde hestimmt ist. für wirkungslos und. iiberiliissig halten, denn s;e werden einfach ihre zweite These erlichen, dass ein Eid tiir Juden keine bindende Kraft habe. - Von den Einhermetu war der allgemeine Kongress ferner als Tribüne zur Beratung wie!!- tiger politischer lind religiöser Fragen gedacht; leider ,nahen anscheinend einer Anzahl reaktionärer, nebenbei antiziouistiseher Rabbiner diesen vernünftigen Gedanken in sein Gegenteil verkehrt, den Kongress zum Tummelplatz ihrer rückschrittlichen Ideen gemacht und dadurch jede gedeihliche Arbeit verhindert. Dass unter dieser Inspiration eine Debatte über den Zionismus verboten wurde, ist nur natürlich und dient zur Charakteristik der Verhandlungen. Schade, dass der ideale Vorschlag eines tüchtigen .Mannes so zutn Spott gemacht worden ist! D|)cr eine gesunde Jüdische Bevölkerung hat kürzlich der ungarische Staatsrat Kaiika in einem Expose über das Komitit Maragarosch seiner Vorgesetzten Dienststelle Bericht erstattet. Er sagt darin: ״Tatsächlich erfährt man, dass ein grosser Teil der Juden dort von seiner Körperkraft lebt Sie arbeiten teils in Wäldern, teils mit ihren Familien auf Feldern, auf eigenen Feldern «hier aui fremden in Tagclohu; sie mähen und häufeln, sic hämmern in Werkstätten und spannen sich vor kleine Lastwagen. Die schwere Fuhrwesenarbeit — Bretter- und Schiitdelverfrachtung ist unter ihnen sehr bedeutend - bildet fast ausschliesslich der Juden Erwerbsquelle. Der Mararoseher Jude würde sich schämen mit dem* Hausierbuckel wie der Jude des ungarischen Tieflandes heruuizugelien. da dies dar.mi hinweisen w ürde, dass er vermögenslos ist und die Arbeit scheut. Ihre körperliche Kraft könnten sie um so eher zur Grundlage ihres Erwerbes nehmen, als ihre Lebensbedürfnisse — und dies ist ein sehr wichtiges ökonomisches Moment -- so gering sind, dass nach dieser Richtung hin mit ihnen nur der chinesische Kuli konkurrieren könnte. Die körperliehe Arbeit bietet, hesonders hier, keinen Wohlstand, keinen Überfluss, kein Vcr mögen; dennoch entsehliesst sich der Jude sehr leicht dazu, da sein nüchternes Lehen — wer hat schon einen maramoruschen Juden betrunken gesehen? — seine Ansprüche hinsichtlich der Wohnung, Kleidung und Verpflegung geringer, als die der russischen und rumänischen Dorfbewohner sind. Der Statiner jüdische Arbeiter in der Dampfsägemiihlc bekommt für sechs Arbeitstage sechs Kronen Woelieiilolui, und daraus erhält er sich und seine aus fünf bis sechs, zuweilen auch aus mehr Köpfen bestehende Familie. Nur Samstags essen sie Eieiseh. Kukurybrot, Zwiebeln, Bohnen mul Haidekörn geben den täglichen Speisezettel ah. Das Weih kocht einen Topi Bohnen von sechs bis acht Litern, seiht sie ab. worauf die Familie über den Topf her geht, jeder ein bis zvvei Tage daraus löffelt, bis er leer wird, dann folgt Buchweizen oder Erdäpfel. Dabei wird, wenn das Kind krank wird, der Arzt sofort gerufen, und die beste Pflege wird ihm zuteil, wenngleich cs schon der 11־. oder 15. Sprössling ist, denn in der Fürsorge um die Kinder und auch in der Reinheit des Eamiliealeheivs kamt der Jude leder vaterländischen Volksfamilie immer als Muster dienen.“ •»ייייי■ ■י ""»<**• ן»יי^ייייייייי■' IHU0umS*tH Sprechsaal. Für die Mitteilungen an dieser Stelle übernimmt die Redak- 11 tfon des Blattes nur die pressgesetr'iche Verantwortlichen, fff Wftdl-el-’Aräsch. Der Ankauf von Wädi-el-’Arisch hat bereits viel Aufregung hervorgerufen, auch unter sonst kühl erwägenden Delegierten. Und diese wollen heim Kongresse scharf gegen den Ankauf aus folgenden Gründen protestieren: .,W;'1di-el-Ari$ch ist nicht Palästina. Wir Zionisten haben in Palästina eine gesicherte Heimstätte für die Juden zu schaffen. Nur für palästinensisehen Boden ist das gesammelte Geld bestimmt und Wödi-cI-’Arisch gehört bereits zu Aegypten imd hat für uns dieselbe historische Bedeutung wie Kanada oder der Kongo oder irgend ein :«:uleres Land." Dagegen kann man wohl!1 .!!ulierlei Gewenden. W'ädi-cl-'AriscIi, zum Teil das Land der Philister, als!» der Feinde des alten Reiches, können wir. wenn es absolut notig ist. auch mit historischer Bedeutung ansstatten. Das ..Buch der Richter" erzählt v»•:: fortwährenden Kämpfen imso rer Almen mit den Bewohner:', des Landes. Wädi-d-'Ariscii ist somit ganz gewiss mit rech; siel jüdischem Blut getränkt als heiss umstrittenes Citenziend. Wahrscheinlich war es auch einmal sogar jüdischer Besitz. Nun. wohlan, beziehen w ir auch die späteren Eroberungen unserer Vorfahren in das Bereich unserer verehrenden Gefühlt.^ Pari denn schliesslich mir der Ih deu als geweiht gelten, aut dem die alten Juden ruing mul gemächlich unter ihrem Weinstock sassen, kamt es nicht auch jener sein, auf dem sie ihr Bit:; und eventuell ihre Kopfe Ikssvn? Das sind behäbige Anschauungen, solcher würdig, die nur dein Kultus ihres Bauches frölmen, oder erdacht von nur in Pietät erstarrten Amit; >:t: :cnhünüiern. die nur den Boden als heilig ansehen, der in der Bibel verheisseu wurde. Und übrigens, abgesehen von heiligem und ehrwürdigem Altertum! Es ist Gegenw׳artsarbeit nötig; darin sind alle einig. Wohin mit den russischen und gatizischen Emigranten? Soll man sie wie bisher mit dem Gehle der Wohltütigkeitsvei - eine, oder wie diese jetzt ihnen ein donnerndes ״Zurück!'* gebieten mul sie verkommen lassen «der sie in die Kolonien nach Argentinien bringen, also wieder zerstreue.״.? Und warum nicht nach Palästina? Dagegen werden wohlerwogene Gründe im Interesse des grossen Endzieles sprechen. Wir können nicht so langsam, gründlich arbeiten, wie die theoretische Vorarbeit, der Grösse der Idee entsprechen.!, allein es erheischt, es drängt uns die grosse Not. Es ist gm au.s wirtschaftlichen Gründen, wenn wir die vom Suezkanal und Roten Meere nach Pa.ästina führenden Handelswege mit unseren Leuten besetzen, bevor uns andere zuvorkommen. Und Englands Anteil nehmende Bevormundung, gleichviel ob es der Abwehrgedanke für sein Hcimatsland oder der kommerzielle Zukmutsplan leitet, kann nur von Vorteil für die Sache sein. Innsbruck, II. August löhj. Falk Wuinre b. ....»«.. Allerlei. Zunächst ist 711 konstatieren, dass unsere Konzerte und Kunstausstellungen aufhören müssten. — mit Ansnähme der subventionierten ~, wenn die Juden plötzlich verschwänden und nach Palästina auswanderten. Auch die Buchhandlungen müssten zum grössten Teil geschlossen w erden, weil es zum überwiegenden Teil Juden sind, die Biicl«*r kaufen. Mit einem Wort, w ir würden auf einen Schlag in das Mittelalter zurückversetzt werden, in ein Mittelalter, das nur durch Dampf und