Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 31 (1.8.1903)
- Date
- 1903-08-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2651273-2651289-2651320--00570-2657368- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
I"!. f;r'1׳ ״rauf »'־«' ־''NteÄrf # * ' >i ' 4 '»4 '״*'״M»#*'-י• b '^יל־:# W1 Abonnementspreis (Zusendung Inbegriffen) Vierteljährlich s 1. durch dl« Expeditions a) in Berlin M. —,מי. b) nach auswSrts M I,— c) für das Ausland M. 1,50. *. Im Po»t*bonnoment M 1,25 3• bet Sammolboxug durch die Ortsgruppe M —,60. Postzeitungsliste No. 3044. Inserato die Viergespanne Petiuriie 25 Pf. Inseratenbellagen 15 M 2ä Oraan sä w TT der s® § ׳5 y/ lOr.solieiut jeden l^Veiln^.? Adresse für Geldsendungen und Bestellungen: Verlag 3fldlsd1e Rundschau, E. O. m. b. H. Berlin II54, Buguststrasse flr. 49 cu Sprechstunden: t. 4—5 Uhr nachmittags. Redaktion: Dr. Helnrldt heewe, Berlin UW. 40, üehrferstraise 14/15. Sprechstunden: Montag und Donnerstag 4—6 Uhr. No. 31. Berlin, 1. August 1903. 8. Abh 58S3. VIII. Jahrgang. MM*■(*•«■!■■ Tiscliah-b’Abh und Jobei! Alljährlich, wenn die Zeit wiederkelirt, wo die reichen Leute in Bädern und Somnicririschcn ver- Kessen, dass in der Gressstadt die soziale Not immer Kcbleterisclier das Haupt erhebt, kehren auch die Tage wieder, in denen der gesetzestreue Jude sich von je dir öffentlichen Lustbarkeit und freudigen VeranstaltunK femhält, weil es die Tage sind, in denen sich das jüdische Volk offiziell erinnert, dass es heimatlos ist, und dass ein Unglück cs betroffen hat. das alles übersteigt, was den .Nationen im Laufe ihrer Wechsel vollen Geschicke je begegnet ist. Aus dem heimatlichen Boden gerissen hat das jüdische Volk seit der Zerstörung Jerusalems, deren wir am neunten Abh in tiefster Trauer gedenken, keine Ruhe gehabt, und zwei Jahrtausende immer sich gleich bleibenden Unglücks und namenloser Unterdrückung haben dein kleinen hebräischen Stamme das Gepräge anfgedriiekt, das es so charakteristisch auszeichnct vor allen andern Völkern der bewohnten Erde. Eine Nation, zerstreut und zersplittert, dem alle sonst kennzeichnenden Merkmale einer Nation zu ielilen scheinen, und das doch unverkcimbn״ eine Nation ist, mehr als alle die andern Völker und Stämme, denen diese Merkmale eignen. In tiefster Wehmut erinnern wir uns in den Tagen des Monats Abh, und ganz hesonders am neunten dieses Monats, dass alles Unglück, das unser Volk betroffen, sich aus der Zerstörung seines Staatswesens herschreibt, und dass der Tag der Zer- Störung Jerusalems, der Tischah-b'AMi zugleich der Geburtstag der Judenfrage war. Der traurigste Gcburtstag freilich, den die Weltgeschichte kennt. Eine alte Ueberlieferung unserer Väter aber erzählt uns, dass eben dieser neunte lag im Monat Abh auch der Geburtstag dessen sein würde, der dereinst mit starker Hand und ausgestrecktem Arme unser zwei Jahrtausende von der heimatlichen Scholle vertriebenes Volk nach Zion zuriiekführen. den unterdrückten Stamm befreien und einer neuen Kulturblüte entgegenführen würde, die hinter der alten Herrlichkeit nicht zurückstellen solle. * Sollte diese .unverwüstliche Hoffnung des vertriebenen Stammes nur ein frommer Optimismus,' nur ein ruhiger Traum sein, der uns über das Elend der Gegenwart, über Kischinew und Könitz hinwegtäuscht, so ist sogar ein solcher Traum es wert, ihn auszuträumen und sich nicht aus ihm hinwegtreiben zu lassen. Und doch ist es kein Traum! Es ist die eine einzige Lösung, die für die Judenfrage möglich ist. Es gibt keine andere. Die Wurzel alles Uebels. das die Juden betroffen', ist die Zertrümmerung ihres Staates• und die Zerstreuung in die verschiedensten Länder, und es ist mir möglich, dem Volke wieder eine solide Unterlage zu geben, wenn man die letzten Ursachen entfernt, aus denen sich das Unglück unseres Volkes hersch reiht, die Grundursachen aller Judennot und aller Not des Judentums. Das heisst, cs gibt ausser völligem Untergang nur eine mögliche Lösung der Judenfrage, und zwar die Wiederherstellung der jüdischen Nation in ihrem eigenen Lande. 'Und darum ist derselbe Tischah-b'Abh, der uns als Geburtstag der Judenfrage tief erschüttert, zugleich die sicherste Gewähr für die Berechtigung unserer Zuversieht, dass wiederum auf Zion das Banner des* Judentums wehen wird, und wieder der Winzer auf den Bergen von Schon!ron und der Bauer in der Ebene von Saaron in behäbiger Sicherheit ihre Ernte einheimseu werden. Aber auch die Art und Weise, wie wir das altneue Land in Besitz nehmen werden, findet im Tischah-b’Abh einen wichtigen Hinweis. Denn wir wollen es nicht übersehen, dass die grossen Männer des alten klassisehen Judentums von imserm grössten Propheten Mose immer wiederholt haben, dass die Ursache zum Untergange die Verletzung der alten Agrarverfassung und der sittlich-sozialen Ordnung des hebräischen Staatswesens war. Die Sabbatjahre und die Jobeijahre, die nicht inncgehalten wurden, die Unterdrückung der Armen und die Riicksichtlosigkeit gegen den Schwachen sind die Gründe gewesen, die dem alten Judeustaate die Widerstandskraft geraubt haben, die ihm durch eine mehr als tausendjährige Geschichte der schwersten Kämpfe gegen eine Welt i» Waffen gesichert hatte. Wenn uns die alte Volkskraft wieder erblühen soll, wenn wir wieder in gesunden Verhältnissen unser eigenes Land besitzen und das Judentum neu werten wollen, so müssen wir an die älteste Verfassung unseres Gemeinweseus w ieder anknüpfen und vor allem in moderner Form jenes Jobeljahr erneuern, das unsern alten Staat der modernsten aller sozialen Bewegungen hat zum Muster werden lassen.•) Und es ist einer der grossartigsten Züge, die den modernen Zionismus auszeich- *).Wir verweisen wiederholt unsere Leser auf das vortrc.Tliclie Buch von Adolf Damaschke: Die Bodenreform; Grundsätzliches und Geschichtliches. Berlin: Räde 1902, unu zwar besonders auf das’Kapitcl ״Die Bodenreform in Israel*. I