Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 28 (10.7.1903)
- Date
- 1903-07-10
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2651273-2651289-2651317--00522-2657317- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 282. ו Jüdische Hundsdimi• Nr. 28. Des Weiteren ist noch ein anderer Umstand, welcher gelehrte Mätaier, ausser den Rabbinern abhält, mehr als eine Saison hindurch sich den Strapazen von Winterrcisen auszusetzen und der guten Sache zu dienen. Es ist das eine von vielen Rednern beklagte Unkulanz seitens der Verelnsvor- Steher, nämlich au! ihre Anfragen nicht einmal auch nur die körzeste Antwort zu erhalten, eine Unart, die nicht strenge genug gerügt werden kann, und von vornherein abschreckt, sich in den Dienst einer Sache zu stellen, der doch nur seiten aus materiellen Erwägungen allein geleistet wird. Es könnte wohl als Entschuldigung vorgebracht werden, dass an einzelne Vereine sehr viele Offerten gelangen. Aber das enthebt niernanden, gebildeten Männern gegenüber, die einfachste Regel des guten Tones ausser acht zu lassen. Auch darüber wird von Rednern Klage geführt, dass pelu häufig die Vereine sich der Reisegelegcnheitai jener anfiigen und es nicht selten vorkommt, dass Vereine auf derselben Linie und Nachbarschaft, ohne Rücksicht auf die Reisespesen und Zeitverluste, zu ganz verschiedenen Zeiten denselben Redner berufen. Das kann sicherlich nicht die Freude an» Wanderreden und Vorträgehalten erhöhen und muss notw^ndigerweisc gerade die befuhigsten Redner unserer Sache abwendig machen. Fassen wir das hier erörterte nochmals kurz zusammen, so resümiert sich hieraus die unerlässliche Notwendigkeit erstens in der Honorarbestimmung festere Grundsätze zu fassen, exorbitante Ansprüche zu reduzieren und bewährten Rednern nichf ein Honorar anzubieten, das einem Douceur näher kommt, als einem massvoücn Aequivalcnt Etwas mehr gleiches Mass für, wenn auch nicht in der Titulatur, so aber doch in ihren Leistungen ebenbürtigen Rednern, wird uns manche oratorischi und geistige Kraft mehr zuführen als gegenwärtig zu erwarten ist. Vor allen Dingen sollten örtlich naheliegende Vereins mehr Ucbcrcinstirnmung in der zeitlichen Berufung und Honorarbcstimmung an den Tag legen und den Vcrcmssekrclaren die Pflicht auferlcgt werden, den Forderungen des guten Tones gerecht zu werden. In dem Rahmen dieser Betrachtung kann einer Bemerkung des Herrn Dr. Moses in Berlin nicht unerwähnt blcibco, nämlich dass den Mitgliedern von Littcraturvereiudi vo! Augen geführt werde, dass man geistige Leistungen doch etwas anders bewerten müsse, als es bisher dort Gepflogenheit war. Weniger in Uebercinstimmung als mit den Ausführungen des Herrn Dr. Moses, kann man sich mit denen eines anderen Redners erklären, wenn dieser die öftere Wiederkehr der• selben Themata bemängelt. Der Ton macht eben die Musik. Ein Vortrag, der voriges Jahr in Breslau Beifall erntete, kann dieses Jahr ebensogut in München gefallen dann nächstes Jahr wieder in ,Frankfurt. . \ Aus der Bewegung. *™0- ——יW Die Sitzung des grossen Aktions-Komitees findet Freitag, den 21. August, in Basel statt. Das grosse Aktionskomitee hat den sechsten Zionistetikongress für den 23. August dieses Jahres nach Basel einberufe!!, mit der Tagesordnung: I. Eröffnung des Kongresses: Dr. Theodor Herz!. 2. Bericht des L e g i t i tu a t i o n s a u s s c h u s s c s. 3. W a h 1 des Bureaus und der Ausschüsse. 4. Rechenschaftsbericht des Aktions־ Komitee s. a) Allgemeiner Teil. Referent Architekt 0. Marmorek. b) Kassenbericht. Referent: Dr. C). Kokcsch. 5. Diskussion. 6. Bericht der Landesausschfissc.?.Auswanderung und A11 s i e d e 1 u n g. Referent: Dr. Max Nord au. 8. Der Zionismus und die W 01! 11 ä t i g k e i t s ־ a n s t a 11 c n. Referenten: I. Z a n g w i 11 und N. S o k o I o \v. 9. Bericht über den Nationalfond. Referent: I. K remen c־zk y. 10. Bericht der N a t i 0!1 a 1 f 0 n d k o 111 m i s s i o n. Referent: Dr. Parbstein. 11. Organisation und Agitation. a)Allgemeiner .Teil. Referent: Sir Francis M o 111 c 1 i o r c. b) Organisation. Dr. B 0 d c n h c i tu c r. c) Agitation. Referent: Dr. Alfred Klee. 12. Bericht über die Jüdische K o 10 n i a 1 b a 11 k. Referent: D. Wolffsohn. yys?IM«!» ssaassEfsm Feuilleton mfhm .A.. J u. * «m.m ׳׳!*׳ ■■ *.*•׳ *)*•***•£%'+ Vf ־ ‘►י,» Kulturelle Streifzüge im jüdischen Orient. (Nachdruck verboten.) III. Von Konstantinopel nach Beirut. (Fortsetzung.)! Seit Dyzantion befinden wir uns aui dem Schauplätze klassischer Menschheitsgeschichte. Kaum ein Ort an der ganzen Küste, der Fropontis bis hinunter nach Gynaion und in das phrygische Dorf Melissa, wo der athenische Held schmachvoll ermordet worden, erzählt nicht von den Taetn und Schicksalen eines Alkibiadcs, während wir in Selymbria seine ganze Grösse begreifen. Hier war das propontische Reich der attischen Grossinacht, dessen Anfang die langgestreckte Chersonnesos zu unserer Rechten war, die einst der athenische Dolonkerherzog Miltiades als Mitgift seinen Staate einbrachte. Indem das Schiff beim alten Rhoitcion nach Westen umbiegt, um aus dem südlichen Ausgange des HeUesponts auszulaufen, haben wir icne Insel weit vor uns, von welcher der attische Tragöde einst sagte: ״Die Küste ist dies von dem aliumströinten Landes Leinnos den Sterblichen versngtund unbewohnt“, während Imbros wie eine rechtsscitige Fortsetzung des Chersom.es aussieht. Der verstossene Heid Philoktetes, der hier aui Leiuncs sein einsames Leid dem fcnitüncndcn Echo klagte, weckt in uns die alten Erinnerungen an die Sage vom Trojanischen Kriege. Kaum eine Stunde später durchfahren wir de!» breiten Sund zwischen Tenedos und dem Fcstlandc, wo im Hoclitaie des alten Ida Troja lag; darüber stieg die stelle Felsburg Pergamon empor, wo der fromme Priamos mit seinen Söhnen über das alte Kulturwerk der Dardancr gebot, deren Namen die Dardanellen fortpflan• zen. Im Geiste ziehen an uns Vorüber die Heerkönige der Achaeer die vor den naclirückenden Bergstämmcn