Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 28 (10.7.1903)
- Date
- 1903-07-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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:?-«?**■יי*־ *#<י״|>,§ו*ן* Abonnementspreis (Zusendung Inbegriffen) Vierteljährlich! f. daroh d!0 Expedition: a) In Berlin M —,9a b) nach auswärts M I,— c) für das Ausland M. 1,5a t. Im Poatabonnemeat M. 1,25 3. bei Sammolbozug dar oh die Ortsgruppe M. —,50. Postroltungslloto No. 8944. Inaorato die viergcspaltcnc PctItzcIIc 25 PI. Ineeratenbellagen 15 M Organ der Zionistischen Vereinigung für §6l8Ss©i>li«wd• Erscheint jeden Freitag. W f Adresse für Geldsendungen and Bestellungen: Verlag Sflcflscfie Rundschau« E. G. m. b. II Berlin n Sl, HugusJsfiasse flr. 19 a. Sfredistunden: v. 4—5 Uhr nachmittags. Redaktion: Dr. Heinrich üeewe, Berlin flW. ♦0, üehrtersfrasse H.15, Sprechstunden: Montag und Donnerstag 4-5 Uhr. ■——W—wuQg^m1—m» 1— No. 28. Berlin, 10. Juli 1903. 15. Tammuz 5863. vm. Jahrgang. 1 I I f י י f Hüten wir es! (Präludium zum sechsten Zionistenkongress.) ln der zionistischen Welt werden Beratungen abgehalten, die Vereine konvcntikeln, die Landsmannschulten halten ihre Meetings und in einigen Wochen, wird die sechste jüdische Nationalversammlung im Kasinosaal zu Basel tagen. Wieder wird inan in der Welt aufhorchen, wie Juden beider Hemisphären, auf den Ruf der Nation herbeicilen, um ihre Lage offen vor aller Welt zu besprechen, mit dem ehrlichen Willen und festen Vorsatz sich selbst zu helfen und ihr Geschick selber zu bestimmen. Die sittliche Grösse unserer Bewegung, unser offenes Bekenntnis und die moderne Form unserer Beratungen haben uns manche wertvolle Sympathien unter den Völkern eiugebracht; selbst!!11sere jüdischen Pressgegner und ihre Drahtzieher, welche sonst vor unseren Kongressen im Denunzieren und Verdächtigen geradezu Erstaunliches zu leisten pflegte!?, sind jetzt kleinlaut geworden. Unser Kongress wird diesmal im Zeichen von Kischlnew tagen. Der Geist der Blutzeugen für unsere Bewegung wird über die Verhandlungen schwcben und ein flammendes Memento unseren Volksbotcn Zurufen, damit sie sich nicht in Kleinlichkeiten verlieren und stets nur das grosse Ziel, das die Sehnsucht unseres Lebens bildet, fördern helfen sollen. Fürwahr cs ist etwas Unglaubliches geschehen. Kein Optimist in der Beurteilung der Zukunft unseres Volkes, kein geringerer als unser Meister Nordau sagte uns vor drei Jahren in seinem Referate in der Queens Hall: es gibt ein europäisches Gewissen, und er glaube nicht, dass Massenmorde an unseren Brüdern noch möglich wären. Es ist anders gekommen, als es der grosse Kenner er wartete. Wir waren Zeugen eines Ereignisses, das uns das Blut erstarren macht und dessen Einzelheiten wir uns hier ersparen könneit Wir erlebten im zwanzigsten Jahrhundert in .Kiscliinew eine Bartholomäusnacht mit all ihren mittelalterlichen Grauen und Schrecken. Und das europäische Gewissen schweigt!! handelt es sieh doch nur um Juden-- Dieselben Ursachen werden stets gleiche Wirkungen hervorbringen. Wie lange werden wir das wiederholen müsse״? Die Juden Osteuropas leben auf einem Vulkan, der bald da, bald dort seine Opfer fordert. Der Juden Russlands hat sieh pin panischer Schrecken bemächtigt, und wieder sehen wir vor unseren Augen einen Strom von Auswanderern wachsen, der sich plan- und ziellos entwickelt. Wohin mit den Flüchtlingen[? Kein Staat will für die Datier einen Massenzuzug von Juden aushaken; haben wir nicht täglich lebendige Beweise hierfür! Haben wir nicht, anlässlich des rumänischen Exodas. unsere Reichen und Verwalter von Millionensiiftungen für das jüdische Volk gewarnt und ihnen ins Gewissen gerufen, sich von ähnlichen Katastrophen nicht überraschen zu lassen und anstatt au ihren Programmen und Satzungen hcrumzudoktorn mit uns gemeinsam eine Heimstätte schaffen zu helfen. Werden diese Mächtigen sich nicht endlich zu einer praktischen Tat aufraffen, oder glauben sie mit ihrem Verhalten vor dem dereinstigen Schreiber der jüdischen Geschichte bestehe!) zu können?- Wie gesagt, der Kongress wird unter dem gewaltigen Eindruck von Kischinew seine Verhandlungen ptlegen. Der Kongress wird gewissermasseu zu dem blutigen Ereignisse Stellung nehmen müssen und wir würden es menschlich-begreiflich finden, sollten Anträge auf den Tisch fliegen, die für ein rascheres Handeln plaidieren. Solche Vorlagen werden mit kühler Vernunft zu prüfen sein, und wir haben Vertrauen zu unsern Delegierten, dass sic nur das amiehmcn werden, was in den Rahmen unseres Programms hineinpasst. Wir dürfen keinen Augenblick vergessen, dass der politische Zionismus gleichsam die letzte Anstrengung des jüdisehen Volkes darstellt; wir müssen daher vorsichtig, peinlich vorsichtig zur 'Fat übergehen. Unsere Bewegung entspringt Vermmftgründen und sie ist nur deshalb glücklich und so mächtig, weil sic an unsere alte historische Sehnsucht anknüpft. Das muss immer betont werden und muss uns als Leitstern dienen. Wovor wir aber schon heute nicht genug warneu und wogegen wir energisch protestieren müssen, das ist gegen die uns von gewisser Seite zugemutete Aenderuug oder nur Einengung unseres Programms. Das Baseler Programm ist kein Versuch, sondern in seinem Endziele die c n d g i 11 i g c Lösung der J u d c 11 f r a g e. Dieses Programm ist uns zum Dogma geworden, wir sind auf den Wortlaut eingcschworen und wir lassen kein Jota davon nehmen, noch etwas hinzufiigen. Das muss allen jenen gesagt werden, die solche Anträge bringen oder soufflieren wollen. Der Kongress wird sein schönstes, bestes Programm hüten und rein erhalten, wir alle wollen Hüter sein!; Und so werden am 23. August Hunderttausende von 1