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Jüdische Rundschau · 1903-06-19 · Heft 25 (19.6.1903) · page 14

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 25 (19.6.1903)
Date
1903-06-19
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 252. JUdische H imdsohau. . » ■ — 11■ ■■■ווי»»• ■ - ־■ II——III■- I ..- ■" No. 25. Nachrichten aus Palästina. % Jerusalem. Auf dem Kaiserplatz — der seit der denkwflrdigen Kaiserreise so genannt wird *— ist zu den» vor Jahresfrist erbauten prächtigen evangelischen Pfarrhausc neuerdings ein schönes geräumiges Schulgebäude hinzugetreten. Das vor wenigen Jahren nocti öde gelegene'• Terrain wird fortan den Mittelpunkt des Interesses einer ansehnlichen Gemcinde bilden. Die deutsch-evangelische Schule, in der schon so mancher Schüler bis zur Untersekunda vorbereitet wurde, war bis heute in einem cingemictetcn Lokale untergebracht. Den Anforderangen, die man an ein derartiges Lokal zu stellen berechtigt ist, entsprach cs allerdings nicht. Der Not ist nunmehr abgeholfen und damit zugleich der sehnlichste Wunsch dieser Gemeinde in Erfüllung gegangen. Hs ist ein schlichtes, einfaches, aber den hygienischen Anforderungen entsprechendes Hochparterre. Die Einweihung fand den 29. d. M. statt. Propst Hoppe, der nunmehr nach Deutschland übersiedelt, nahm die Einsegnung vor. Dies war seine letzte Amtierung in Jerusalem. Wir entnehmen dem ״Reichsanzeiger" ioigende interessante Notiz: Einführung von Petroleurnmotorcn nach Palästina. Der britische Konsul in Jerusalem berichtet über die Einfuhr von Petrolcuumiotoren nach Palästina folgendes: Im Jahre 1902 wurden insgesamt 64 Petroleummotoren nach Palästina eingeführt gegen 47 Stück im vorhergehenden Jahre. Die Leistungsfähigkeit dieser Motoren bewegt sieh zwischen 2 und 15 Pferdekräften; Verwendung finden dieselben zum Betriebe von Bewässerungsanlagen oder von Mühle ־. Zur Verwendung in Bewässerungsanlagen werden hauptsächlich Motoren von 3 bis 4 Pferdekräften verlangt. An der Einfuhr sind Deutschland und Grossbritannien beteiligt. Von den in dc2 letzten 5 oder 6 Jahren nach Palästina eingeführten Petroleummotoren waren etwa 90 britischen Ursprungs. In der ersten Zeit wurden Petroleummotoren nur aus Deutschland eingefülirt. (Nach The Board of Trade Journal.) Kleine Chronik. —n1r— .— Mjr nr_ .. Bdrün. In der Israelitischen Koch- und Hauslialtungsschule, (jormannst rasse 3, sind jetzt wieder einige Freistellen für Kochschülerinnen zu vergeben. Eine Münchhausenlade, die den Vorzug hat, wahr, intercssant und nachahmungswert zu sein, wird aus unserer Nachbarschaft, aus Lichter fehle-W. geschrieben: Denn Fräulein Paulipe Münchhausen, eine strebende, ringende Frau, war es. in deren Kopf und Herzen zuerst der Gedanke aufstieg und Wurzel schlug, den zahlreichen israelitischen Lehrerinnen, die — von Stadt- oder Staats-Anstellung ausgeschlossen — keine Pensionsberechtigung gewinnen können, eine würdige Alters Stätte zu bereiten. — Wie jene andere mutige Frau, die, um den Fabrikarbeiterinnen erfolgreich helfen zu können, erst selbst unerkannt in eine Fabrik eintrat und das Leben der Genossinnen mitlebte, so wirkte auch Fri. Münchhausen zunächst einige Jahrg beobachtend selbst im Lehrberufe. Die hierdurch gewonneuen Erfahrungen bestätigten ihr jedoch nur, dass weder hervpxragende Begabung, noch hingebende Pflichttreue der israelitischen Lehrerin resp. Erzieherin in Piva{Stellung, ein ausreichendes Schutzmittel gegen die Winterstürmc dos Alters erringen können. Da musste geholfen werden; die Gemeinscliaft sollte ausgleichende Gerechtigkeit üben an den schwachen und altersmüden Vcteranimieu, die in treuer, erfolgreicher Kulturarbeit ihre Kräfte verbraucht hatten! ן Und was bot die tapfere Frau zu diesem Zweck auf! Sic zog für ihren Plan werbend nicht allein durch ganz j Deutschland, auch im Auslände trat sie heischend an alle die- 1 jenigen heran, die entweder durch ihren Beruf oder ihr Ver- I mögen, durch ihren gesellschaftlichen Einfluss oder durch den I Ruf ihrer guten Werke zur Beihilfe geeignet schienen. — ן Sie fand einen warmen, überzeugten Freund der guten Sache in dem bekannten Philantropen Eugen Rosenstiel. Sie kämpfte nun nicht mehr allein, doch bedurfte es trotzdem 8 Jahre unentwegten Strcbens und beharrlicher Arbeit, bis der Verein ״israelitisches Lehreriimenhcim“ unter der tatkräftigen Initiative der Herren Dir. Dr. Adler und Rosenstiel sich endlich -- im Februar IS99 konstituieren konnte, und zwar zunächst auch nur mit einer ziemlich geringen Mitgliederzahl. Ueberraschcnd schnell stieg dann die Zahl der Mitglieder; ansehnliche Stiftungen und namhafte Spenden flössen dem Vereit! zu; Frauen, wie Frau Fanny Rclcftenherm, Frau Prof. Landau u. a. rn., arbeiteten hingehend und eifervoll im Vorstand. Nach Jahren bereits — am 31. Oktober 1899 — hatte der Verein die frohe Genugtuung, das israelitische Lehrerinnenheim durch abseitige bereitwillige Unterstützung filr ganz Deutschland in Steglitz eröffnen zu können. -- Es gewährte vorläufig sechs Pfleglingen in der Bel-Etage eines Miethauses jeden Komfort eines guten Familienkreises und entwickelte sich unter der bewundernswerten Fürsorge und sachverständigen Oekononiie seiner Vorstandsdameu bald zu einer MiisteranstaU ersten Ranges. -• Natürlich musste man min hestrebt sein, die Vorteile dieser Schöpfung einer grösseren Anzahl von Bewerberinnen zu gewähren und dem treffliche״ Anfang eine angemessene Fortentwickelung geben zu können; daiiir sorgte das rührige Propaganda-Komitee unter des uuermüdlichcn Frl. Münchhausen Vorsitz. — So gewann denn der Verein, trotz der Zeiten Ungunst, weiter an Umfang; es bildeten sich Ortsgruppen in Stettin, Stargard, Königsberg, Hannover, Frankfurt a. Main und Grätz. Weitere Stiftungen gingen ein, darunter eine bedeutende, deren Zinsertrag es ermöglichte, dem Heim auch eine Stätte für zeitweise Erholung aktiver Lehrerinnen ausztudiedern. Und kaum zwei Jahre nach der Eröffnung des israelitischen Lchrcrlnnenhäm stiftete Herr M?.% Wygodzlnskl i!1 Berlin die Summe von 100 000 Mk. zum Bau eines eigenen Hauses, das, sofort ir! Angriff genommen, sich jetzt in Lichterleide erhebt, stattlich von aussen,!teil, luftig und von vornehmem Komfort innen. Möge die Anstalt durch ausgiebige Ihiterstützung in die Lage kommen, sich nuszuwachsen und zu werden: Das Israel itische Le hrerinnenkeka Iiir ganz Deutschland! Der KoriUzer Mord wird binnen kurzem wieder einmal die Berliner Strafkammer beschäftigen und voraussichtlich abermals zu umfangreichen Verhandlungen Veranlassung geben. Gegen den durch seine Tätigkeit in Könitz und seine Privatermirtehmgen in der Mordaffairc bekannt gewordenen Gustav George, ferner gegen den früheren Redakteur der Morgen- Post Gottlieb Meyer und den Buchdrucker Georg König hat die Staatsanwaltschaft jetzt Anklage erhoben wegen־ Beleidigung des Lehrers Weiche! in Könitz. ferner dessen Frau sowie der Richter, des Staatsanwalts und der Subaltcrnhcamten des Landgerichts Könitz. Es handelt sich in errter Reihe um eine von George verfasste und von König gedruckte Broschüre ״Enthiilhmgen zur Bluttat von Könitz", in welcher der Lehrer Weiche! verdächtigt und in einer Kritik das Verhalten der amtlichen Organe diesem Verdachte gegenüber getadelt wird. Meyer wird wegen eines Artikels zur Verantwortung gezogen, der unter der Spitzmarke ״Das Rätsel von Könitz" gleichfalls dem gegen das WeicheJsche Ehepaar entstandenen Verdachte Ausdruck gab. Der Angeklagte George will einen umfangreichen Wahrheitsbeweis antreten. Die ״Tägliche Rundschau‘4 fühlt wie alle ganz-, halb- und i viertel-antisemitischen Blätter das Bedürfnis, die antisemiti- ׳ sehen Helden von Kischincxv nach Möglichkeit reinzuwascheu. Dass dabei Unwahrheiten und Entstellungen die Hauptrolle spielen, ist selbstverständlich und begreiflich; denn mit der Wahrheit lässt sich da nichts entschuldigen. Wir müssen es der ״Tügl. Rundschau“ überlassen, wie weit und wie viel sie mit de;u Mantel der ״Liebe“ zudecken will. Er ist ja ohnehin iadensclioinig genug. Aber ganz entschieden müssen wir dagegen protestieren, wenn gesagt wird, dass das ״Berliner Tageblatt" selbstverständlich für seine jüdischen ״Glaubensgenossen" cintritt. Wir sind keine Glaubensgenossen des cvang c 1 i s c h c u Herrn Arthur L c v y s o 11 n, und weisen es entschieden zurück, dazu gemacht zu werden. Der Chefredakteur des ״Berliner Tageblatts" ist Glaubensgenosse der Kirche, der auch die Herren Stöcker und Friedrich Lauge angehören. Einen interessanten militärischen Briefwechsel veröffentlicht das Breslauer ״Jüdische Volksblatt";

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