Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 24 (12.6.1903)
- Date
- 1903-06-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 232. Jüdische Hundselmu, Nr. 24. nehmen, werden um baldige Mitteilung ersucht. Köln, den 8. Juni 1903. Das Zentral-Komitee der Zionististisehen Vereinigung für Deutschland. 1. A.: Dr. Boden heimer, Mitglied des Aktionskomitees für Q Deutschland. Zwischen zwei Konaressen. Von Dr. Julius Moses- Mannheim. Als wir in einer langen Dezembcrnacht des Jahres 1901 in Basel das neue Organisationsstatut berieten und mit grosser Majorität den Beschhiss fassten, den' Kongross jedes zweite Jahr fortan einzubernfen. da fehlte es nicht an Stimmen, welche diese Verschiebung des Kongrosses an! zwei Jahre im Interesse der Agitation anfs. lebhafteste bedauerten. Ich habe damals für die jetzige Passung des Statuts gestimmt, und alle Oriindc. welche für mich massgebend waren, bestehen beute noch in meinen Angen voll zu Recht. Und doch muss ich sagen ־ cs wird Zeit, dass ein neuer Kongress stattfindet. Zwischen dem fünften und sechsten Kongresse habe ich erstmals die Beobachtung gemacht, die für mich eine Enttäuschung bedeutete, dass das Mres an (lednld. Ansdatier, an nervöser und psychischer• Spannkraft, welches unbedingt nötig ist für jeden Mitarbeiter an unserem weiten, grossen Ziele, nicht immer vorhanden Ut. Ich spreche jetzt nicht von der erwartungsvollen Ungeduld, die angesichts des nahen Termins des Kongrosses unsere Reihen ergreift: das ist eine erfreuliche Acusserung der temperamentvollen Begeisterung der zionistischen Scharen. Die Brwnrtttngen werden gespannt durch (1cnichte, welche die Luft durchschwirren, denen das Aktionskomitee durch die Note, mit dein es die Pinbernfimg des Kongresses begleitete, Nahrung gab. die bestärkt wurden durch Aeiisserungen Zangwills in seinem oratorischen Meisterwerke: der Kongress, heisst es, wird eine grosse Bedeutung für den praktischen Fortschritt unserer Bewegung erlangen. Wir körn neu nicht wissen, 01) die Grosses erwartende Ungeduld in Basel befriedigt werden wird; eins aber wird der Kongress bringen, was not tut und weshalb ich ihn so freudig begrfisse; es ist das banalste und selbstverständlichste und doch aber darum das wichtigste für unsere fortschreitende Bewegung: 111 Basel w e* d c 11 wir allesamt geschlossen auf das Baseler Program ni u ns ne u v e r c i 11 e n. Es gab auf dem letzten Kongresse eine secessio, aber was bedeutet ein solcher belangloser Zwischenfall gegenüber den zahlreichen Sezessionen, die seit dem letzten Kongresse in der zionistischen (iedanken- und Schriftwelt stattfanden. Es gab psychologische Ab- Schwenkungen, organisatorische Sezessionen, in denen zwar das Baseler Programm nie und von keinem der Unseren verleugnet, wohl aber zeitweise vergessen und in den llintergrmul gedrängt w urde. Der Heimstättegeduuke verschwand hie und da hinter der Masse eigenbrödlerisclier Gedanken und Fimaüe, sowie der!euchtende Mond hinter dem vorbeiziehencien Gewülke. Der Kongress' wird seine stets bewährte Zanbc rmaeht entfalten und im Zeichen unserer gRussen Klee von der Heimstätte für das jüdische Volk alle sammeln. Schon ha! Kischinew traurige Vorarbeit geleistet: es gab w dehe, die auf dem (». Kongresse die Programm!rage aufrollen oder Ime״prefnt!m1en desselben den Führern entlocken wollten. ״'Unter de״ nicht durch die kurze Spanne Zci! zu mildernden Nachwirkung der erlebten Szenen jüdischen Martyriums im 20. Jahrlnmden wird niemand waagen zu deuteln au einem Programm, das sonnenklar für der!, de־ sehen will. vernehmlich für den, der hören will, kündet, nicht allein, was wir wollen, sondern, was wir in dienern Augenblicke mehr, wie sic, sollen und m ü s s c n. Der Kongress wird weiter!!erstellen die engste Füllhing des jüdischen Volkes mit seinen Führern, der Delegierten mit dem Aktionskomitee. Mit der räumlichen und!dien Fmferming trat zwischen den beiden Kongrossen eine leicht.‘ innere Entfremdung ein. Jener Mangel an N'crvenkran und seelischer Ausdauer, von dein wir eben sprachen, ist vielleicht auf diesen Umstand zunickziiführcn. Das Aktionskomitee arbeitet -- dessen sind wir überzeugt und dafür haben wir unzw eidetitige Anzeichen - mit gewaltiger Anspannung seiner Kräfte an seiner vornehmste!!, ihn! allein znfalUmtlen;;/; : ' ״ * \ K ssaasssssj« 55״•״• .י\*ד*..׳«*מ *•v7.vv*1״r.~ ’ ־• w»! .. ־ ־. Kulturelle Streifzüge im jüdischen Orient, u. Die Holte Pforte. (Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) Man hat dem Türken den Kunstsinn äbspreehen wollen, weil er stilwidrig an die Aja Sofia seine Minarets angebaut bat. Ich kann diese Stilwidrigkeit nicht recht erkennen. Aber sei dem, wie es sei, man tut ihm ohnehin genug Unrecht. Die klassischen Altertümer sind nicht von den Türken, sondern von den lateinischen Kreuzfahrern vernichtet worden. Den Hippodrom haben die Lateiner zerstört. Die Türen in der Chiesa S. Marco zu Venedig sind auch nicht von den Osmanen aus der Sophienkirche fortgeschleppt. Die Lateiner waren es auch, die den Goldschnutck der Aja Sofia plünderten und die kostbare!! Bronzestatuen des Hippodroms einschmelzten. Die vier eherneu Rosse, die einst den heutigen Atmeidän schmückten, sind jetzt die bewunderte Zierde des San Marcoplatzcs in der Lagunenstadt. Das Jahr 120*1 ist für Konstantinopc! ein Verhängnis gewesen. Soweit es der strenge Sinn des Islam erlaubt, hat der Sultan Abdul Medschid die alten Malereien und Mosaiken der Aja Sofia wieder herstellcn lassen. Wenn mau aber gar dem Sultan Muhammad II Ffttih cs als unverzeihliche Sünde an rechnet und nachträgt, dass er diese Kirche in eine Moschee um wandeln Hess, so soll man bedenken, dass Jusu’nianus mir dadurch glauben konnte, die Baukirnst eines Salomo übertroffen zu haben, dass er die griechischen und orientalischen Tempel zu Athen, Delos, Kyzikos, Theben, Alexandrien u. a. m. vor allem aber die Jupiter- und Baalstempel zu Heliopolis in rücksiehtslosester Weise plündern und zerstören Hess. Des sind Zeugen die grossen Porphyrsäulen, die schmerzlicher