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Jüdische Rundschau · 1903-06-05 · Heft 23 (5.6.1903) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 23 (5.6.1903)
Date
1903-06-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Bei allen seinen Anknüpfungen an die ältesten Kulturleistangen unseres Stammes, und bei dem zähen Wahren des historischen Zusammenhanges hat er doch so sehr mit dem jüdischen Mittelalter gebrochen, dass Alles, das ihm davon doch noch anhaften mag, etwas, seinem Wesen Fremdes, mit ihm nicht Vereinbares ist. Das Neue, das er im Gegensätze zu den letzten anderthalb Jahrtausenden gebracht hat, ist im Wesentliehen der entschlossene Volkswille, aus eigner Kraft sich sein Geschick selbst ■zu bestimmen. Der; •entschiedene Bruch mit dem Fatalismus, der unser . Volk in allen allgemeinen Angelegenheiten als böser Bann gelähmt hatte, ist das Wichtige, das das Nationaljudentum glänzend abhebt von seinem mittelalterlichen Untergrund. . . . So hat denn unsere junge Volksbewegung durch den ih,r eigenen Freiheitsgeist nicht nur in unendlich kurzer Zeit sich überall |m Judentum siegreich 13ahn gebrochen, sondern hat sogar senilgewordene Teile und Organisationen unseres Volkstums direkt und indirekt zu neuem Leben, erweckt. Viele Organisationen, die sich heute noch im Gegensatz zun! Zionismus wähnen, sind durch ihn ncubelebt, und bewegen sich, je mehr sic überhaupt wieder sich bewegen, auf ihn zentripetal hin. Wir sind tiieht immer mit diesen Organisationen zu* frieden, finden oft ihre Worte grösser als ihre Taten, ihre politischen Ansprüche grösser als ihre politischen Talente, können aber auch bei unser!! Gegnern schliesslieh nur eine beschleunigte Bewegung zum Nationaljudentum hin fcststellen. Und doch hat der Zionismus nicht nur diese ideelle Bewegung hervorgebracht und sie beschleunigt, sondern hat von seinem ersteh Beginne an praktische Arbeit geleistet. Denn abgesehen von der jüdischen Ackerbauschule Mikweh-Jisrael und vielleicht den fünf vom ״Esra“ erbauten und schon im Verfall begriffenen Häuser iii RehöbAtli ist die ganze jüdische Kolonisation in Palästina ausschliesslich ein Werk der Zionisten und des Zionismus. Fs ist einfach erstaunlich und zeugt von einer bodenlosen Unkenntnis der tatsächlichen Verhältnissc, wenn andere und gegenteilige Behauptungen immer und immer wieder auftauchen. Daraus folgt aber für den Zionismus die uuabweisbare Forderung, dass er zwar zeitweise vorbereitende Arbeit leisten muss und den praktischen Weiterbau eine Zeit lang ruhen lassen dari, dass er aber immer wieder zu der wirklichen Kolonisationstätigkeit zurückkehren muss. Denn die zweckdienliche Forderung der Bcsiedclung Palästinas durch jüdische Ackerbauer, Handwerker und Gewerbetreibende ist das erste und vorzüglichste Mittel, dass unser Baseler Programm in Aussicht nimmt, uin das Endziel, die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina für das jüdische Volk zu erreichen. Es wäre natürlich verfehlt, wollten wir die Einwanderung in Palästina über das natürliche Mass hinaus befördern, oder wollten wir ohne rechtliche Garantien neue Kolonien ins Leben rufen, die eben nicht leben könnten. Aber etwas ganz anderes ist es, dass Jeder Mann am Platze sein ipuss, wenn es gilt, Hand anzulegen, wo die Not drängt. i Auf Anregung des bewährten Gesinnungsfreundes Ing. Ussischkfn, dessen Aufruf auch in unserm Blatte abgedruckt war, hat das Zionistische Aktionskomitee sich entschlossen, die von den Zionisten für die Unglücklichen in Kischinew gesammelten Gelder ausschliesslich für die Waisenkinder der Erschlagenen zu verwenden. Es ist sich ferner darüber klar und schlüssig geworden, dass es keinen andern Ort der Welt gibt, diese Kinder für das Judentum und zu aufrechten Männern und Frauen zu erziehen, als eben nur in Palästina. . Aber wie soll das ausgeführt werden? — Man könnte ja wenigstens einen Teil der Kinder-von jiidisehen Baueriifanüiien erziehen lassen. Sicher aber weder alle, noch immer in gewünschter Weise. Da ist denn der Zeitpunkt gekommen, wo wir zurückgreiien müssen zu dem Projekt, das wir in häufigen Versammlungen besprochcn und empfohlen haben, und das unsere Delegiertentage unsern Gesinnungsgenossen warm ans Herz gelegt haben. Es ist der Gedanke unseres Freundes Israel B e 1 k i n d , eine h9bräiscf1e Nationalschule mit Internat in Palästina zu gründen. Wir halten es für eine unumgängliche Pflicht des sechsten Kongresses, einen dahingehenden Beschluss einmütig zu fassen und so schnell als möglich durch sein Aktionskomitee ins Werte setzen zu lassen. Wir sind eben wieder an einem Punkte angelangt, wo der gute Wille und die Einsicht, etwas schaffen zu wollen, sich mit der harten Notwendigkeit begegnet, etwas tun zu müssen. Wir können für die Vaterlosen und Mutterlosen von Kischinew nicht besser

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