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Jüdische Rundschau · 1903-05-01 · Heft 18 (1.5.1903) · page 15

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 18 (1.5.1903)
Date
1903-05-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
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No. 18. •TUclifselie H undschau• Seite 171. ‘■Jerusalem auf der Weltausstellung In St. Louis 1901. Eine der originellsten Sonderausstellungcn in der gewaltigen Welt- Ausstellung zu St. Louis dürfte die Nachbildung eines Teilen des jetzigen Jerusalem sein. Die Idee dieser Nachbildung har ein Herr Alexander Konta. eit! Ungar von Geburt, gehabt, der seit zwölf Jahren in St. Louis lebt, welcher ״Konfession'־ dieser Ungar angehört, wird leider nicht berichtet! Die Nachahmung der heiligen Stadt kommt an einem der besten Plätze innerhalb der Ausstellung zur Ausführung. Es wird die Stadt Jerusalem mit den Maupttoren, genau in Grösse, färben und nach den besteh Skizzen und Photographien, aufgehaut. Es werden sogar aus Palästina Steine für den Bau der Tore hcraiH'tschafft. Innerhalb der Stadtmauer wird man die Omarmoscliec finden, die auf der Stelle steht, welche früher der Tempel einnahm, ebenfalls wird die Kirche des Heilige!. Grabes genau nachgcahmt werden. Reibst die Kiagcmauci der Juden wird man in diesem nachgcaluntcn Jerusalem ftnden. ja sogar einige echte Steine aus der wirklichen Klage mauer sollen hier in die Mauer in St. Louis eingelassen werde!.. Das hügelige Terrain gestattet sogar eine sehr genaue Kopk jener Gegend in Palästina. Schafherden, die aus Palastir.u bezogen sind, werden unter palästinischen Hirten im Kiüroutai und auf dem Oelhergc tagsüber weiden, fünfhundert Eilige horene von Jerusalem. Männer, fraucn und Kinder aller Na* *innen, sozialen Schichten und Beschäftigungen, werden zu! Bevölkerung des imitierten Jerusalem nach St. Louis gebracht. Das Leben und Treiben in der heiligen Stadt soll auf da^ sorgfältigste nachgcahmt werden. Man wird Verkaufsläde«: finden: die Wechsler, die Gold- und Silberschmiede, die Weber, die Scidenwirker, die Drechsler, welche aus Olive.;- holz und Perlmutter Waren lierstellen. wird man bei ihre־־ Arbeit sehen. Täglich werden Umziiyc und Festlichkeiten stattfinden, durch welche das Leben und Treiben im wirkliehen Jerusalem den Besuchern gezeigt werden wird. Die Kosten dieser eigenartigen Ausstellung sind ganz bedeutende. Der Auibau und die Einrichtungen in dem imitierten Jerusalem, werden vier Millionen Mark betragen. und der Bthriel» während der Ausstclhmgszeit vom 30. April bis zum 1. De zember 1904 soll mit einer Summe von zwei Millionen Mark bewältigt werden. In der Numismatischen Gesellschaft zu Berlin hatte n» der März ־ Sitzung Landgerichtsrat Dannenberg die jüdischen Münzen zum Gegenstände seines Vortrages gewählt. Diese beginnen mit silbernen Schekeln und halben Schekeln sowJr: Bionzen, die der makkafcüische Fürst Simon Tharsi in den Jahren 143 -135 v. Clir. hat schlagen lassen, der syrische König Antioclms VII. hatte ihm die Erlaubnis dazu erteilen müssen. Es folgen Kupfermünzen von Jehuda Arismbulus und den iibrigen hosmonäisehen, darauf idmnäischen fürsten, teilweis zweisprachig, mit hebräischen und griechischen Umschriften. Darauf Kupfcrgcprägc der Kaiser von Augustus bis Nero und Domitian und die Münzen der Aufständischen unt*?r Vcspasiau 1(6 70״), zuletzt unter Bar-Kochba (132 135־), worauf dann nur noch die Gepräge der durch Hadrian gegründeten Coü>!h ו Aclia Capitolina tias Andenken an Jerusalem erhielten. Zur Erläuterung dienten einige der gedachten ü״präge, namentlich ein schöner Schekel von Simon, dem Makkabäer, vom 2. Jahre, mit Schckcl um einen Blütenzweig. Laien in der Münzkunde seien gewarnt, vor einer Verwechselung dieser echten Stücke, welche althehräischc, sogenannte •phdnizisclm oder auch sann- Titanische Buchstaben tragen, mit de*׳ viel grösseren, kaum oberflächlich ähnlichen mit der heute gebräuchlichen hebräisehen (.)uadratschrift, die ein Görlitzer Bürgermeister Emmerieh nach einer Jerusalemer Reise und Herstellung einer Nachbildung des heiligen Grabes zur Erinnerung fiir die Besucher dieser Stätte hatte unfertigen lassen: dass sm. Verhältnismassig alt sind, wird durch die Tatsache (crhiirtet. dass ein Exemplar dem Miinzpäckchen a’ngehört, das im Jahre 1671 in dem Turmknopf der hiesigen Nikolaikirche niedergdegt ist. (Vcrgl. Zeitschr. f. Numismatik Bd. VI S. 139.) 'CL ■JUgJtgg --- Kleine Chronik. _ ״r*י- .־*״•*/־ . 14־ /)! זי•" 0 w Das Israelitische Lelirerinncuheiin, zu dem das Ehcpaa. Wygodziuskl ein Haus in der Kärlsträsse in Grosslichterfelde gestiftet hat, ist gestern mit einem feierlichen Akte in Be* nutzung genommen worden. Von einem gleichnamigen Verein, der sich die Aufgabe stellt, armen arbeitsunfähigen Lehrerin• neu ein behagliches Heim fiir ihir 14!״<׳־- י zu bieten, war vor 4 Jahren in Steglitz in einem Mietshause ein der* artiges Heini eingerichtet worden; dieses ist nur. in das dem ) Verein gestiftete Haus fibersiedelt. Das Haus bietet Raun! I fiir dreissig Insassen, doch sind erst 12 Damen als Bewohne- ׳ rinnen mitgenommen, da das Kapitalvermögen der Stiftung j noch nicht fiir den Unterhalt einer grösseren Zahl von. In- * sassen ausreicht. | Genosscnschaftsrcgfster. Jüdische Orient kolonlsatlonsgc-; Seilschaft. E i 11 g e t r. Genossenschaft mit b c s c h r. j Haftpflicht und dem Sitze zu Berlin. Das Statut; datiert vom 25. februar/24. März 1903. Gegenstand des Unteri nchmens ist die Besiedelung und Bewirtschaftung von Land I im Orient mittels Ackerbau, Gartenbau. Viehzucht und die Errichtung gewerblicher Betriebe. Die Haftsumme beträgt UM! Mk. Oie höchste zulässige Zahl der Geschäftsanteile ist 100. Mitglieder des V o r s t a 11 U s sind Louis B r i s c hf Dav.s Trictsch, Cäsar Posnanski, sämtüch in Berlin. Nicderschönhatisen. Unser Ort hat in dem *Israelil ׳. s c h e 11 Erziehungsheim f i! r geistig und sittlich schwachsinnige Kinder bessere; Stände einen Zuwachs erhalten. Das Institut ist von Herrn Direktor Roscnbaum, einem bewährte״ Pädagogen gegründet worden und befindet sich in der Uh'andstrasse 51. Es ist das erste und einzige jüdische Institut auf dem Gebiete der Heil- Pädagogik und ist zu erwarten, dass es rcgui Zuspruch haben wird. Die nervenärztlichc Leitung liegt in den Händen des Herrn Dr. Mendel. Die Besichtigung des Erziehungsheims ist gufat:ct. 50 jähriges Jubiläum israelitischer Schulen. Die Unterrichtsschulen der hiesigen Synagogcngemcinde - Israelitische Rdig.'nnsgesellschatt - - Realschule und höhere Töchterschule begehen am 27. und 2S. April d. J. die feier ihres 50jährigen Bestehens. Aus den Kreisen der ehemaligen Schüler und Schülerinnen hat sich aus diesem Anlass c;:1 Komitee gebildet, das eine Stiftung zu gunsten der Anstalten ins Leben rufen will, in dankbarer Erinnerung an den Gründer und ersten Direktor dieser Anstalten soll die Stiftung den Namen ״Samson Raphael Hirsch - Jiihilärnnsstiftung“ tragen. Dem Komitee ist bereits eine grosse Zahl von Beiträgen zugegangen. Da es indessen bisher nicht möglich war. die Adressen vieler früheren Schüler zu ermitteln, so seien diese hierdurch darauf aufmerksom gemach׳, dass Beiträge von Herrn Leopold Merzbach (in firma Bankhaus A. Merzbach) entgegengenoutmen werden. Um der Wahrheit willen - denn die ״Deutsche Tageszcitnng״ beansprucht, ihren gläubigen Baue*rn nichts vorzulügen hat die ״Deutsche Tageszeitung" wenige Tage vor Ostern geschrieben: Ein Ritualmord? Aus Petersburg wird gemeldet: Der Justizminister beorderte den Odessaer Staatsanwalt Zacharewicz nach Dubossary, um betreffs der Ermordung des Bauern- Knaben Rybaknko Bericht zu erstatten. Dubossary ist eine am Dnjester gelegne Stadt von 14 000 Einwohnern und gehört zum Tiraspoler Kreise des Gouyernemcnts Cherson. Es wurden seitens der Behörden Massrege-ln ergriffen, um die Au!־ reguntr der Bauernbevölkerung gegen die Juden zu beschwich־ tifcn." P/ie beste Beschwichtigung wäre die. dass man ohne jede Rücksicht alle Spuren verfolgt und klare Justiz schafft. Das Traurigste ist. dass diese bei solchen mysteriösen Morden fast überall fehlt. Inzwischen hat Jie russische Justiz aufgeklärt, dass es sich um eine ganz gcnirm* jndenfclndlicho Verhetzung hutidelte. und dass die Nachricht, die zu Judenkrawallen geführt hat. erlogen war. Nicht Juden sind die Mörder gewesen, sondern Antisemiten! Ob die ״Deutsche Tageszeitung*• um def Wahrht't willen** jetzt ihre lügenhafte Meldung rektifiziere! wird, bleibt abzuwarten. fine entsetzliche Panik wurde im New-Yorkcr Ghetto durch zwei Peuersbrfmstc verschuldet; der Brand datierte bis in die Vormittagsstunden. Ein grosses mit jüdischen Kindern angefhlltcs Stiftungshniis geriet weiter in Brand. Wie nach London telegraphisch mitgeteitt wird, spielten sich fürchterliche Szenen ab. Ein 14 jähriges Mädchen trug seinen gelähmten Onkel, der im 84. Lebensjahre steht, zwei Stockwerke hinab und fiel dann ohnmächtig zu Boden. Der Greis kam iu den flamme;] um, das Mädchen konnte gerettet werden, und wird nun als Heldin gefeiert. Viele Frauen und Kinder sprangen aus den fenstern und wurden schwer verletzt. Eine Frau warf zwei Säuglinge aus dem dritten Stockwerke, aber die Polizei konnte sie unverletzt auffangen. Die Polizisten mussten mit Knütteln die verzweifelten Familienangehörigen der im Hause verbleibenden Personen zurücktreiben, um den Feuerwehren Hatz zu verschaffen. Mehrere Leichen wurden bereits geborgen.

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