Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 17 (24.4.1903)
- Date
- 1903-04-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Damit steht aber die Tatsache im Widerspruch, dass der Junge Zionismus auf unbetretenen Pfaden von Erfolg zu Erfelg eilt, während grosse Institutionen des Judentums ihre alten Bahnen fortziehen, aber immer mehr ihren Schritt verlangsamen und allmählich stille zu stehen beginnen. Zu diesen gehört auch die Alliance Isradlite Universeile, Jener allgemeine Jüdische Bruderbund zum Schutze unserer unterdrückten Brüder und zur Hebung der Bildung unter ihnen. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Alliance Israclite Universelle alle Alterserscheinungen aufweist, die einer grossen Institution ihren Stempel aufdriieken, wenn nicht von Zeit zu Zeit Irisches, Junges Blut und mit ihm frische, Junge Gedanken in sie Eingang finden. Man hat sich längst daran gewöhnt, dass die Alliance in Jüdischen Dingen andern das erste Wort und die Führung überlässt, die i!1 r sonst zukam. Sie hat es schweigend ertragen, wie man Kontrainstitutionen gegen sie geschaffen hat, und hat vielleicht noch obenein gute Miene zu einem sehr bösen Spiel gemacht. Die Zionisten stehen wahrlich nicht in dem Verdacht, ohne Kritik die Geschäfte der Allianze zu besorgen, und haben im Gegenteil die Fehler der Allianze einer oft herben Kritik unterzogen. Sie haben es sich nicht nehmen lassen, dort die Allianze zu kritisieren, wo eine solche Kritik von nöten ist. Und dass eine solche Kritik zuweilen notwendig wird, davon haben die an die Adresse der Alliance gerichteten Vorwürfe der Kongressdelegierten Karl Herbst und Israel Zangwill ebenso beredtes Zeugnis abgelegt wie der offene Brief des bulgarischen Schuikomitees an den Präsidenten Narcissc Ldven, der vor zwei Wochen von dem zionistischen Zentralorgan veröffentlicht wurde. Denn nur durch eine gerechte und unter Umständen strenge Kritik kann die Leitung der Allianz vor sonst unvermeidliehen Fehlern bewahrt werden. Auch der Schreiber dieser Zeilen hat selbst schon oft die Gelegenheit ergreifen müssen, gegen Missbräuche in den Schulen der Allgemeinen Israelitischen Allianz sich auszusprechen. Aber etwas ganz anderes ist es, einzelne zum Teil grobe Vcrstösse dieses Jüdischen Schul- und Kultur- Vereins öffentlich zu tadeln, und etwas anderes gegen die Existenz der Allianz zu arbeiten. In einer Zeit, wo falsch verstandene Kulturgedanken das Judentum in seinem Innern zersetzen und seine Einheit zerstören wollen, wo die zentrifugalen Kräfte die Oberhand in unserer ohnehin so gefährdeten Kation zu gewinnen drohen, ist cs doppelt gefährlich, eine Institution anzugreifen, die mehr als jede andere, — abgesehen vom Zionismus, — dazu angetan ist, Juden aller Länder zu friedlicher Arbeit für jüdische Kultur zu vereinigen. Das Prinzip der Alliance Israelite Universelle, das von ihr gewiss oft genug durchbrochen wurde, — ist, nicht deutsch, französisch, italienisch oder englisch zu sein, sondern lediglich Jüdisch. So war es. möglich, dass die in Paris gegründete und von dort geleitete Allianz zu wiederholten Malen deutsche Juden zu Präsidenten hatte. Auch hat sie weder in der Theorie noch in der Praxis dieses Ziel bei Seite gesetzt; denn sonst könnte nicht Narcisse Leven an ihrer Spitze stehen, einer von den fünf, welche den ersten Aufruf an die Juden aller Länder erliessen, ein Mann, der keinen Augenblick seines Lebens an der Zukunft der jüdischen Nation gczweifclt hat. Indem die Allianz für Juden in irgend welchen Ländern mit den Mitteln, welche Juden aller Länder, ohne Rücksicht auf ihre religiösen oder philosophischen Anschauungen, zu diesem Zwecke hergeben, Schulen, Handwerksgelegenheit und Ackerbauinstitutionen gründet, stellt sie sich unmittelbar auf jüdisch-nationalen Standpunkt; und im Prinzipe ist sie eins mit den Zionisten. Beiden ist der Ausgangspunkt der Jüdischnationale Gedanke, wenn er auch in der Allianz meistens unter der Schwelle des Bewusstseins bleibt. Aus national-Jüdischen Gefühlen und Gedanken ging die Alliance Israölite Universelle hervor, und jeder, der es aufrichtig mit dem Nationaljudcntume meint, muss der Allianz Dank wissen, dass sie die erste Institution war, die diesem Gedanken greiibare Form verliehen hat. Wenn nun die Alliance Isrädlite Fehler macht, die man ihr billig vorwerfen muss, so können das nur solche Fehler sein, die ihrem eigenen Wesen widerstreiten. Wenn die Allianz ihren grossen Grundsätzen treu bleibt, so ist sie die Leiterin und Führerin, der wir dankbar sind für die Arbeit, die dem Bestände des Judentums zugute kommt. Freilich werden wir sofort auf dem Posten sein, wenn die leitenden Gedanken der Allianz durch schlechte Vertreter verletzt werden. Solcher Fehler sind auch heute noch zu rügen. Vor allem . war die Allianz bis vor ' ganz kurzer Zeit nicht , im stände, den Ansprüchen des Landes zu ׳ nr*#? *ff**- * 4?׳Ä*r»!«יעעויע .,4־4 4