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Jüdische Rundschau · 1903-04-03 · Heft 14 (3.4.1903) · page 15

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 14 (3.4.1903)
Date
1903-04-03
Page
– (sequence 15)
Language
German
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,,.,e-,»•» x^T.!;«?.־ך־ '■.T*W*****■'. #1■??״ ^״ *, jp> #• ^ו|#ל , ״■#י«* »3f N014 ־. «lüdische i^undscliail. Seite 135. . merken, dass Bismarcks Wort vom Brüllen des ״Löwen von tJuda'“ viel beigetragen hat, Loewe, dessen Süssere Erscheinung dem nicht widersprach, für die semitische Rasse hi Anspruch ,.-zu,nehmen. Loewe gelbst nahm dies mit der besten Laune, aui, und in unserm Freundeskreise .wurde manchmal, viel darüber gelacht. Einmal sass er mit.uns in Wien bei Tische, als . Urausscn heftig ftQklingelt wurde. Nach einiger Zeit kam das * Mädchen ins-Zimmer zurück und antwortcte. au! die Frage, wer es gewesen, voll Verlegenheit: ״ein polnischer ־:־.Herr‘‘. Es stellte sich heraus, dass sie aus Rücksicht auf Loewe nicht sagen wollte: ״ein bettelnder polnischer Jude“. Von einem fihnlichcn komischen Vorfälle spricht auch L. Bambcrgcr in seinen ״Erinnerungen“. Der Professor der Physiologie Valentin in Bern, ein geborener Breslauer, der sich eine äusserst pietätvolle Anhänglichkeit, aus Judentum bewahrte, hatte sch an einem geselligen Abend vorzugsweise mit Loewe unterhalten. Auf Bambergers Frage, worüber sic so eifrig gesprochen, war die Antwort: über jüdische Dinge. Valentin hatte Loewe fin einen Juden gehalten und dieser ihn nicht enttäuscht. Locwcs äussere Erscheinung konnte allerdings dazu verjähren; seine Physiognomie, seine Gestalt, endlich sein Name legte die Vcrtmitung nahe. Als ihn aber Bamberger damit .neckte und sein verdächtiges ’ Acusscre, namentlich auf seine etwas lispelnde Aussprache, seinen etwas vorragenden Unterleib‘zu Valentins Entschuldigung anführte, stellte Loewe zur Widerlegung''•׳eine eigene Theorieüber die Bauchforinationcn auf. Er meinte, der semitische Bauch unterscheide sich von! arischen dadurch, dass dieser rund.' jener spitz abgedacht sei, der seinige aber der ersteren Formation zuneige. •Ich überliefere die Theorie •den Rassenschnuitiern zur weitern Untersuchung“. (V. Ztg.) n Kleine Chronik. Auf ein halbes Jahrhundert blickt zurück der Bechajrini- Verein, der alljährlich am Riisttagc zum Pessachieste seine Mitglieder nach alter Sitte zur Andacht vereint. Die Feier beginnt rnn'6’׳a Uhr mit dem üblichen Morgengebete, an das sich ein .moderner‘ Vortrag־ ־über religiös-wissenschaniiche Fragen und sodann die Siumfcier anschliesst. S׳e findet in Cohn’s grossem F es t saa 1 e, Beu 111 st r. 20 statt. 111 gehobener Stimmung endet dieses in dem Gcdäcntnis der Jugend haftende Fest so zeitig, dass jeder Teilnehmer seiner gewohnten Beschäftigung nachgehen kann. 111 diesem Jahre findet das Fest am Donnerstag, dem 9. A p r i 1 statt, an welchem auch den Schülern die Teilnahme ermöglicht ist. Aus den Beiträgen, die 3 Mark betragen, werden nach Abzug der Kosten würdige verschämte Arme unserer Gemeinde unterstützt. Anmeldungen werden an Herrn S. Cohn, Post- Strasse 7/8 erbeten; auch kann der Beitritt am Eingänge zum Saale erklärt werden. . Königsberg L Pr. Der in unserer Stadt am Anfänge dieses Winters dank den Anregungen und Bemühungen des Akadc־. mischen Vereins ״Herzl“ und der Herren Wiener und Scheftc- Imvitz gegründete ״Jüdische Gesangverein“ entfaltet eine , rege Tätigkeit. Der Verein zählt bereits mehr als z.wanzig aktive 'Mitglieder und half wöchentlich einmal unter der trefflichen Leitung des Herrn A. Sukenik seine Ucbur.gsabende im Hotel Epstein ab. Es wäre wünschenswert, dass auch die Zionisten unserer Stadt den Verein in jeder Hinsicht unterstützten. Z. Ein Verein-ehemaliger Zöglinge der israelitischen Waisen- Anstalt zu Breslau hat sich gebildet, der;den Zweck verfolgt, das Gefühl der Zusammengehörigkeit zu erhalten, sowie bedürftigen Mitgliedern Unterstützung zu gewähren. Der Fond für die Unterstfitzungskasse ist bereits gegründet. Vorsitzender des Vereins ist Herr Max Breit. Reuschcstrassc 28, de* gern Auskunft erteilt. Seit voriger Woche weilt hier ein Vertrauensmann vieler jüdischer Handels- und Gewerbetreibenden in Wien, der dem Rcichsrate über einundeinhalbhundert Petitionen überreichen soll, die von vielen tausenden Unterschriften gefertigt sind. Es handelt sich um den Gesetzentwurf über die strenge Innchaltung der Sonntagsruhe, weicher, wenn er in seiner jetzigen Gestalt beschlossen werden sollte, für viele tausende gesetzestreuer jüdischer Familien die Vernichtung ihrer Existenz, bcdeutet. In Kolomca wurde durch Anregung der Zionisten vor edner zahlreichen kaufmännischen .Volksversammlung ein Komitee eingesetzt, welches . veranlasst, dass fast in .allen. Städten Galiziens und der Bukowina Protest-Versammlungen abgehalten und Unterschriften für Petitionen an das Abgeord- \ ■; ׳• 1 neten- und Herrenhaus gesammelt werden. Es soll die Bitte I >‘0rgelegt werden, dass man den armen orthodoxen jüdischen Kaufieuten Galiziens und der‘Bukowina, •die• am Sabbat die gesetzliche Bestimmung der sozialen Sonntagsruhe erfüllen.; diesen Tag anrechne, da . sic sonst in ihren Existenzen ״hart ן gtschftdigt würden. . . . I Noch Ist Polin nicht verloren mögen die ״Polen tnosa- ן ischer Koniession“ freudig unisono beim Lesen folgender Nach- I rieht anstimmen. Herr .Lazarii s, der gewesene Direktor! der Lcmbergcr Hypothekenbank, hatte sich^ erboten, das f Kapital für das projektierte, liier anzufertigende Koszc i u s z k o - M o n u ment auseif.enc;» Mitteln durch 1U0 f tM (hunderttausend) Kronen?!» ergänzen. Da aber sämtliche polnische Blätter die Frechheit eines Juden grimmig , rügte!! und die hiesigen Polen. empört, ihre Stimmen eihöbet«, beschloss das K o s z c i u s z k n - K o m i t e e ei!1stimmig, diese Spende ..dankend“ abzulehncn und den offerierten Betrag für das Monument des polnischen Hel-Jen von dem grossen polnischen Patrioten nicht anzunehmen. Ein Leser des ״Neuen But'apestcr Abendblatts“ schreib■ dieser Zeitung unter dem The! ״Sonderbare Reaktion" folgen• des: Wahrlich, wir leben in einer gar eigenartigen Zeit, Voi Wochen insultierte Herr C. Deutsch, ‘ der Sohn des Präsi- Jenten der israelitischen Kuimsgemelnde in Arad, einen dorn* gen Redakteur und nannte ihn einen ״S a!1 j u d e n“, Vorige Woche verurteilte man den Unterrichter von Kis-Jcnö. Andreas Gross, dessen Eltern auch nicht mit dem Pantherfeil .» ins Land kamen, wegen Beschimpfung des jüdischen Glaubens zu 30 Krone!־ Geldstrafe. Sonnabend sprach nun der Fetiuaijude des Parlaments, Herr So :na Visontai. für den ■An־ trag des agrarischen Hochtory Graf Robert Zscleussky gegen den Terminhandel! Betrachten wir diese Zustände. ־ wahrlieh, man kann es den Herren von der Volkspartei nicht vcrargen, wenn der Judenhass bei ihnen von Tag zu Tag wächst Zuerst warten sich die Juden auf den Handel, sodann verlegten sic sich auf die übrigen Berufe, ־sit wurden Industrielle, Acrzte, Advokaten, Professoren, Journalisten, Abgeordnete. Ockonomen, Privat- und Staatsbeamte, Offiziere, und jetzt greifen sic auch nach des anständigen Menschen e i n z i g i j u d c n r e i 11 e m Brote, dem Antisemitismus.“ Abgesehen j davon, dass die Sache sehr drollig, ist, den 'Abgeordneten i Soma Visontav, den Vorsitzenden der Budapester Zionistischen 1 Vereinigung in jene Gesellschaft zu stellen, können wir den | Witz nicht verkennen, der in den traurigen Tatsachen liegt, t Endlich müssen wir bemerken, dass der Antisemitismus zwar : als Broterwerb sehr gut sich bew׳ährt, dass er aber weder 1 anständig noch seit den Tagen des Tiberius Alexander jemals I judenrein war. Interessant ist es. dass die Träger des Anti- I semitismus in Ungarn neben den Rumänen in ers'ter Linie die I Deutschen sind, um so mehr, als ihr materielles Interesse mit; dem der Juden Hand in Hand geht, und ihr Judenhass sogar; das materielle Interesse die-ser sonst im höchsten Masse ן materiell gesinnten Südostdeutschen übersteigt. — j Die schlimmen Nachrichten aus Marokko .werden nicht 1 weniger. Wie aus Madrid gemeldet wird, forderten die Bcni- : derkabylen den Gouverneur von Tetuan auf, die Stadttore zu! öffnen.'damit s;e .laut Befehl des Prätendenten die Christen und Juden strafen könnten. Sonst würden sie die ganze Stadt ver• wüsten. Infolgedessen herrschte eine grosse Panik in Tetuan, die Einwohnerschaft steht unter Waffen. . , Temir-Khan-Schura (Daghestangcbiet im Kaukasus).‘ Nach vielen Bemühungen ist es den Zionisten von Temir-Khan- Scliura gclui gen. die erste jüdische Schule zu eröffnen. Der Eröffnung wohnte unter anderen hervorragenden Persönlichkeiten auch der Militär-Gouverneur von Daghestar! bei. Es wurden viele Lieder in hebräischer Sprache vorgetragen und begeisterte Reden gehalten. Lustige Ecke. © Ein vielseitiger Mann. In Budsin (Prov. Posen) hatten aus Anlass des Papstjubilüuins fast alle katholischen Büi• vcr ihre Häuser prächtig illuminiert. •Auch ein jüdische. Kaufmann, der erst vor einigen Tagen zum Mitgliede des c van gelischen Schulvorstandes gewa'ihlt worden ist, hatte anlässlich des katholischen Festes sämtliche Fenster seines zwei• stückigen Hauses erhellt. ״Deutsche Warte“. ‘A* •f*־*W*1

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