Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 14 (3.4.1903)
- Date
- 1903-04-03
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Sei tu 134« .tiid:s<>)10 }lnudscImU, No. 14• Eine beinahe unglaubliche Nachricht erhalte» wir aus Baden: Der Oberrat soll beabsichtigen, der Synode einen Oebctbuchsentwurf vorzulcgcn, in dein alle Zionsstcllen ge .strichen sind. Im Norden schämt man sich grösstenteils, dass man sich vor 50 Jahren in der Hochflutzeit der Reform zu diesem Unfug hergegeben hat, wir können uns nicht denken, dass die Badenser so rückständig sind, jetzt etwas vorzu* nehmen,'was bei ernsten Menschen nur noch ein Lächeln hc:- ,.•vorrufen kann. Für unsere Freunde würde es gegebenen• . falls eine dankenswerte Aufgabe sein, den ..unentwegten“ Rcformen! etwas fortschrittliches und fortgeschrittenes Judentum zu lehren. » Mit Befriedigung kann der ״Verein Jüdischer Studenten“. München auf das abgelaufcnc 6. Semester (\V. S. 02/03) seiner Tätigkeit zurückblicken. Nach aussen hin eine gesicherte und ehrenvolle Stellung, hauptsächlich aber nach innen ein*, weitgehende Kräftigung des Vcriinslcbcns und eine immer fort schreitende Erziehung der Mitglieder im jüdischen Sinne. Das sind die Erfolge, die unsere Arbeit krönen. Yieliach waren d׳c Wege, '׳ die uns zu weiterer Ausbildung unserer Kenntnisse führten; vor allen Dingen waren die allwöchentlichen Vor* träge mit den sich stets anknüpfenden Diskussionen ein wesentlicher Faktor zur Belehrung. Es sprachen: Bbr. W e ז• gert: Die Juden in der deutschen Kriminalistik. Herr Dr. Th. L e s s i 11 g: Spinozas Theorie der Aifcktc. Bbr. Q i 11 i v Die Juden in England. Bbr. Jacobson: Das jüdische Eherecht. Bbr. Hertz: Referat über ״Das Jüdisch-Deutsche“ (Nach Leo Wiener). Bbr. Stahl: Bar-Kochba und seine Zeit. Bbr. Block: Referat über Nahida Remvs Das jüdisch? Weib. Bbr. Pcrlis: Die jüdischen Ackcrbaukolonicca. S. E. Rabb. Dr. Ehren treu: Das jüdische Haus. Bbr. K! r seltner: Reformen im Judentum. S. E. Rabb. l)r. .Werner: Eine Wanderung durch die jüdische Geschichte. Bbr. L oe w e 11 s t e i n: Der Hellenismus. In den Fuxcnstuttden besprach Bbr. Sichel (X) (X>•) nächst den Tendenzen und der Geschichte des B. J. C. , aktuelle Fragen auf dem Gebiet jüdischen Geisteslebens, wie Zionismus, Assimilation, Rcformbewegungen, dann den Antisemitismus und die Rassen- sowie Nationsproblcmc, während Bbr. Dr. Kahn sich im Geschichtskursus über die Juden in der neuesten Zeit verbreitete. — Unsere durch liebenswürdige Schenkungen der Herren Dr. Werner, Siegmund Fraenkcl, .. sowie unseres .Hospitanten S. Jonas sehr vermehrte Bibliothek wurde eifrig benutzt. -- An den Vortragsabenden des ״Vereins für Jüdische Geschichte und Littcratur“ nahmen wi: offiziell teil. — Die seit dem vorigen Jahre bestellende Zeitung des B. J. C. ״Der Jüdische Student“, bot uns in den inannigfachen Artikeln wissenschaftlichen Inhalts rege Belehrung. Auf dem Schlusskonvent wurden zu provisorischen Chargierten ehern. Weigert (XXX). phil. Kirsclincr, med. Kosc'hland (XXX), jn die Fericnkmnmission tned, Schweitzer (X) (XXX), med. K osch la 11 d (XXX' phil. Kirsch nc r gewählt. Briefe sinJ an catid. phil. B. Kirschncr, Goethestr. II zu senden. Zum Schluss sprechen wir allen denen unsern warmer. Dank aus, die cs sich auch im vergangenen Semester haben angelegen sein lassen, unsern Verein durch Vorträge, Dcd;- kationen und auch anderweitig zu fördern. Prag. Die Feier des zehnjährigen Stiftungsfestes beging der Verein jüdischer Hochschule 1;• Bar-Kochba durch einen ‘ Fcstkomniers. Voranging ein Vortrag von Otto Abelcs Über ,.Die-Wege der jüdischen Kunst“. Der Festkommers verlief ' glänzend. - . In der Nacht zum Montag wurde kurz nach Mitternacht 11. Jerusalem ein starker Erdstoss verspürt, der die gesamte Bevölkerung der Stadt In Schrecken.versetzte. Doch ist nur ciu geringer Schaden entstanden. In derselben Nacht wurde auch in Deutschland, im Napoldtalc und Hechingen, ein heftiger, von Osten nach Westen gehender Erdstoss verspürt, der von unterirdischem Getöse begleitet ..war. er Ga Sprechsaal. Für die Mitteilungen an dieser Stelle DVernimmt die Rcdaknon des Blattes nur die pressgesetr khe Vcramwortlickci׳ Aus ufisen.t Leserkreise geht uns folgende Zuschrift zu: In den letzten Tagen hat der Verein ״Esra“ einen Auiruf nebst Aufforderung zum Beitritt \crsandt, der auch vielen unserer Freunde zugegangen ist. Wie alles, was die Leitung des ״E s r a“ seit Jahren getan bat, zeigt auch dieser Aufruf wieder die Zwittcrstcllung, in der sic'n der Verein befindet, der trotz seiner in eminentem Sinne nationalen Arbeit aus Rücksicht auf die ..nur jüdiseh-ko1!icsM‘onellen" Mitglieder nicht den Mut findet, sich zu seinen Taten zu bekennen. Nun, uns darf es schliesslich gleichgiitig sein, wenn der Verein auch nur ״aus Wohltätigkeit" seine nationale Vorarbeit verrichtet. Nur meinen wir, dass mit den Mitteln, die dem ״Esra“ jährlich zufliessen, auf diesem Gebiete weit mehr geleistet werden könnte, als z. Z. geschieht, auch innerhalb des Rahmens der Satzungen des Vereins. Jeder Bauer, der in Palästina angcsiedclt wird, ist in dem .friedlichen Kampfe, den wir um die alte Heiniai führen, mehr wert, als ein Soldat im Kriege, jedes jüdische Dori ersetzt uns in ihm eine Festung! Niemand hätte also mehr Grund, die Bestrebungen des ״Esra“ zu fördern, als wir Zionisten. Und doch iiält sich ihm die Mehrzahl unserer Anhänger aus unpraktischem Doktrinarismus fern. Solange das der Fall ist, dürfen wir uns nicht darüber beklagen, wen» der Geist, der in diesem für den Zionismus geradezu prüdest•- nierten Vereine herrscht, uns nicht gefällt. Hier öffnet sich unsern Freunden ein reiches Arbeitsfeld! Wir hoffen, dass keiner von ihnen, dem der Aufruf des ״Esra“ zugeht, es xjirsäunieu wird, dem Verein beizutreten. Der Mindestbeitrag beträgt 1 Mk. . Allerlei. Fabel. Pallas Atlieueiis Eule ist sleinalt. Jüngst kam der philosophische' Geist über sie, und sie dachte nach und sprach zu ihrer Göttin: ״Viele, viele hundert Jahre bin ich alt geworden; aber das ewig besungene Licht, an dem sich Tiere und Pflanzen erquicken sollen, sali ich nie. Nun weiss ich, dass die Dichter lügen — —, es gibt kein Licht". Da streichelte die Göttin ihren Vogel und lächelte: ״O doch, mein Liebling. Du sahst es freilich nicht, weil du es scheutest. Und nur für Eulen gibt's kein Licht auf Erden". Max Jungmann. Aus ״Neue Wege“, Festschrift des Vereins ״Bar Kochba“ in Prag. - * . Von einem Scltchijudcn. In dem Leitartikel vom 10. September (No. ■133) war ein Artikel der ..Rhein. Volksst.“ zitiert, in dem von der ״Führung der drei Juden Sittison, Simon und Loewc" in der Frankfurter Nationalversammlung . (von 1818־) die Rede war. Ein erfahrener Mann aus unserem Leserkreise stellte in No. •139 fest, dass das klerikale Blatt bei dieser Gelegcnlicit den freisinnigen Abgeordneten Ludwig Loewc, der allerdings Jude war, mit Loewc-Kalbe. der seit 1848 und später eine parlamentarische Rolle spielte und ״reinster" arischer Abstammung war. verwechselte. Zu der Quellcngescnichte dieser irrigen Annahme criutUeU wir von geschützter Seite folgenden Beitrag: ״Zu der Mitteilung aus Ihrem Leserkreise über das Ariertum Wilhelm I.öewe-Kalbes möchte ich zunächst be- ר׳