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Jüdische Rundschau · 1903-04-03 · Heft 14 (3.4.1903) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 14 (3.4.1903)
Date
1903-04-03
Page
– (sequence 12)
Language
German
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t «»*•'S» Jlidisclie Rundsohau. Nb. 14. -----:-4--- Sehe ־־2^י ־, , t ־ .. * ■ treterrt Geheimrat Dr. Boas und Prof. Dr. Landau. Aus- Schuss III beantragt Geheimrat Adler, James Simon, Korn merzienrat Jacob und noch eine Person, deren Namen auf dem Journalisteriplatz nicht verstanden wurde, in die Schutzkonimission neu hinein zu wählen. Auf Wunsch des Vorstandes, den Dr. Lachmann zum Ausdruck bringt, wird der Antrag dem Vorstande als Material überwiesen. Der Vorstand des Haspltn'is wird debattelos wiedergewählt. Bel der nunmehr erfolgenden Neubildung des Vorstandes der Altcrsvcrsorgungsanstalt bringt Oskar Berlin den von uns an anderer Stelle noch besprochenen Vorfall zur Besprechung. Er weist zuerst auf die Stimmung und Gesinnung der sich ihrer Toleranz rühmenden Liberalen hin, die sich in der letzten Repräsentantenversammlung durch einen Zwischenruf von liberaler Seite kundgegeben habe,‘der bestimmt war, die von dem jüdischen Gesetze vorgcschriebcncn Ritualien ins Lächerliche zu ziehen. Sodann beschwert er sich über den Gewissenszwang, der auf eine alte Erau in einer Altersversorgungsanstalt der Jüdischen Gemeinde ausgeübt worden sei. die der dortige Hausinspektor gezwungen habe, im letzten Winter an drei Sabbaten hinter einander in der kalten Stube zu sitzen oder selbst Feuer zu machen. Es ist bekanntlich ein mosaisches Verbot, am Sabbat Feuer anzuzunden. Darum Verlangt Berlin, dass nicht nur eine einzige Richtung in dieser Kommission vertreten sein soll, sondern dass die Konservativen ebenfalls in dieser Verwaltungskommission vertreten sein müssten. Für einen Konservativen entwickelte Herr Berlin ziemlich viel Eifer und Temperament. Natürlich noch lange nicht genug, um den Liberalen und gar dem Vorstand auch nur den kleinsten Achtungserfolg abzutrotzen. Herr Mannheim er erwiderte fein sacht und sanft, man solle in der Gemeinde keine Verwirrung eintrefen lassen;•ob es denn flicht Kolossales sei, was der Vorstand getan habe, dass er Rcmcdur habe eintreten lassen, so bald er nur Kenntnis von dem Irrtum des Inspektors erhalten habe. Prof. Geiger erklärt, dass er von der Altersversorgung nichts wisse, um darüber mitsprechen zu können. Die Linke sei an den Zuständen in der Gemeinde unschuldig genug, da sie ja nur eine Minorität bilde. Zu dem von Berlin gerügten Zwischenruf bekannte er sich, wenn er sich auch nicht erinnere, was er gerufen habe; jedenfalls hätte er das Gesetz nicht verspotten wollen. Er betont, — indem er der Debatte eine andere Wendung geben wollte, — dass bei der Erziehung im Waisenhaus der Jiidisehen Oemeinde es darauf ankäme, ausschliesslich ,.Men sehen“ zu erziehen, und dass cs erst sehr in zweiter Linie darauf ankbmme, die Kinder für das Judentum zu erziehen. . Schliesslich betonte er, dass das Judentum eine Glaubenslehre wäre, und nicht aus Vorschriften hestche. Blumen tha! verlangt dagegen, dass in jüdischen Waisenhäusern die Er* Ziehung zum Judentum obenan stehen müsse. Sonst hätte man überhaupt keine Existenzberechtigung. Was hat der Vorstand mit dem Inspektor gemacht? Hat er ihn sofort ab* gesetzt? Der muss fort von dem Platze! Wir verlangen die beiden Konservativen im Kuratorium von Pankow oder w׳ir werfen das ganze Kuratorium um und wählen cs neu. Vor* 6tcher Jacobi erklärt, dass cs genügen müsse, dass der Inspektor nicht mehr die Erau zum Heizen am Sabbat zwinge:, dürfe, und versicherte, dass auch der Vorstand auf dem Stand* punkt stünde, dass die Kinder in den Waisenhäusern jüdisch erzogen werden müssten . L 0 e w e n h e r g ist schon etwas sanfter als Blumcnthal. Er meint in seiner Erwiderung, dass der Vorstand dem Inspektor kündige” solle, so* bald er das nur tun könne. Er untcrschre'be den Ausdruck Geigers, der nicht Liberale und Konservative, son* dern Linke und Rechte unterscheide; denn von Liberalität habe er bet der Linken nichts gesehen . ,.Ich nenne uns die Liberalen.“ Wir haben immer zugestimmt, wenn Sie die Ihrigen ־־ In die Verwaltungskörper gewählt wissen wollten, obwohl wir von zwei Drittel der Gemeinde gewählt worden sind. Wir hätten das Recht, zwei Drittel in den Kommissionen zu sein. Mannheimer racWt mm die Frömmigkeit der einzelnen Mitglieder, im Vorstande der Altersversorgung aus und spielt als höchsten Trumpf der unendlichen Frömmigkeit in den Vorständen aus, dass drei Vorsteher der Orgelsynagoge in der Oranienbürgerstrasse in der Kommission sässen. Wenn Sic noch mehr verlangen ״denn jehen wir alle raus!“ Um des lieben Friedens willen lassen Sie es so, wie es ist, bedenken Sie die Schwierigkeiten, welche |s macht, dass die alten Leute am Preitag Abend zwar lesen wollen, aber sich das Licht nicht ן selbst anzünden, sondern sich Von den Hausdienern anzönden ’ und anslöschen lassen wollen. Wollen Sie mehr als drei Synaj gogenvorstcher haben? Nach einem kuhzen ehrlichen Wort j von Minden wird die Debatte geschlossen und der Antrag \ des Vorstandes gegen vier liberale Stimmen abgclchnt. < Die Kommission für Festgottesdienstc und musikalische Angelegenheiten wird einstimmig wicdergcwählt, nachdem ein Antrag Löwenberg debattiert war, eine viergliedrige Subkom* , mission zu wählen, um für die hohen Festtage schon jetzt Auswähl zu treffen, damit nicht wieder von den 100 Extrafunktionären vielleicht gar 96 wären, die alles andere, denn zur würdigen Leitung der Gottesdienste geeignet wären. Von drei Personen wissen wir, dass es geradezu ein öffentlicher Skandal ist, dass solche Leute vor das Betpult und auf die Kanzel steigen durften. Von anderen wissen wir wohl nur deshalb nichts, weil überhaupt die Personalien nicht vorher und nicht nachher geprüft worden sind. Martin Simon vom Vorstände verspricht, soweit das angängig ist, Rcmcdur zu schaffen. Schon in dieser Woche soll durch grosse Inserate in den jüdischen Zeitungen geeignetes Persona! für die hohen Feiertage gesucht werden, damit man grössere Auswahl und mehr Zeit zur Erkundigung habe. Selbstverständlich sei es ausgeschlossen, das man sich bei allen über die sittliche Führung im Voraus vergewissern könne.; Eine Vorlage des Gemeindevorstandes, Mitglieder in die! Kommission zur Beratung über die Art der Vorbereitung von { Gemeindcbeschlüssen bezüglich der Wahl von Mitgliedern der; Verwalrungskommissionen zu entsenden, wird durch die Wahl! der Herren Minden, Dr. Ignaz Cohn, Louis Sachs und Isidor , Sachs erledigt. In geheimer Sitzung wird sodann die Vorlage! über die Einsetzung einer gemischten Deputation zur Vorbe- 1 reitung der Frage des Neubaues, bezw. des Umbaues des Krankenhauses behandelt. Wir haben schon wiederholt uns da* gegen ausgesprochen, •dass das in geheimer Sitzung ge- Schicht und werden unsere Repräsentanten bei den Wahlen nach den Gründen dafür fragen müssen Es folgen dann in geheimer Sitzung eine Anzahl Vorlagen, die in die öffentliche Sitzung tatsächlich nicht hincingchörcn, so Verlängerung von Anstellungen. Amtsgewalt des Inspektors der Altersvergungsanstalt» Anstellung eines Kassenboten und Aehnlichcs mehr. Nächste Sitzung, Sonntag. 4. 4. 3ח., || Uhr. —! % Verband der Vereine zur Förderung des Handwerks und der Bodenkultur unter den Juden Deutsch- > I a 11 d s. 'j 1 Am Sonntag, dem 15. März fand in den Räumen der Bnc- Brith-Logcu. Berlin. Wilhelms{r. 118, die Zusammenkunft von Delegierten zahlreicher Vereinigungen statt, welche auf Ein- I laeung eines provisorischen Ausschusses zusammengekommeu ־ waren, um über die Gründung des ״Verbandes der; Vereine zur Förderung des Handwerks und der Bodenkultur unter den Juden Deutschi fand s“ zu beraten. Schon seit längerer Zeit waren Veri suche verschiedener Art in dieser Richtung unternommen wor- ] den; hcreits im Jahre 1894 schlug Rechtsanwalt Dr. Meyer j in einem Artikel ״Produktive Arbeit und Judentum“־ eine Ver- I bindung und Angliedcning aller dieser Vereine und Anstalten j in ganz Deutschland vor. (gemeint sind Vereine zur Förderung j von Handweik und Bodenkultur). Dann wurde auf dem Ver- I bandstage d. D. J. G. B. des Jahres 1898 auf Anregung des j seitdem verstorbenen Begründers des Berliner Arbeitsnach- ׳ weises. Engen Roscnst&l, beschlossen, ״eine Zentralisierte j Organisation für Arbeitsnachweis“ cinzurichten; der D. J. I «■* fj,, » »»>< »• * 4 -g « יי*יייי־*4"*"’ ״Vf-' '

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