Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 7 (13.2.1903)
- Date
- 1903-02-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2651273-2651289-2651297--00192-2656967- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
*׳* *»"**.י " •־׳ף Jj ׳־*־" 11;< ״' ' ׳ וי׳ «״*«■•«* ,*<*•“#>.״ .**«*״*««( .viי ■«**״♦״%׳** 4׳• »״,‘ *t '• .8eita52. Jüdische Rundsclutn. No. Professor Dr. Karl Diehl über den « Zionismus. (Ein Interview.) Nicht nur auf zionistischer Seite ist man, besonders in letzter Zeit, daran gegangen, Meinungen hervorragender Männer über die jüdisch-nationale Bcwcgung einzuholen. Es hat sich dabei gezeigt, dass alle Staatsmänner, Dichter und Gelehrte, die um ihre Ansicht angegangen worden sind, sich mit warmer Sympathie, ja mit Begeisterung über den Zionismus ausgesprochen haben. So hielt es auch der Unterzeichnete für angezeigt, sich an den hiesigen Lehrer der Nationalökonomie, den über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannten Universltätsprofcssor Dr. Diehl zu wenden. Der Herr Professor, der sich bereits mit der zionistischen Idee beschäftigt find besonders Nordaus Schriften hierüber gelesen hatte, bewilligte mir zwei Unterredungen, in denen der Gegenstand eingehend besprochen wurde. Man ging von der Assimilation aus; Diehl, der ihr sonst nicht abgeneigt wäre, gab im Laufe des Gesprächcs zu, dass sie für die ganze jüdische Nation 1111־ durchführbar sei, also nicht imstande, (in den Ländern, wo eine Judenfragc existiert) die Judenfrage zu lösen. Bei der nun folgenden Erörterung des Zionismus äusserte der Lehrer der Volkswirtschaft das Bedenken, die europäischen Länder würden einen wirtschaftlichen Verlust erleiden, wenn alle Juden aus ihnen emigriertcn. Doch liess der Herr Professor dieses Bedenken fallen, .als ich darlegte, dass viele Juden in ihrer jetzigen Heimat Zurückbleiben würden. Zum Schlüsse fasste Professor Diehl seine Aeussernng dahin zusammen, dass er dem Zionismus, der eine Heimstätte für die bedrückten Juden zu schaffen erstrebt, sehr sympat)lisch gegenüberstehe. Die Idee sei vollkommen realisierbar; zu zweifein sei jedoch an der Fähigkeit und dem guten Willen, die enormen Summen aufzubringen, die eine solche Translokation erheischt. - Der Herr Professor ermächtigte mich, diese seine Meinung zu veröffentlichen. Professor Diehl’s Hauptzweifel am Gelingen der zionistischen Idee sollte auch für unsere Kapitalisten eine Mahnung sein, auch ihrerseits, wie der Mittelstand und unsere leinen Leute mit ihrem Gelde die gute Sache kräftig zu unterstützen, um ihren Brüdern im Osten, die in Elend und Knechtschaft schmachten, ein Icbenswertes Dasein auf dem Boden der alten Heimat zu ermöglichen. Es gilt besonders für'unsere Wohlhabenden Herzl’s Wort: ״Wenn i h r wollt, ist es kein Märchen.“ Königsberg i. Pr., im Januar 1903. cand. phil. A. F r i e d m a n n. Vorsitzender des Akadem. Vereins ״Herzl“. 10 Aus der Bewegung. ׳a ■*«Al Distriktsbureau Berlin. Soeben ist die zweite Aufläge der seit Jahren vergriffenen grundlegenden Broschüre von Dr. Leo Pinskcr, ..Autoemanzipation“ erschienen. Das schön ausgcstanetc, mH einem Vorwort von Dr. AL T. Sclmirer versehene Werk ist durch die Expedition der Jüdischen Rundschau für 0.70 AL zuziigüch Porto zu beziehen. Wir machen gleichzeitig darauf aufmerksam, dass die Expedition der Jüdischen Rundschau, Auguststr. 49a, ausser den aus dem Inseratenteil ersichtlichen Bröseln'!־ ren folgende Werke abgibt: 1. Dr. Theodor Hcrzl. Der Judenstaat. Preis 1 AI. 2. Der Jüdische A i!11 a 11 a e 11. Preis 6 AL 3. Dr. Theodor Zlocisti: Vom Heimweg. Preis 3 AL, broschiert 2 AL *1. Eine Jüdische Hoc h s c 11 u 1 e. Preis 1 AL 5. Dr. Leo Pinskcr: Autoemanzipation. Preis 0,70 AL 6. Protokolle vom 1.', 2.. 3. und 5. Kongress. Preis 0,80 AL Sämtliche Preise exklusive Porto. Distriktsbureau Berlin. Hierdurch ersuchen wir sämtliche deutsche Parteigenossen Spenden f u 1 den Jüdischen Nationalfond stets an die Expcdition der Jüdischen Rundschau zu Berlin C. 22, Augustst49 .־a. zu senden. Abramsohn (verbessernd): Juden beuge!, Judenbengel! (er geht der Tiirc zu). Markus (ihm nach, zischend): Schweinehund! Abramsohn (sich jäh umkehrend): Sagten Sie — —? Markus (erschrocken stotternd): N—ichts (Abramsohn ab). — Pause —• (Walter steht in der Tür links). x Markus (mit wütenden! Lachen): . N11? — juijc Itzigü? — (er steckt die Daumen in die Armlöcher der Weste und singt karrrkierend): ״Der Onkel Isidor-“. Walter: ' Pfui! Markus (perplex. Nach einer Pause): ' Du verdienst eine Maulschelle! (Pause.) Weistc auch, warum? Weiste. auch, warum? Wenn du Christ wärest, hätte ich zu dieser Frechheit nichts gesagt! j Aber du bist doch schon *ewissermassen Jude. So befolge | wenigstens die jüdischen Gebote: ״Ehre Vater und Mutter!“ : nu weisst* es! I (Er macht einen Gang durchs Zimmer, dann setzt er sich in einen Sessel und lacht aus vollem Halse.) Walter (mit Bitterkeit): So lacht mein Vater sich selbst aus! Markus: Miel! selbst? Atich selbst? Walter: So sich dir doch im Spiegel dein Gesicht an! Markus: Was?? Ereclier Bengel!! — — Uebrigcus, lass dir nur sagen, dass ich mich garnicht, garnicht getroffen fühle, dem! erst gestern hat man mir erklärt, ich sähe überhaupt garnicht jüdisch aus! Walter (prustet heraus): Pf! - Markus: Ich bitte, dass du dich nicht über mich lustig machst, ich bin keine Karrikatur aus dem Simplicissimus. —• Schweig!! -So, und nun zur Sache! Du willst also Jude werden? Walter: ׳Ja! Markus: Ich verbiete dir das! MVi*־T ’ ז r5*?lT v.ep.iJÖ ■ י »