Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 6 (6.2.1903)
- Date
- 1903-02-06
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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’*י/י * ׳»• £48»8elt’ י< . *Tlidisclie Rundschau. No. 6 1 gegenkommen möge, and dass sic besonders Ober die krossen zahlenraässlgcn Berichte das einscljläglge Material den Journallstcrt *mechanisch vervielfältigt übergeben Hesse. Die ge-!tauen Angaben zu Beginn dieses Berichts verdanken wir lediglieh dem persönlichen Entgegenkommen des Rechtsanwalts Herrn Dr. Ignaz Cohn. Berlin. Am 2. Februar sprach in den sogenannten Montagsvorlesungen Hugo Wincklcr Ober ״Palästina in israc- Ütischer Zelt.“ Wir hörten wiederum, dass kein Kenner des alten Orients!bezweifeln könne, dass der sogenannte jüdische Monotheismus vor Israel im Orient vorhanden gewesen sc*, wir hörten auch, — das zum ersten Male —, dass die biblische Erzählung Abraham aus Babylon kommen und Josef und Moses in Egypten auftreten lasse, weil sie ein deutliches Bewusstsein davon habe, dass diese drei ־aus den allgemeinen Vorstellungen des alten (babylonischen) Orients ihr geistiges Material gewonnen haben. Aber das offizielle Israel, das vor allem zahlreich vertreten war, blieb diesmal ganz ruhig, nicht .die Spur einer Nervosität zeigte sich, und doch war es vie1 mehr, als was Pcjitzsch je behauptet hatte. Wer das bezweifeln wollte, der lese nach, was Wincklcr in seiner Oeschichte ״des alten Westasien*‘ in Hclmholts Weltgeschichte III, S. 39 ff. über diesen Gegenstand vcrlantbart hat. Aue’! die oberflächlichste Lektüre muss zeigen, dass die Winck- •letschen Anschauungen, wenn sie auch ohne die pompöse Sensation der Dclitzschcn Ergicssungcn, ganz anspruchslos in die Welt getreten sind, für unsere Auffassung von der Rcligionsgeschichte Israels weit umwälzender und bestätigt, geradezu erschütternd sind. Dass diese genialen Konzentionen gestern abgcblasstcr erschienen, versteht sich vor. selbst: der Gast nimmt, wenn auch vielleicht blos unbewusst, auf die Anschauungen dessen, der ihn eingeladen hat. Rücksicht. Aber doch war das wesentlich beruhigende für a l die erschreckten Seelen erst der Umstand, dass Wincklcr die Entlehnung orientalischen Kulturgutes durch einzelne Glieder des orientalischen Kulturpreises, welche die Juden doch nur waren, an dem Beispiele der Gegenwart erläuterte. Der modernc Jude sei Deutscher,Engländer,Amerikaner: wenn er nur auch speziell jüdische Ziele verfolge, so müsse er sein geistiges Rüstzeug und seine Anschauungen überhaupt aus dem Ki'lturbesitz seiner Nation entlehnen. Für uns ist es Interessant. wie die moderne Fremdnationalität der Juden auf die Auffassung von der alten Geschichte unseres Volkes einwirkt. Vielleicht würden die offiziellen Judenkreise sich c!,;- mal klar machen, dass sie mit ihrer Ablcugnuug jüdischer. Eigenart die Veranlassung geben, auch dem jüdischen Altertum originale Kulturarbeit und Kulturschöpfungen abzusprechen. Wincklcr imponiert uns wiederum durch seine geniale Auffassung von der Geschichte des alten Orients; die Rekonstruktion dieser Geschichte aus biblischer Sagenwelt verbieten uns wissenschaftliche Gründe zu akzeptieren. . Dr. A r thu r Bi ra m. Kopenhagen. Als Oberrabbiner für die hiesige jüdische Glaubensgemeinschaft ist, wie die Tageszeitungen mitteile.’i können, Dr. Lccuwcnstcin, bisher Oberrabbiner im Haag gewählt worden. Herr Lecuweustein steht im Alter von 37 Jahfcn und ist aus der holländischen Kolonie Surinam (in Südamerika) gebürtig. Er hat seiner Zeit, als noch nicht an Zionistenkongresse zu denken war, in Berlin eine kleine Schrift gegen den Zionismus erscheinen lassen, später aber in Lecuwardcn und s’Oravcnhagc sich stets als warmherziger Freund unserer Bewegung bewiesen. -- Die hiesige, vor kurzem gegründete zionistische Vereinigung zählt bereits ca. 35 Mitglieder. .g. 'GL שפר־־־-—ד Kleine Chronik. _ - Berlin. Wir haben in Nummer 3 eine Anzahl Firmen aufgezählt, die im Antisemitischen Adressbuch als völlig judmreine Firmen angczcigt sind;. Darunter war auch Alt!- man ns Zahnklinik am Alexanderplatz. Darauf teilt uns.Herr Altmanu mit, dass er wünsche, bCI uusern Lesern nicht als Antisemit zu gelten; er sei konservativ, nicht Antisemit und beschäftige. Juden. Diesem Wunsche tragen wir hierdurch Rechnung. ~ ' ־ v 4 ' .; Posen. Der hier erscheinende ״Je sc hu r,u n“, der aus seiner •*Sympathie für den •Zionismus keinen Hehl macht, .spricht bei-einem. Bericht Über Versammlungen in Samter und Lissa den Wunsch und die Notwendigkeit aus, in unsern Ostprovinzen •energisch für den Zionismus zu agitieren. «*-' Ostrowo. Der Mörder der jüdischen Witwe. Budwig wird von! Nachbarreich nicht ausgeliefert werden. Er kann nach dortigem Gesetze nicht höher als zu 20 Jahren Verbannung und allenfalls Zwangsarbeit verurteilt werden, da Todesstrafe nur für solche angewendet werden kann, die ״politisch'* angeschuldigt werden. —־ Frankfurt am Main. Das hier seit einigen Wochen erscheinende ״Frankfurter Israelitische Familienblatt“, das bisher seinen Herausgeber nicht nannte, trägt jetzt an seinem Kopfe den Vermerk: Herausgeber: Saly Gds. Der Name unseres Freundes Geis bürgt dafür, dass keine leichtsinnigen Abgriffe in dem Blatte gegen unsere Bewegung erfolgen dürften, wie das In andern Blättern noch Immer zu oft der Fall Ist. Die vorliegende Nummer bringt, freilich nur als ״Eingesandt, ohne redaktionelle VerantwortlichkcU“, einen ausführlichen Bericht über die Versammlung des Vereins Nachlass Zwi. der hi beredten Worten unsern Standpunkt verficht. Wir wünschen, dass das Blatt so zionistisch wird, dass cs uns tüchtig ״Konkurrenz“ macht. — Wiesbaden. Hier fand eine glänzende Feier statt, die dem Fräulein W o 1 f f bei einer Gelegenheit ihres! 25jährigen Jubiläums als Vorsteherin des bekannten Damcnerziehungs- Institutes galt. Wir wünschen dem Institut, dass es unter ihrer vortrefflichen Leitung sich auch weiterhin der wohlwollenden Gunst der weiteren und weitesten jüdischen Kreise erfreuen möge. - Nürnberg. Im Gcmcindekolleg wurde ein Ministerialerlass erwähnt, wodurch die Stadt Nürnberg veranlasst werden soll, die beiden Lehrer jüdischen Glaubens von ihren Simultanschulen zu entfernen und jüdische Lehrer nicht mehr anzustellen. Die Angelegenheit wurde an eine Gehcinisitzung verwiesen. — In Mcntone stürzte ein Wagen tir.d cs wurden die beiden Dichter Maetcrlingk und unser Zangwill verletzt, letztcrer sogar sehr erheblich am Auge. — London. Bei dem Brande der Irrenanstalt Colney Hatch sind der grösste Teil der verbrannten Unglücklichen polnische und deutsche Jüdinneu. Budapest. Um den Juden die ״Toleranz“ zu zeigen ist durch •den Handelsminister, der nicht von jüdischen Gemcinden autorisierte Koscherfleischvcrkauf mit hoher Geldstiafc belegt. Nun soll Ungarn noch nicht tolerant sein! — Bukarest. D:c zwischen den Regierungen Ungarns und Rumäniens geführten Verhandlungen, betreffend die Aus- Wanderung von Juden aus Rumänien haben zu folgendem Ergebnis geführt: Die rumänischen Behörden machen dem österreichisch-ungarischen Generalkonsulat zu Bukarest von jedem an jüdische Auswanderer verabfolgten Auslandspass Mitteilung, sofern die Auswanderer ihren Weg über ungarischcs Gebiet nehmen wollen. Die ungarischen Behörden werden diese Auswanderer genau überwachen und haben das Recht, jeden derselben, der binnen acht Tagen innerhalb Ungarns wegen Mittellosigkeit angehalten wird, nach Runiänien zurückzubefördern. Ist diese Frist verstrichen, so braucht Rumänien etwaige Zwangs-Rückwanderer nur dann aufzunehmen, wenn dieselben rumänische Staatsbürger waren. — Während der Verhandlungen wurde übrigens fcstgcstcllt, dass sich im Laufe des Jahres 1902 nur 21 jüdische Familien aus Rumänien in Ungarn ansässig gemacht haben. Und um dieser 21 Familien willen ist Ungarn in Not! — Nationaifond. E. Pfennigsammlung 1,20 Mk. Hör. ges. 0,50 Mk. K. 0.10 Mk. R. 0,05 Mk. Kr. Posen 1 Mk. B. M. Berlin 1 Mk. M. U. Z. 0,50 Mk.; in Summa 4,35 Mk. ־ ־־'־י 3^- ־ י״* |:| Briefkasten der Redaktion. N 0 Qcrüchten gegenüber bemerken wir, dass es eine einfache aber grobe Unwahrheit ist. wenn erzählt wird, dass unser Redakteur geschlagen worden wäre. Wer ihn kennt, weiss ohnehin von vornherein, dass das Gegenteil eher wahr sein müsste. Mancher fühlt eben den eigenen Mut gehoben, wenn er einem andern die Schläge anüichtet. ־die er sich nicht getraut, ihm zu .verabfolgen. E. in Duisburg. Besten Dank. Die Grüssc erwidere ich aufs allcrherzlichste. Habe mich sehr gefreut von einem Heben Freunde, wieder etwas zu hören und noch dazu Zionistischcs! . ... . * Herrmann. ׳Sie wünschen von. uns doch keinen Artikel über Jüdisches Kalender wesen? Ihre Witze sind Ja ganz gut. aber können unsern Kalender darum nicht unrichtig machen. Ziöusgruss. » ־.. ‘ Verschiedene Berichte mussten Raummangels halber zu- . ' . röckblelbeo. . 1