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Jüdische Rundschau · 1903-01-30 · Heft 5 (30.1.1903) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 5 (30.1.1903)
Date
1903-01-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Eine merkwürdige Entscheidung ist von dem Provinzialschulkollegium ausgegangen, die der Mehrheit der Berliner Jüdischen Gemeinde keineswegs gleichgiltig bleiben kann. Das Königliche Provinzial- 1 schul kol legi um hat sich in einer Antwort an die Jüdische Gemeinde auf den Standpunkt gestellt, dass das Hebräische kein integrierender Teil des jüdischen Religionsunterrichts sei. Denn sonst hätte es nie und; nimmermehr entscheiden können, dass an den Gemeinde- 1 und Volksschulen jüdischer Religionsunterricht ohne i hebräischen Sprachunterricht zuerteilen wäre. Zwar muss das Kollegium unumwunden zugeben, dass es nicht befugt sei, zu entscheiden, was jüdischer Religions-Unterricht sei und dass die Vertretung der Juden.allein, in diesem Falle der Vorstand der Jüdisehen Gemeinde zu entscheiden habe, was jüdischer Religionsunterricht sei und das Hebräische unbedingt dazu gehöre, aber es hat sich veranlasst gesehen, sich auf ״Jüdische Kreise“ zu berufen, in denen selbst vielfach auf den Unterricht im Hebräischen kein Ge- | wicht gelegt werde. j Nun wird doch das Provinzialschulkollegium! . wissen, dass es noch viel weitero Kreise evangelischer Christen giebt, die •auf die Dogmen der protestanlisehen Kirclio noch viel weniger Gewicht legen als diese gewissen jüdischen Kreise auf den hebräischen i• Unterricht, wird abor doch keineswegs jemals daraus den Schluss ziehen, dass diese Dogmen und was da- | mit zusammenhängt, im evangelischen Religionsunterricht in Wegfall kommen sollten. Am verfehltesten ist es freilich, sich zu diesem Behuf© auf gewiss© ,.jüdische Kreise“ zu beziehen, da dieso gewissen Kreise es ja sind, die in diosor Ableugnung des Hebräischen ja auch nur einen der vielen gewissen Schritte aus dem Judentum heraus . erblicken, die sie zum Christentum hin machen, deron erster Schritt oben die Abschattung der hebräischen! Gebctssprachö ist und deren letzter die Taufe sein 8011.; Man .darf es uns nicht verdenken, wenn wir in t * Miesen Kreisen nicht die Vertreter, des Judentums er- | blicken können, sondern nur seine ingrimmigsten und gefährlichsten Feinde, und es kann nicht in der Absicht des Provinzialschulkollegiuras gelegen haben, uns in unserer Gewiss-msaugelegenheit Zwang antun zu wollen; ’ denn es gehört nicht der liberalen Riehtung an, die in der Städtischen Schul ieputation dazu beiträgt, aus dogmatisch-liberalen Bedenken die hebräische Gebetsspracho bei den Juden zu verpöneu. Der Hauptfehler liegt aber darin, dass man einen Ausdruck der christlichen Kirchen auf Juden und Judentum’anwendet, der dort überhaupt nicht hin* gehört und deshalb zu falschen Folgerungen führt. Das Wort ״Religion“ ist es, das zu falschen Kon- Sequenzen verleitet. Sehr richtig wandte sich unser grosser Moses Mendelssohn dagegen, dass wir Juden eine jüdische Religion hätten: ״Wir haben ein geoflenbartes Gesetz!“ Und deshalb ist es ein Fehler, von jüdischem Religionsunterricht zu sprechen, da man füglich von einem jüdischen Gesetzesunterricht, von einem Unterricht in unserer Torair oder am besten von einem Judentumsunterricht reden sollte. Die hebräische Sprache hat ja nicht einmal ein Wort, um das deutsche ״Religion“ wieder zu geben. Zu einem Jadentumsunterricht gehört aber vor allem die Sprache, in der unser Gesetz und unsere ganze Ueberlieferung uns überkommen ist. Dazu gehört für die, welche beten, die volle Kenntnis der Sprache, in der sie beton. Es giebt kein Judentum ohne Hebräisch, wie es keino Kirche ohtio Kreuz giebt. Das Provinzialschulkollegiam ist schlecht unterriehtetj wonn es meint, dass man Kinder im Judentum unterrichten kann, ohne sio zugleich in die hebräische Sprache intensiv einzuführen, und wir würden es als Gewissenszwang betrachten, wenn man uns hinderte, unseren Kindern in vollem Maaese die hebräische Sprache zugänglich zu machen. Einen grossen Teil der krankhaften Zustände im Judentum verdanken wir ausschliesslich der Unkenntnis unserer Sprache, der Sprache, in der unsere grossen Propheten zu uns sprechen, in der unsere Dichter gesungen haben und in der ■wir unsere jüdischon Hoffnungen aussprechen. Es wäre ein schweres, Stück Krankheit, wenn es wirklich weitere Kreise im Judentum geben sollte, die ernsthaft daran dächten, r « } ■JF >%%%(■ -Sf׳*#״

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