Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 3 (16.1.1903)
- Date
- 1903-01-16
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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*ÖL1 ■״״aCP״C!ייממיי־י 8Site 24 Jttdisohe Rundschau. No. ־v-. iG־ Kleine Chronik. ־ÖS* 1CL . Bcrl.n. Bel der Landtagsersatzwahl für Virchow wurde der Stadtrat Rosenow gewählt. Es muss bemerkt werden, dass eine sehr beträchtliche Zahl von liberalen Wählern sich nicht entschlossen konnte, dem gemeinsamen Kandidaten der Freisinnigen ihre Stimme zu gehen. Rosenow ist Jude. — Berlin. Im Bechstcinsaal war am Sonntag ein interessanter ׳Re* zitationsabend. Die althcbrüischc Littcratur gab den Ton. der angeschlagen wurde. Die Bibel lag auf dem Pulte artigeschlagen. Zum Vortrag kam?!! besonders das Dehorahlied. Stücke aus Jona und Daniel, besonders ab?r das Hohelied. Solche Darbietungen sind imstande eine sehr holte Achtung für das schöpferische Genie, das die Bibel der Welt gegeben, zu erzeugen. Dessau. Die Baronin von Oppcnheim-Cohu. die soeben verstorben ist. hat in i!1rcm Testamente unter andern! dem Deutschen Kaiser 2 Millionen Mark, der Stadt Dessau sowie der Jüdischen Gemeinde je 3 Millionen, ihren Verwandten eine Million vermacht. — Prag. Die Politik meldet: Der ztt lebenslänglicher Kerkerstrafc verurteilte Leopold Hilsncr befand sich vor einigen Tagen auf einem (lange der Strafanstalt Pankraz. Plötzlich sprang er zu einer Wand, an der ein Kruzifix angebracht war, riss es herab und warf es mit solcher Wucht zu Boden, dass cs beschädigt wurde. Hilsncr, gegen den die Untersuchung wegen Vergehens nach § 303 cingelcitet wurde, ist vom Untersuchungsrichter in der Strafanstalt vernommen worden. — Lemberg. Unter dem Titel ״M o r i a 11“ erscheint eine neue Monats- Schrift in polnischer Sprache, die sich in erster Linie au die jüdische Jugend wendet.* Das erste soeben erschiencuc Heft berechtigt zu grossen Erwartungen. - Budapest. Der Abgeordnete Visontai forderte die Regierung auf, Schritte zu unternehmen, damit Rumänien zur Einhaltung des Berliner Vertrages, welcher allen Staatsbürgern, also auch den Juden, gleiche Rechte sichere, ungehalten werde. — Budapest. In der ״Ungarischen Wochenschrift“ veröffentlicht unser Gesinnungsgenosse Dr. K. Lippe, der bekanntlich den ersten Basler Kongress als Alterspräside cröiuiete, eine Artikelreihe ״Jüdische Kreuzritter“, die der Aufmerksamkeit wert sind. Sie sind in erster Reihe gegen Vazsonyi gerichtet, enthalten aber auch über die Polemik hinaus sehr schätzenswertes Material, namentlich zur Geschichte der zionistischen Bewegung in yorherzlischer Zeit. — Paris. Im Journal des Debats!nacht der gefeierte französische Nationalökonom Paul Leroy-Beaulieu den Vorschlag, verschiedene Punkte des Bcr* liucr Vertrages, so die Verpflichtung der Türke:, Reformen f!• Mazedonien und Armenien cinzuführcn, sowie die Verpflichtung Rumäniens, den Juden die Bürgerrechte zu gebe.!, dem Haager j Schiedsgerichte zu unterbreiten. Das Organ, aas die chri-L־-; liehe Liebe gepachtet hat, die Krcuzzeitung, wendet sich gegen! diesen letzten Punkt, indem es u. a. motiviert, dass diese Oaj setzgebung ohnehin eine interne Angelegenheit Rumäniens ge- - worden wäre. Das ist die bekannte Mr.rai: ״Weil ich cs :>.» lange schon gestohlen habe, gehört es mir“. V. ir wussten bisj her nicht, dass das die christliche Moral ist, und wir glauben J es auch jetzt noch nicht, obwohl es in der Zeitung j mit dem grossen Kreuz an der Stirn steht. — Paris hat eine : geschichtliche Merkwürdigkeit eingebüsst. Die Rue des Juifs, unweit des Rathauses, ist in Ruc Ferdinand Duval umgenannt; worden. Der bisherige Name der Strasse ist uralt, wie die! Niederlassung der Juden. Schon im fünften Jahrhundert wurde! den Geistlichen verboten, bei Juden zu speisen — es müssen | also damals schon Juden da gewesen sein. Freilich wurden sic; mehrere Male durch die Könige aus Frankreich vertrieben, , wobei sie sich nach Deutschland und nach dem päpstlichen * Avignon flüchteten. In Paris hat cs indessen immer Juden gej geben, die Rue des Juifs bildete die Mitte des von Ihnen be*! wohnten Viertels. Uebcr deren Namen beklagte sich niemand,! um wenigsten die noch ziemlich zahlreich in der Rue des j Juifs und auch sonst in Ihrem alten Vierte! wohnenden Juden. ' Man erinnert sich dabei auch der ״Juiverie“. die in Pamphleten gegen Molidrc (Elomire) zitiert wurde. Er war ein Sohn der Judengasse, aber kein Jude. Dem antisemitischen Gemeinderat gebührt das — Verdienst, den Judennamen• vom 1 Strassenvcrzeichnis gestrichen zu haben. — London. (Jüdische I Soldaten). Anlässlich der Mitteilung, dass jüngst der englische! Oberbefehlshaber Lord Roberts in einer der Hauptsynagogen j Londons einem besondern Gottesdienst für jüdische Soldaten > beigewohnt habe, kommt ein Artikel des Wochenblatts Specj tator auf die Vertretung der Judenschaft Im englischen und j •in ausländischen Heeren zu sprechen. Dabei wird unter andern! ־ örwähni dass im südafrikanischen •Krieg? über 1200 Mann jüdischer Abkunft als Offiziere und Soldaten gekämpft haben. Die Zahl der Toten und Verwundeten unter ihnen soll einen ungewöhnlich hoben Prozentsatz ergeben. Unter aktiven höhern Offizieren israelitischer Abkunft und Bekenntnisses werden die Obersten Montefiore, Leverson und Goldsmid erwähnt. Wollte man nur die Abkunft in Betracht ziehen, so könnte man auch noch höher hinauf jüdische Soldaten linden, die aber heute dem christlichen Bekenntnis angchörcn. Auch im indischen Heere unter den eingeborenen Truppenteilen sollen Juden verhältnismässig zahlreich vertreten sein. Sie entstammen zun» guten Teil einer Jtidcnkolonic in Bombay, die als die Beul Yisrael bekannt ist. Merkwürdigerweise ist dieser Bcvölkcrungsbruchtcil, der seit uralten Zeiten dort scsshaft ist. der einzige, dessen Hauptbeschäftigung als Soldatendienst in den amtlichen Listen verzeichnet ist. Seine Sühne!nahen seit mehr afs hundert Jahren den indischen Regimenter{; eine Menge cingeborncr Oiiiziere geliefert, von denen sich manche bis in tietic.ej Zeit glänzend hervorgetan u:1d mit Ruhm ' und Auszeichnung bedeckt haben. Nach dem Gewährsmann! des Snectators dienen volle 50 00U Juden in den Reihen des i russischen Heeres und der grössere Teil des Ersatzes, der aus Galizien dem österreichisch-ungarischen Heere zugeführt wird, gehört ebenfalls zum auserwählten Volke. Ueber die Juden im französischen Heere ist nach der ,;Atfairc“ nicht gut reden. Auch im italienischen Heere sind sie ittt Ofiizicrkorps wie im Gliede nicht spärlich vertreten. Dass aber General Ottolenghi. der heutige Kriegsminister und frühere kommandierende Ge- 'ncral des wichtigsten Korpsbezirks, ein strenggläubiger Jude ist. ist bekannt. — Merw. Die sämtlichen salor-türkisc :011 Stämme von Karaman, Jalawatsch und Kyl'tsch-Agln Inb.M au die russischen Behörden Bittschriften eingcrcicht, die Judenauswcisung zurückzuuchmcu, da si: dies im Interessc der eigenen Ökonotnischen Existenz für unbedingt notwendig erachten. — Portlard (Oregon). Der frühere amerikanische Gesandte in Konstantinopel S. Hirsch stari» hier am 16. 12. am Herzschlag. Er war ein treuer Sohn der jiidisclien Nation, und hat in seiner einflussreichen Stellung niemals Hehl aus seiner Abstammung gemacht und ist in echt nationalen; Sinne oft wirksam für seine jüdischen Stammes brüder cingetreten. Persönliches. Unser lieber Gesinnungsgenosse Dr. Karl Jeremias in Posen hat sich mit Fräulein Rosa G r ti 11 - b a u ni verlobt. Wir wünschen den Verlobten von Herzet» Glück! Nationalfond. zur י י■" י. Hermann S t r u c k - Berlin, anstatt eines Telegratntttes Hochzeit des;HZioniste11 Josef liackcnbroch mit Frl. Martha F c u c h t w a n g e r, Würzburg 2 Mark. Jüdisch- Nationale Frauenvereinigung, Berlin, anstatt Telegramm zunt Makkabäerfest der Jüdisch- Nationalen FraucnvcreiitiRung, Frankfurt a. M״ 0.30 Mk. — Brith Mila bei Herrn C. Majerowitsch 5,70 Mk. — Hermann L ö b - Butzbach 3 Mk. — I. H. W. Allmählich gesammelt 8 Mk. — Abraham Ben Jacob, Allmählich gesammelt 8 Mk. — Frl. S. M., Piennigsammhing 0,50 Mk. — Felix Simon, gesammelt in Frankfurt a. Oder, 11,50 Mk. — Bei der M a k k a b ä e r f c! e r in Gleiwitz gesammelt 16,15 Mk. — Von David Schlossberg, Chanukahgcld 0,50 Mk. ־״ Beim Kartenspielen bei Po me ranz, am achten Chanukahtag, (Königsberg), 1,05 Mk. — (L.) Cabaret K. E. 1 Mark. |:i Briefkasten der Redaktion. Fl V V T? T V V? V T T T T Y 1׳' V V V V V T T V V V V 1׳' V T? T? V TV Barth. Wir haben kein Manuskript erhalten, würden uns aber freuen, wenn Sie wieder fleissig mitarbeiten wolltet! Manuskripte bitte aber immer direkt an die Redaktion zu senden. Z*>n$sruss. ------—- - - ■■M-, , I --- - .- Rosa Grihibanm Dr. Karl Jeremias Verlobte. Posen, in Tcbcth 5663. **'י*"־